Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 19 (14.9.1922)
- Date
- 1922-09-14
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277399--00257-2279365- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Russische Unternehmungen in Berlin. Die „Ostpreußische Zeitung" brachte in Nr. 126 vom 31. Mai die Angaben, in Berlin beständen drei russische Banken, drei russische Tageszeitungen, vierzehn andere russische und jüdische Zeitschriften, neunzehn russische und jüdische Berlagsgesellschaften, weit über fünfzig jüdische Restaurationen, CafG und andere Vergnügungsstätten, zum Teil niedrigster Sorte, in denen der Kokainhandel blühe. — Es bestehen in Berlin drei russische Tageszeitungen, „R u I" (Das Steuer), „G olos N o s s i j" (Stinune Rußlands) und „N a k a n u n j a" (Am Vorabend). Die beiden ersten bekämpfen den Bolschewismus, die Letzte sucht eine Aussöhnung mit ihm herbeizuführen. Die einzige jüdische Zeitung in russischer Sprache ist die Wochenschrift „R aßwjeL" (Morgenröte), das ehemalige Petersburger zionistische Organ. Es existieren ferner einige wenige russische Verlagsgesellschaften und vier oder fünf russische Buchhandlungen, die in der Hauptsache bolschewistenfeindliche Schriften verbreiten, deren Inhaber fast alle Christen sind und von denen nur eine einzige spezifisch jüdischen Charakter hat, da an der Spitze aller anderen ehemalige Großgrundbesitzer und Offiziere stehen. Es gab schon lange vor dem Kriege eine' große Anzahl russisch-jüdischer Restaurants, deren Zahl sich seit Kriegsschluß erhöht haben mag. Daß in ihnen inehr als in den christlichen Lokalen ein schwunghafter Kokain- Handel blühe, dafür fehlt jegliche Unterlage. Unter den russischen Emigranten sind die Anhänger des Zarentums vorherrschend. Noch einmal: Das Hakenkreuz der Beamten. Allen Verfügungen und Verordnungen zum Trotz scheinen sich gewisse Staatsbeamte nur schwer zu der Erkenntnis zu bequemen, daß das Tragen des Mörderkreuzes im Dienst eine schwere Angehörigkeit ist. Auch Gerichtsbeamte des Bezirkes Naumburg a. d. S. gehören zu dieser Kategorie. Mehrere Rechtsanwälte in Halle richteten deshalb eine Beschwerde an den Justizminister, die von diesem mit dem Bescheid beantwortet wurde, daß den Beamten das Tragen jenes Abzeichens untersagt wurde, „weil dieses Abzeichen zur Bekundung einer politisch-antisemitischen Gesinnung benutzt zu werden pflegt und sein Tragen während des Dienstes wiederholt zu Aergernis und begründeten Beschwerden Anlaß gegeben hat". Wenn man die Wirksamkeit solcher Erlasse betrachtet, ist man nachgerade doch geneigt zu glauben, daß die Regierung zu etwas energischeren Maßnahmen greifen müßte, um jenes provozierende Symbol aus den Amtsstuben zu entfernen. Indische Ehrendoktoren. Wir beabsichtigen, eine Statistik jüdischer Ehrendoktoren anzulegen, und bitten unsere Freunde, uns alle Fälle, in denen einem Juden von einer Universität oder technischen Hochschule diese Würde verliehen worden ist und wird, um Mitteilung und gleichzeitig um die Angabe, mit welcher Begründung die Verleihung erfolgt ist. Antisemitisch-anlikatholische Propaganda. Ein Novum in der Geschichte konfessioneller Verhetzung bildet eine anonyme Agitation, die sich in Baden, besonders in Karlsruhe, bemerkbar macht. Wie ans Karlsruhe hierher gemeldet wird, wurden dort am letzten Sonntag unter die Kirchgänger massenhaft Flugblätter verbreitet, zum Teil auch an die Außenwände der Kirchen angeschlagen, d i e g e g e n d a s I u d e n t u m u n d g e g e n d e n Katholizismus in einem Atem Hetzen. Äo hat einer dieser Flugzettel den folgenden Inhalt: „Das Papsttum und seine ahnungslosen Anhänger sind Werkzeuge in Judenhänden zur Errichtung «der jüdischen Weltherrschaft, zum Sieg der niederrassigen Völker Wer die geistig höherstehenden Menschenrassen und zur Vernichtung der letzterem — Siehe Weltkrieg und Schwarze am Rhein! —" Aus welchen Kreisen diese Zettel verbreitet werden, steht noch nicht fest, aber man geht wohl nicht fehl, wenn man sie bei jenen Völkischen sucht, die auf ihren Sonnenwendfeiern den „jüdischen Pazifisten" Jesus verunglimpfen und die Rückkehr zum germanischen Wotankult predigen. Vor der Gründung des jüdischen Beamtenbnndes. In Frankfurt a. M. fand eine Tagung von Vertretern aller deutschjüdischen Veamtenverbände statt, auf der man sich über die grundlegenden Fragen der neuen Organisation einigte. Ueber den Anschluß an eine allgemeine Beamtenorganisation schweben noch Erwägungen. Man wird sich erinnern, daß diesem Vorgehen ein Beschluß zugrunde liegt, der auf der jüngst erfolgten Tagung der jüdischen Lehrervereine in Berlin gefaßt wurde. Wegen Beschimpfung der jüdischen Religion wurde der deutschvölkische Agitator Volksschullehrer Streicher aus. Nürnberg am 6. September 1922 vom Schöffengericht Schweinfurt zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt, weil er in einer Versammlung der deutschen Werkgemeinschaft in Schonungen geäußert hatte: „Der Ritualmord ist auch heute noch üblich, alljährlich verschwinden um die Osterzeit soundso viele Kinder. Wo kommen sie hin?" Es nutzte dem tapferen Völkischen nichts, daß er vor Gericht die Ausrede gebrauchte, er habe nicht die deutschen Juden als eine in Deutschland anerkannte Religionsgemeinschaft, sondern die Weltjudenheit angreifen wollen. OLLI. Mitten in der ungeheurlichen Katastrophe, die namentlich über die I u d e n i n d e r U k r a i n e herein gebrochen ist, ist es tröstlich zu sehen, daß sich Kräfte regen, um am Wiederaufbau zu arbeiten. Seit etwa 40 Jahren bestand in Rußland eine unter dein Namen „Ort" bekannte Gesellschaft, die sich zur Aufgabe stellte, die | Rlquet | PRALINEN I IWmdsbemrSlMbäusseeii. Brunnen W6.NW:WiIsnäckerl5. TurnM Chfo-KöntW. WUmersdorferWse. N‘MkBem29.Hemmn56. Thof:BerlinerM'