Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1922-08-24 · 16 (24.8.1922) · p. Seite 205

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
16 (24.8.1922)
Date
1922-08-24
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277380-2277396--00222-2279327
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

205 Hkossen zum -eutfthen finüfemrüsmus. Von Dr. Paul Cohn (Guben). Dem im Elend Befindlichen Lut es wohl, wenn er noch einen hat, den er fürchten machen kann. * Wahres Nationalge fühl ist Stolz. In diesem Sinne haben Völker mit starkem Nationalgefühl den geringsten Antisemitismus; Völker mit schwachem Nationalgefühl den stärksten. Der deutsche Antisemitismus geht nicht aus dem deutschen Nationatgestthl hervor, sondern ans dem Mangel an Nationalgesühl. Der Antisemitismus von heute ist das die Deutschen heute noch Einigende. >»> „Judenregierung": Deutschland gleicht mit seinem Antisemitismus in diesem Augenblick einem Ertrinkenden, der seinen Netter erst fragt, ob er nicht etwa Jude ist. Deutschland liegt geknechtet am Boden; verachtet, gebrandmarkt, gemieden, vereinsamt mit allen seinen Leiden, willkürlich mißverstanden, von aller Welt verleumdet, ist es das Judentum der Nationen geworden. Es weiß, was es heißt, ohne Schuld ausgestoßen zu sein und,der Verleidiguugsmö-gli-chkeit beraubt zu sein-. Wie ist es d n ui ö g l i ch, d a ß e i n D e u t s ch e r A n t i s e m r t s e i n k a n n tt £3$ Mehrere Leser. Wir sind mn?> Ihrer Mnnung, daß der „Deutsche I u g e n d b u rt i> Bis nt a r ck", der die staaLsfeindLiche and antisemitische Derpöbelung nun schon in die Reihen feuchtnasiger Pennäler tränt, längst zur Auslösung reis ist. Wir bitten alle u n s -e re F r e u n d e u m MitteiLu n g e n ü der das Treiben dieser Bursche n. I. B., Köln. Sie haben recht. Auf unsere Anfrage teilt uns die Firma D r. Hauser & C o. A.-G., Köln. Baveustraße 69. mit. daß s ie k e i ne I n d e n ein st e l l e. Leider klärt sie uns nicht darüber auf, ob sie auch indische Kundschaft abl-ehnt. Wir halten es für wünschenswert, daß dieser Bescheid möglichste Verbreitung findet. Oesterreich«-. Es fällt. Ihnen aus, daß Sie, 'als Sie sich neulich in Wien um ein deutsches Paßvisum bemühten, einen Fragebogenausfüllennmßt-en, in welchem es nicht nur eine Rnbirik „Neliviou?", sondernsogar eine mit deur Vordruck „Frühere Religion?", gab. Es fällt Ihnen dies — wie Sie schreiben — um so mehr aut als bekanntlich die Pässe europäischer Staaten keine 'derartige Rubrik ausweisen. Sollte hier eine antisemitische Gigemuächtigkeit des -deutschen , Konsulats in Wien-vorliegen? Wir empfehlen den Fall der ^lusmerlsamkeit des Auswärtigen Amtes. Justizrat P. V. irr M. Sie senden uns das — uns nicht mehr unbekannte — Rhenanenlied von Hans Loch, das von rechts stet enden Heßblättern und Radaustudenten verbreitet wird und in dem es u. a. heißt: I u d e n h i n a u§! Lasset es schallen von Haus zu Haus! Strafet den I n b’ nach Recht und Pflicht! Zücket -den N v t u n g! Zögert niü)t! Und heraus z u r nr utigen Tat! S ä rr b e r t v o n I n den V o l ku n d S t a a t! Deutsche 3 u r T a t! Daß hier eine unter den 8 130 fallende Aufreizung zu Gewalttätigkeiten vorliegt, kann auch von der Staatsanwaltschaft nicht bezweifelt werden, die Herrn Loch trotzdem rr 0 ch s r e i umherlaufen l ä ß t. Und überdies sind die Verse genau so verlogen wie alle anderen Aenßenmgen dieser Bande, die „zu mutiger Tat,, viel zu feige ist und nie den ..Notnng" zückt, sondern gegen guten Lohn aus dem Hinterhalt schießt, oder ihre Opfer von rückwärts mit Knüppeln überfällt. I. K., Stargard. Wir sind nun in der Lage, Ihnen mitzuteilen. daß die persönliche Gesinnung der Beamten der dortigen Darmstädter Bankfiliale sich nicht mehr in öffentlich getragenen Hakenkreuzen ausleben wird wie bisher. Die Berliner Leitung des genannten Institutes teilt uns in einem Schreiben vom 9. d. M. mit. daß sie „das Erforderliche bereits veranlaßt habe". R. M., Berlin. Ihre freundliche Einsendung ist für uns leider nicht verwendbar. Gras Keyserling, Darmstadt. In Ihrem „RUsetagebuch eines Philosophen" steht auf Seite 144, Band I, folgender L-atz: „So töricht Antisemitismus als Weltanschauung ist — er muß doch seine Berechtigung haben-, da die Juden auf dem. ganzen Erdenrund, im Orient noch mehr als im Okzident, allgemein und gleichmäßig verachtet werden und von jeher verachtet worden sind. Und doch: wenn irgendein Volk ein Recht hat. sich für „anserwählt" zuhakten. so gilt dies vom jüdischen. Sein Glaube liegt Christentum und Islam zugrunde und beherrscht so indirekt die Welt: trotz aller Unterdrückung und Verachtung ist es nie entartet, und heute gar gehören ihm die meisten geistigen Führer Europas an." So erfreulich diese Feststellung auch für unsere Glauthnsgemeinschast klingenmag, irrt sie doch in einem Punkt: Weder auf dem großen Gebiet des Islams, noch in den buddhistischen Ländern ist der Jude verachtet. Der Antisemitismus ist ein Edelprodukt Eurovas. das von Europäernallerdings auch in andere Erdteile verschleppt wurde. Jacob Bindest Konstanz. Die Adresse ist: C. A. Bratter. Redakteur dev „Vosfischeu Zeitung". Berlin SW- 68, Kochstraße 22—26. füh&eau&e Fernruf tiQ 6 jf Bah nh ofstr 2 2 -2b-. Durch Einkauf d&r Pohwaren zur günstig* gten Zeit, ist mein Qrund satz gesich ert: iü ES N0:Landsberaer9lM:Chämseeli.BrunneniS6.NW:lMbnäckerl5.TumM tt&Acl'W’

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.