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Central-Verein-Zeitung · 1922-09-21 · 20 (21.9.1922) · p. Seite 246

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
20 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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246 uns verließen, suchen den Weg zu un§ zurück. Der Weg zur Erlösung hat auch nichts gemein mit dem Pfade" des Chauvinisten. Mit tiefster Betrübnis und Entrüstung mußten wir in dem führenden Blatte der Nationaljuden kürzlich lesen: „Es ist in der Tat unzulässig, daß ein Jude wir Deutsche sagt, und es geschieht ihm recht, wenn man ihm zu Verstehen gibt, daß man weiß, wer es ist." Ist das nicht eine für ch t e rliche Abirrung, ist es nicht ein Beweis, wohin fälsch verstandene staatsrechtliche' Theorien manchen Kopf führen. Heili g ist uns Deutschland, d eutsch e>v Bo den , deutsche Arbeit, deutsche Zukunft- Unsere Väter haben an Deutschland gearbeitet, unsere Jugend hat für Deutschland geblutet, und jetzt will ein jüdischer Mund uns belehren: Deutsche dürft ihr euch nicht nennen. Es ist entsetzlich, das lesen zu müssen. Leider ist die Einsicht in verwickelte Probleme des GeselljschaftSlbbens so gering, daß solche verderbliche Sätze nur den wissenschaftlichen Tiefstand der öffentlichen Erörterung in allen Lagern zeigen. Geist, Charakter und Leistung bringen unsere Erlösung. Der Geist: Die Vertiefung in unser deutsches und jüdisches Sein: Nicht fort vom deutschen Volke, sondern hin zu ihm; nicht fort vom Judentum, sondern mitten hinein in sein ewig lauter fließendes Ouellwasser. Lernen wir, daß der, welcher sich mit dem JudentuM besaßt, stündlich besser, stärker, gefestigter wird, daß er den Morgenglanz der Ewigkeit empfindet, wenn er aus dem Quelbbvrn der Väter trinkt, und daß er seinem Vaterlands in Treue dient, wenn er fein angestammtes Judentum in Treue bewährt, pflegt und vererbt. Der Charakter bringt die Erlösung: Die ©irart'MjiafticrfGif, welche festen Mut in unserer Leidenszeit bewährt, welche Selbstsucht überwindet und vor allem das alte jüdische Gut der sozialen Gesinnung wieder in den Vordergrund schiebt. Die Zedokoh läßt es nicht zu, daß Arbeitgeber die Not der Arbeitnehmer verkennen, die Zedokoh gebietet, den sozialen Sinn zu pflegen, der Israels Ureigentuni ist. Soziale Gesetzgebung ist ein uraltes Kapitel der Bibel, soziale Praxis ein Eibe der Vater- Wehe uns, wenn uns das soziale Empfinden verloren gehen sollte! Und endlich die Leistung: Achtung und-Liebe wird der jüdische Mensch erwerben, wenn seine vom lautersten Willen getragene Arbeit seine Tüchtigkeit immer wieder erweist. Die richtige Paarung zwischen SeW-stinteresse und Gemeinnützen, das gibt die Leistung. Die Vorstellung, die wir uns von der Erlösung Israels machen, ist nicht einfach. Es gibt einfachere und bequemere, aber sie verblassen und sind vergänglich. Die Erlösung liegt in der Tatkraft des jüdischen Menschen. Ich höre die Zweifler: Wer es liest, der braucht es nicht zu lesen, denn schon die Tatsache, daß or es liest, beweist sein Verständnis- Wie kommt man an die Nichtleser heran? Indem man mit rücksichtslosem Nachdruck in seinem Kreise wirkt, in dem sich immer eine Anzahl jener Indolenten -finden, die nicht lesen und hören und denken wollen. Es gibt schwere Unterlassungssünden. Und diese werden vonallen begangen, die nicht den Mut ausbringen, den Nächsten zu erwärmen- und ihn sichtbar zu verachten , wenn er nicht hören will. Wir brauchen unerschrockene Tatkraft undpersönlichen Mut! Mitglieder des 0. U.! 3br spart viel 6el<i und unterstützt euren Uerein, wenn eure Tamilieitanzeigeit n. Stellengesuche in der 0. U.-Zeitung erscheinen, deren Auslage von über 60000 kxem Mren ihnen weiteste (lerbreitung sichert und wo ihr 50 o/o krnmsigung genießt. Mittelstanü, Teuerung, Juden. Von Fabi us Schach. Daß es vielen Elementen des sogenannten Mittelstandes heute schlecht geht, ist eine Binsenwahrheit, über die nicht diskutiert Zn werdet: brauch:. Wir sagen „sogenannten", denn bildete schon vor dem Kriege der Mittelstand wirtschaftlich und sozial keine einheitliche Schicht, so ist es heute noch viel weniger der Fall. Gar viele, die früher Zum Mittelstand zählten, sind in den letzten Jahren sprunghaft ui eine höhere Ordnung aufgerückt, und Mer von uns kennt — namentlich in den Großstädten Schlächter, Bäcker und Händler aller Art, die vor dem Kriege ein kümmerliches Dasein fristeten, und die man heute reich nennen darf. Wenn diese Elemente trotzdem auch heute noch im Kanrpfe des Mittelstandes oft das große Wort führen und in Versammlungen und bei öffentlichen Demonstrationen -am lautesten schreien. Io geschieht es ans kluger Politik. Sie wissen, daß die heutige Devise heißt: „Wer schimpft!, hat recht". Nicht das kluge Wort ist'jetzt entscheidend, sondern das laute. Das können wir ja Zur Genüge an den Deutschnationalen studieren. Was würden sie ohne ihre Lungenkraft bedeuten? Den ganz kleinen Händlern und Handwerkern mag es nicht besonders gut gehen, von einer Notlage aber wird man auch hier nicht sprechen dürfen. In wirklicher Notlage befinden sich heute nur die kleineren Beamten des Staates und der Kommune, die untere K-ategorie der Privatangestellten und vor allem die geistigen Arbeiter. Sie sind die Stiefkinder der heutigen Gesellschaftsordnung, und manchmal will es scheinen, als wenn die Regel lauten würde: „Je höher die Qualität der Arbeit ist, desto schlechter -der Lohn". Auf der obersten Sänke der Skala steht der Müllkutfcher, auf der niedrigsten der Schriftsteller. Auch in der Art, wie diese Kategorien die Leiden der Zeit hiunehmen, könnte man eine Stufenleiter anfstellen. Die Schriftsteller klagen pianissckno, die Angestellten piano, die Beamten foriissimo. Der Schriftsteller weiß, daß wir Menschen der Gegenwart die Brücke Zwischen zwei Welten bilden, und daß eine Brücke es sich gefallen lassen muß, getreten zu werden. Die Angestellten möchten den Arbeitern gleichgestellt sein, aber die starke Lebensteueruug eilt ihrer schwachen Aufbesserung voran und die Differenz Zwischen Lebensführung und Einkommen wird immer größer. Die Beamten aber schimpfen und fluchen, — nicht auf die wirklichen Ursachen ihres Elends, sondern aus die R e g i e r u n g-u n d die Juden. Das ist das merkwürdigste, daß ein großer Teil des Mittelstandes nichts Zugelernt und nichts vergessen hat, vor allem das Beamtentum. Alle Stürme der Zeit sind spurlos an ihm vorbeigegangen. Nur ein geringer Teil lebt in der Gegenwart. Daß diese Kreise in ihrem Herzen meistens monarchistisch geblieben sind, wird man cm Ende psychologisch begreifen. Auch ist das ihre Sache. Daß der Beamte aber auch alles andere, was zum Inventar vieler Monarchisten gehört, mitmacht und Bundesgenosse der antisemitischen Demagogen geworden ist, das ist nur aus Begriffsverwirrung unserer Zeit zu verskehen. Können diese Beamten, die doch ein gewisses Maß von Bildung besitzen, nicht die so naheliegende Kette von Ursache und Wirkung sehen, um nicht fremde Opfer für ihre Leiden zu suchen? Und wer sind diese Opfer? Leute, die in ihrer Mehrzahl ebenso leiden wie sie! Kann ein verständiger Mensch wirklich daran glauben, daßt Kapitalismus und Judentum identische Begriffe sind, oder daß es viel ausmacht, welche Nase der Kapitalist hat? 'Die Juden Deutschlands sind ja in ihrer großen Mehrzahl selbst Mittelstand, •ja, der abhängigste, ungesichertste Mittelstand. Denn sie sind meistens Privatangestellte, kleine Kaufleute und geistige Arbeiter. Sie leiden ebenso wie die anderen, ja noch mehr, weil sie häufig höhere gesellschaftliche Pflichten haben und höhere geistige und künstlerische Ansprüche zu stellen gewohnt sind. Gewiß gibt es viele reiche Juden, aber ist den armen Juden damit geholfen? Bildet die Judenheit eine Versicherungsgesellschaft mit gegenseitiger Haftung? Blickt hinein in die inneren Verhältnisse der jüdischen Großgemeinden, und ihr werdet sehen, wieviel verschämte Armut, wieviel bitteres Elend da vorhanden ist! Ein Beamter ist doch gewohnt, sich der Disziplin zu unterwerfen: hat er nicht die Pflicht, auch seine dumpfen Gefühle durch die Vernunft zu disziplinieren? Gewiß, die Steigerung der Lebensmittelpreise in den letzten Monaten ist himmelschreiend-, und man begreift die gewaltige Erbitterung überfeine Zeit, in der Min-derbemittelte nahezu verhungern. Aber der Schaden ist doch dazu da, um durch ihn klüger und nicht dümmer zu werdend Wie kann ein Mensch mit gesundem Gehirn diesen Zustand mit den Juden in Zusammenhang bringen? Die Produzenten der wichtigsten Lebensmittel sind Bauern und Großagrarier, und mehr als sie hat noch niemand in den letzten Jahren gewuchert. Stellt man diese allgemein bekannte Tatsache hin, dann bekommt man zur Antwort: „Ja, wenn die Juden ihnen das Geld anbieten, wären doch die Bauern dumm, wenn sie es nicht annehmen!" Würden diese doch sicherlich nicht altruistischen Händler den Bauern wirklichdie hohen Preise zahlen, wenn sie die Ware billiger erstehen könnten? Aber auch die Agenten und Aufkäufer sind nur zum kleinen Teile Juden. Und auch die christlichen Lebensmittelhündter schreiben ihre Preise jeden Tag um, — nicht nach dem Einkauf, sondern nach dem Dollarkurs aus der Börse. Sieht man nicht, daß die Geldgier wie ein Fieber einen großen Teil des deutschen Volkes ersaßt hat? Die bösen Leidenschaften find durchaus interkonfessionell. Will man Schäden. heilen, dann muß man zunächst den sittlichen Mut der Wahrhaftigkeit, der Einkehr und der Büßfertigkeit haben. Doch nicht nur moralisch, sondern auch politisch ist diese Strömung gefährlich. Der Ausländer, der für solche Dinge ein

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