Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 23 (12.10.1922)
- Date
- 1922-10-12
- Page
- Seite 281 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 3 M. Mütter sülDeutsctitum unS Judentum Postscheckkonty; 30472 Serlin, 12. Oktober 1922 I, Jahrgang ❖ Nr. 23 fvryan 0es tentratVereins üeutsrker StaatsvüryerMMcKen MaLvens?v. S^II^Sr^Sii^S Lsirur^^ cäss 0u.c2sr^r^r-n.s Verlag un- Schriftleitung: Veriin SA) ö§, Linöenftraße 13 ❖ Fernsprecher: Kmt Dönhoff 3594, 3595, 3594 Die Zeitschrift ist nur durch di« zuständige Postanstalt zum -Preise von vierteljährlich M. 35.— zu beziehen- Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: AL. 30,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50°/o Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile Ai. 150,— Die Meisen von Aon" in Leipzig. Das Leitmotiv -er Angeklagten. — Neue Lügen. — vogel-Strauß-politik. . Die Augen Deutschlands sind seit Tagen auf Leipzig gerichtet, wo die unreifen jungen Menschen, die Walther Rathenau hinmeuchelten —Decher nicht auch ihre Auftraggeber und Verführer — ihres Urteils harren. Zu dem neu auflebenden Entsetzen über die Untat, die nicht bloß den Verlust eines nie Ersetzbaren, sondern unendliches Volkselend bedeutet, tritt das nicht aeringere über die intellektuelle Minderwertigkeit, die .politische Ignoranz, die naive Albernheit, die — mit Kriegsverrohtheit gepaart — aus dem Verteidigungsgestammel dieser verhetzten grünen Jungen spricht. Kerner, dem die geistige Bedeutung Rathenaus auch nur entfernt aufgedämmert wäre, keiner, der sein Wollen, seine Schriften gekannt, geschweige denn begriffen hätte, keiner, der Rathenaus Politik irgendwelche andersgerichtete, doch feste Ueoerzeugung entgegenzustellen hätte. Was diese ahnungslosen Mordbuben Vorbringen, ist immer nur der Abklatsch dummen Bierbankgeschwätzes, gedankenloser Phrasen aus dem Artikelgewäsch der Fritsch, Kunze und Wulle. Und als ständiges Leitmotiv dieser Kakophonie erklingt immer wieder die Berufung auf ein Buch, das hundertmal als gemeine Fälschung entlarvt, hundertmal als Ausgeburt einer verbrecherischen Hintertreppenromantik gebrandmarkt, hundertmal dem Fluch der Lächerlichkeit überantwortet wurde — aus die berüchtigten' „Weisen von Zion". Dieses Schundwerk scheint die Bibel der Techow, Tillessen und Genossen, aber auch die ihrer nicht genannten, dennoch nicht unbekannten Hintermänner gewesen zu sein. Aus. diesen . gedruckten Unflat schwören sie und bringen ihn nun mit einer — natürlich nie im .sinnvollen Zusammenhang gelesenen, daher völlig mißverstandenen — Stelle aus Rathenaus Schriften in Verbindung, in der von jenen dreihundert Männern gesprochen wird, die heute das Wirtschaftsleben der Welt lenken. Daß die Männer, an die Rathenau hierbei dachte, daß die Stinnes, Krupp, Morgan, Ford keine Juden, ja zum Teil heftige Judengegner sind, wissen diese Moudhel-den nicht oder wollen es nicht wissen. Für sie war auch Rachenau einer jener Wirtschastsführer, sie machen ihn mit einem Gedankensprung, dessen nur Sekundanerhirne fähig sind, zu „einem der Weisen von Zion" — und rechtfertigen damit ihre Mordtat! Doch diese dreizehn von solch fanatischem Unsinn zum Verbrechen Getriebenen sind nur ein winziger Bruchteil jener, denen ähnliche Irrlehren das Denken umnebeln und die Seelen vergiften; sie sind leider die charakteristischen Vertreter einer Jugend, die — unfähig, sich von der Ideologie überholter Zeitläufte zu befreien —" oen trotzig blindwütigen Kampf gegen moderne Staatsentwicklung für nationales Beginnen hält und sich von gewissenlosen'Parteischächern ausschwatzen läßt, die Juden — dieses Häuflein deutscher Juden, kein ganzes Prozent der Bevölkerung! — trügen die einzige Schuld an Krieg und Kriegsverlust, an Revolution und Elend, an Geldentwertung und Preissturz und hätten die jammervolle Gegenwart nur herbeigeführt, um die Herrschaft nicht nur Deutschlands, nein, die Herrschaft der Welt, an sich zu reihen! Denn so steht es in den „Weisen von Zion" unb deshalb taucht jetzt in Leipzig dieses Werk immer wieder als Argument, als Autorität, als Rechtfertigung auf. Den Vielen, denen die furchtbare Volksverhetzung durch diese und hundert ähnliche Schriften stets nur als plumpe Bauernfängerei erschien, der kein Vollsinniger zum Opfer fallen könne, den Vielen, die achselzuckend an ihr vorbeigingen, „weil ja doch niemand den Unsinn ernst nimmt", und namentlich den Vielen in unseren eigenen Reihen, die uns oft genug Schwarzseherei und Gespensterfurcht vorwarsen, wird jetzt wohl ein Licht aufgehen, in dessen Schein bessere Einsicht erwächst. Mag hundertmal der ruhig wägende Verstand Gebildeter sich dagegen sträuben, daß die krassen Märchen von den jüdischen WeltherrschastsgelüsLen und noch tollerer Wahnwitz gläubig hingenommen, zum Motiv, zur Devise politischen Handelns gemacht werden —der Rathenau-Prozeß wird sie eines anderen — leider nicht besseren — belehren und ihnen zeigen, um wieviel stärkere Kräfte heute von Dummheit, Roheit und Gewalt ausgehen, denn von Bildung, Sitte und Menschenliebe. Nie war Hamlets Klage: „Die Zeit ist aus den Firgen!" berechtigter, als in unseren Tagen. . Wen aber selbst der noch unentschiedene Prozeß in Leipzig nicht genügend darüber aufklärt, mit welch unermüdlichem Eifer immer neue Verleumdungsauellen erschlossen werden, immer neue Lügen neuen Haß aufzupeitschen am Werke sind, dem sei rasch eine Probe der allerjüngsten Produkte aus der antisemitischen Hexenküche vorgesetzt: das letzte der „Aufklärungsblätter" der Deutschen Erneuerungsgemeinde betitelt sich: „W e r m a ch t d i e P r e i s e V und benutzt nochmals die traurige Verblödung, die von den „Weisen von Zion" bereits angerichtet ist, um die jetzt so aktuelle Frage zu beantworten. Es heißt da: „Vergeblich bemühen sich die Staatsmänner aller Länder, die Finanzen der Staaten zu ordnen und die Schulden abzuwälzen: eine geheime Macht h i n t e r t r e i b t alle ihre Plane. " Die jüdi s ch e Ö b e r r eg i e r u u g ist Herr über das Schicksal der Völker und lenkt es nach Belieben. Sie diktiert uns d i e P r e i s e für allen Lebe n s b e darf und spielt mit uns, wie die Katze mit der Maus. Wodurch hat sie diese ungeheure Machtd Durch ihre ungeheure Geldmacht. Ter Ehrgeiz der Juden ist es, das Gold der g a n z e n W e l t in i h r e n H a n d e n zu vereinige n. Ferner. aber stützt sie sich noch auf die Blindheit und D u m m heit b e r A r b e i t e r , die bis heute noch die Partei der Juden nehmen und so den gefährlichsten Kapitalismus begünstigen. In den j ü d i s ch e n G r o ß b a n k e n von View Port lagern z w e i D r i t t e l des G o l d v o r r a t e s der g a n z e n W e l t. Diese Goldmacht ist es, die alle Länder knebelt und knechtet. Sie beherrscht die Banken und B ö r s e n, sie bestimmt die Preise für unsere Lebensmittel und für all unser'Hab und Gut. Sie diktiert den Kurs der Aktien und Staatspapiere; sie bestimmst den Preis unserer Mark."