Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 20 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277400--00270-2279379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
=- 249 Leser der C. B. - Zeitung! Die E. V. - Zeitung muß zum Gemeingut aller deutschen Juden gemacht werden. Eine nicht unbeträchtliche Zahl jüdischer Deutscher, die aus den früheren Preußischen, jetzt polnischen Gebietsteilen ausgewandert ist, muß dem C. V. und seinem Leserkreis wieder zugeführt werden. Veranlaßt dieselben zum Wiedereintritt in den C. V. oder teilt deren Adressen unseren Ortsgruppenleitern mit. Vorstände unserer Organisationen! Versucht die Namen eurer Heimattreuen Brüder auch aus den Listen der Heimats- und Flüchtlingsvereine 31t erfahren! Die neuen Satzungen des C. - V. auf Grund der Beschlüsse der letzten Hauptversammlung sind fertiggestellt und stehen unseren Landesverbänden und Ortsgruppen auf Anforderung zur Verfügung. Wirt bitten jedoch in Anbetracht der außerordentlichen Höhe der Druckkosten nur die notwendigste Anzahl zu verlangen. t>k Ursachen öer Pogromhetze inRattowch. (Von unserem eigenen Korrespondenten.) U-eber die Vorgänge in Kattowitz erhalten wir setzt noch folgenden Bericht, der. wenn er auch verspätet kommt, uns von besonderem Werte zu sein scheint. Die S ch r i s t l e i t u n g. Nack der Abtrennung Polnisch-Oberlschlesiens verhinderte eine streng durchgeführte Zollsperre die Einfuhr fast aller Waren in die Wojwodschaft Polnisch-Oberschlesien. Hohe Aus- und Einfuhrzölle führten zu einer Teuerung, die die allgemeine Preissteigerung in Deutschland weit übersteigt. Und so wurden natürlich die wenigen Warenvorräte in Polnisch-Oberschlesien rasch aufgekauft. Jeder suchte sich einzudecken. Der Ausverkauf und der Warenmangel haben eine große Unz u s r i e d e n h e i t in der Bevölkerung Oberschlesiens gezeitigt. Hier und da wurden Stimmungen laut, daß es früher (das heißt unter 'deutscher Herrschaft) doch bester gewesen wäre. Mit Beunruhigung mußten die polnischen Behörden einzelne sür einen Stimm u n g s w e ch s e l bezeichnende Vorgänge feststellen. So wurde aus einer Grube im Mhslowitzer Gebiet eine schwarzweißrote Fahne gehißt, und anderswo riß man den polnischen Adler herunter. Eine solche Polen Müdigkeit mußte unter allen Umständen verhindert werden; und gewisse Leute schämten sich nicht, für Dieses Ablenkungsmanöver wieder einmal das traditionelle Mittel der I u d e n h e tz e in Anspruch zu nehmen. Man hatte ja eine Presse, die sich solchem Bestreben gern zur Verfügung stellte. Die „Ob erschlesische Grenzzeitun 9" und der „P 0 lla!" wurden die Rufer im Streite. Die „Grenzzeitung" begann also mit einer frischfröhlichen Judenhetze. Sie ist ein sehr v e r g e ß il i ch e § Blatt. Denn sonst hätte sie sich erinnern müssen, daß bei den Abstimmungspropaganda-Umzügen öfter ein als polnischer Jude maskierter Mann austauehte, der, brüderlich umschlungen von zwei „edlen Polen", mitmarschierte. Es sollte das ein Sinnbild für die Gleichheit und Brüderlichkeit sein, die die oberschlesischen Juden in Polen zu erwarten hatten. Aber dieses Liebeswerbeu von ehedem war dem Gedächtnis der „Grenzzeitung" entschwunden. So hat sie schon am 26. Juni eine Jagd aus polnische Juden erzielen können, und sie feierte diesen Erfolg mit nachstehendem Erguß: „Der gestrige Nachmittag in Kattowitz stand unter dem Zeichen der Pajke's- und Kastanjagd. Wenn die Aktion einige Tage anhält, werden es wohl die meisten Juden vorziehen, in Sbsnowice und Oswiecim Geschäfte zu treiben und nicht in Kattowitz ihre Haut zu Markte zu tragen." Der traurige Ruhm der „Grenzzeitung" ließ nun den „Pollak". das Organ der nationalen Arbeiterpartei, nicht schlafen. Und er übertrumpfte die „Grenzzeitung" durch Artikel von so hemmungsloser Brutalität, daß selbst ein Knüppel-Kunze dabei erröten könnte. Hier eine Stilprobe vom 26. Juli d. I.: „Wenn aber jene Geier und Raben von ihren dunklen Geschäften nicht ablassen, so werden sich wohl auch für sie „Taufen" mit ausgiebiger Benutzung von Wasterplumpen, mit Abschneiden von Bärten und ähnlichen alten Erinnerungen finden. Freilich gibt es auch rasierte, europäisch gekleidete Juden. Aber man erkennt sie leicht an ihrem unverschämten Benehmen. Diese bringt man zur zeitweiligen Besinnung, vielleicht sogar zur Besserung, wenn da, wo sie nicht aus dem Wege gehen, sie durch Faustschläge in die Hüften, Ellenbogen! und die Magengegend traktiert werden, oder wenn man ihre Vörden Türen, auf den Treppen und in den Einfahrten herumstehenden Bündel zertritt. Achtet auf die!" Am 22. August ist nun diese Saat blutig ausgegangen. Es hat der unseren Lesern bekannte Pogrom stattgefunden, aber Herrn Korsanty keinen dauernden Erfolg gebracht/ Die Teuerungsunruhen haben sich auf ganz O b e r s ch l e s i e n ausgedehnt und, lvie -die letzten Telegramme besagen, einen ijo bedrohlichen Charakter besonders gegenüber den Verpflegungseiurichtungen der großen Werke angenommen, daß das Korfantysche Ablenkungsmanöver nunmehr auch von denen verdammt werden wird, die es für eine politische Tat hielten. E s i st e i n e a t t e Ges ch i chr e, d ie ew ig n eu b l e i bk: -die ant-isemitischen Hetzer können erreichen, daß Krawalle bei Juden den Anfang n e h m en/aber nicht, d a ß s i e s i ch a u s Juden b e s ch r ä n k e ix. Dr. R .... n. Jubiläum Hugo FalLenheims- Am 20. September sind 25 Jahre vergangen, seitdem der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Königsberg, Herr Geh. Medizinalrat Professor Dr. H it g 0 Falke n h e t m, in sein Amt als Vorstandsmitglied eingeführL wurde. Der Jubilar stammt aus einer alten Königsberger Familie. Sein Großvater Di*, pickt. Simon Falkenheim war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts lange Jahre als Sekretär der Gemeinde tätig. Sein Vater, Sanitätsrat Dr. Albert Falkenheim, ein beliebter Arzt, hatte im Vorstand und in der Repräsentanten- Versammlung unserer Gemeinde, sowie in zahlreichen Wvhlfahrtsorganisationen eine segensreiche Tätigkeit - entwickelt. Geheimrat Falkenheim hatte vor seiner Wahl in den Gemeinde- Vorstand bereits einige Jahre der Repräsentantenversammlung augehört. In den etwa 30 Jahren seiner Tätigkeit für die Gemeinde hat Falkenheim die Entschließungen der Gemeindekörperschaften und die Geschicke der Gemeinde entscheidend beeinflußt, hat in unermüdlicher Tätigkeit und Pflichttreue in allen möglichen Kommissionen gearbeitet und oft genug mit den Aufsichtsbehörden im Interesse der Gemeinde verhandelt Weit über den Kreis dieser Tätigkeit hinaus ist der Jubilar in Stadt und Provinz und auch in weiten Teilen des Deutschen Reiches bekannt clls ein unermüdlicher Vorkämpfer sür die staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden, als langjähriger Vorsitzender des Eentral- Vereins deutscher Staatsbürger silbischen Glaubens, Ortsgruppe Königsberg, und als Hauptvorstandsmitglied unserer Organisation. Außerordentlich ist die Zahl derjenigen, welche sich hilfesuchend an ihn gewandt haben, denen er zu ihren Rechten verholfen, für die er Unterstützung und Förderung erwirkt hat. Von dem Lebensgang Falkenheims sei erwähnt, daß er zunächst einige Jahre als praktischer Arzt hier tätig war und sich dann speziell der Behandlung innerer Krankheiten und .Kinderkrankheiten zuwaudte, nachdem er sich an der Universität habilitiert hatte. Seiner Umsicht und seiner Energie ist es zu verdanken, daß Königsberg über ein mit den neuesten Errungenschaften eingerichtetes großes Kinderkrankenhaus verfügt, dessen Leiter Falkenheim ist. Außerdem ist er seit etwa 30 Jahren der dirigierende Arzt der inneren Abteilung des katholischen St. Elisabeth-Krankenhauses. Wie hoch er von seinen! Fachgenossen geschätzt wird, geht daraus hervor, daß er neben einer Reihe anderer Ehrenämter seit vielen Jahren den Vorsitz im Verband Ostpreußischer Aerzte und in der ärztlichen Unterstützungskasse inne hat. Den Weltkrieg hat Falkenheim von Anfang an mitgemacht, der Zunächst über ein Jahr lang, trotz seines vorgeschrittenen Alters, als Oberstabsarzt im Felde, spater als Chefarzt des größten Königsberger Lazaretts in der Heimat bis nach Kriegsende tätig war. In Anbetracht der schweren Zeit haben die Genreindekörperschaften im Sinne Falkenheims beschlossen, von einer größeren Feier des Jubiläums abzufehen, und werden durch eine Abordnung dem Gefeierten eine Adresse überreichen. Auch der Central-Verein nimmt an dem Ehrentage „seines Falkenheim" herzlichen Anteil. Die gerade, charaktervolles furchtlose Art seines Auftretens, seine rastlose Hingabe an unserer Arbeit haben ihm im Hauptvorstande wie im ganzen Verein viele treue Freunde erworben, die ihm zum 20. September Glück mnd Segen wünschen. Der 13. DelegierLerrtag dev Zionistischen Vereinigung süe Deutschlandder Mitte September in Kassel stattsand, zeigte auch dem Fernstehenden, wie sich die Gegensätze im Zionismus immer wehr verschärfen. Heinrich Margulies, der Führer der Opposition, die sich zur unabhängigen Koalitionsgruppe zusammengeschlossen hat, betonte, daß eine Reihe hervorragender Zionisten verzichtet hätten, zum Delegiertentag zu kommen, weil die Leitung des zionistischen Verbandes versage. Auch die Arbeiterpartei machte scharfe Opposition durch Arlosoroff. Nt an begeistere sich schnell, stelle leicht Forderungen auf, um sie nachher schnell wieder aufzugeben. Die Exekutive sei ein ewiger Herd politischer Unruhen. Während der Wahlen, die zum Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wiederum Dr. Felix Rosenblüth machten, gab Heinrich M a r g u l i e s im Namen der unabhängigen Koalitronsgrupve (Opposition) eine Erklärung über deren Stellung zu den Wahlen in dem Sinne ab, daß die Koalitionsgruppe die Zeit noch nicht für gekommen hält, die Verantwortung für die Leitung zu übernehmen und in den Vorstand einzutreten; da nun aber zwilchen der Mehrheitsgruppe und der Opposition eine gewisse Annäherung zum Ausdruck gekommen ist, hält es die Gruppe für ihre Pflicht, au dem Wirtschastsrat teilzunehmen, und sieht zugleich in diesem Entschluß den ersten Schritt zur Herstellung der Einheit in den Reihen der zionistischen Weltorganisation. Geistige Führer. „Wenn du das Trinken so weiter treibst, wie bisher, bist du in einem Jahre erledigt. Enthalte dich des Trunkes und du wirst unser geistiger Führer fein." ^0 schreibt ein führendes Mitglied der deutschen Werkgemeinschaft an den Vorsitzenden, den Gymnasiallehrer Dr. Otto Dickel in Augsburg. Solche Parteigeheimnisse erfährt man erst jetzt, seit Dickel mit seinem bisherigen Freunde, dem Lehrer Streicher in Nürnberg, um die Leitung des Vereinsorgans „Deutscher Volkswille" in heftigen Streit geraten ist. Jetzt wird bereits ausgepackt. Da erfährt man, daß Dr. Dickel eine Klage gegen den „Völkischen Beobachter" anaekündigt, aber niemals erhoben habe, da erfährt man, daß ein anderer Führer der Werkgemeinschaft. Dr. Frank (Augsburg), Gelder nach Zehn-