Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 16 (24.8.1922)
- Date
- 1922-08-24
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277396--00216-2279321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
199 so nicht weite rgehM kann, hat bitte geinäßigbein Elemenihe tim faift allen Paivbeiien wieder mehr zur ©dttatinig kommen lassen." Die „G ladbarer Zeitung" fügt hinzu: „Wir halten „Antisemitismus" für bodenlos dumm und geschmacklos." Legationsrat a. D. Kurt Riezler veröffentlicht in der demokratischen Monatsschrift „Die deutsche Nation" einen Artikel, in dem es heißt: „Die Oberschicht -des ehemaligen Staates verfügt als Ganzes nicht mehr über eine staatliche und geistige Bildung/die v e r p f l v ch t e Li e. Die Giigisnischiachbein des Geistes n>nd CH'ariMer-s, bitte den preußischen Staat getschasfen unid getragen hoiben, sind läntgst dar stallen.. Nur biiie Sbair^rihteji-t ist geblieben. A-bisr dijesie Stairnheitt, dite ehedem sehienrd lvair, ist uns dem Wege von Scharnhorst zu Ludendorfs blinid gew'ortLten. D-as konservative Preußen endet in der Ges äugen schuft der Mulle und Gr a e f e, i u d e r. S o r et e u m den Getr e i d epreis und der Wut gegen die Juden: die unf r u ch t b a r st e n it u d ] it b a 11 e r n st e n aller Einstellungen des Geistes und G e rn ütes. Ern-großes Erbe schmählich i st vertan." Ms horthp-Ungarn. Bruchstücke eines B e r h a n d l u n g s b e r i ch t s. So oft in den letzten drei Jahren Nachrichten aus Ungarn kamen, die von grauenvollen Judenmetzeleien, von nie erhörten Orgien sadistischer Bestialität sprachen und darauf hinwiesen, daß nicht bloß die gesamte jüdische' Bevölkerung Ungarns, sondern selbst fortschrittliche, liberal gesinnte Christen hilflos dem blutigen Wüten roher und raubgieriger Banditen in Offiziersunisorm ausgeliefert seien — stets war die deutsche Presse geneigt, an Uebertreibungen und Entstellungen zu glauben; meist war sie auch geneigt, den offiziellen Dementis der Horthy-Regierung Raum zu geben. Seit den Neuwahlen aber sind sünsundzwanzig Sozialdemokraten in die Nationalversamlung eingezogen und diese haben es durchgesetzt, daß nun Zumindest einige jener ungezählten Verbrechen ein gerichtliches Nachspiel finden. Ein Nach-„Spiel" im wahren Sinne des Worte: denn das meist lächerlich milde Urteil wird nie vollstreckt. Horch amnestiert dank königlicher Machtvollkommenheit seine Spießgesellen oder verhilst ihnen zur Flucht. Immerhin: diese Gerichtsverhandlungen sind öffentlich und Europa erfährt — nicht die ganze, aber ein Stückchen Wahrheit über Horthh-Ungarn. Der letzte dieser Sensationsprozesse befaßte sich mit der „A f f n r e Lauda u". Der siebzigjährige, völlig unbescholtene, politisch indifferente. Weinhändler Adolf Landau wurde eines Tages von einigen jener Verbrecher, die als Mitglieder irgendwelcher „Brachtalformationen", „Spionageabwehrabteilungen" — oder wie sich derlei mit unbestimmten Befugnissen ausgestattete Organisationen nennen —, ihre Mord- und Naubzüge sozusagen unter staatlicher Aegide aussühren, gesangengenommen, und zwar, wie die Verhandlung erweist, bloß zu dem Zwecke, um ihm durch Folterung sein Vermögen zu erpressen. Auch der Sohn Landaus fiel den Mordbuben in die Hände. Nachdem der unschuldige Greis dreizehn Tage lang Martern zu erdulden hatte, wie sie die Welt seit den Hexenprozessen des Mittelalters nicht mehr gesehen, erlag er schließlich seinen Wunden. Sein Tod wurde natürlich als Selbst m o r d inszeniert. Wir drucken nachstehend ein paar Bruchstücke aus dem Verhandlungsbericht des „Pester Lloyd" wörtlich ab. Sie sind aus dem Zusammenhang gerissen nicht durchweg verständlich, geben aber auch so ein reichlich wirksames Bild. Zerrgerrarrssage des Dr. Gabriel Sz^v-r. Er sei mit Dr. Sipos seit langem bekannt. Dieser habe ihm wiederholt gesagt, er werde nur so Lauge Not Leiden, bis ihm ein paar ^reiche Jutzen in die Hände fallen, die werde er dann schröpfen- Sipos schrieb wiederholt anonyme Briese, die er sodann dazu benützte, um die von ihm selbst angezeigten Personen gefangen %u nehmen und gegen sie Erpreffungen ZN verüben. Der Zeuge kenne Sipos als ein Individuum,'das um eines materiellen Vorteils willen Zn jeder Scham-dtat bereit sei. Zeugenaussage des Oberleutnants Danszky. Zeuge: Für alles, was ich getan, übernehme ich als Offizrer und als Christ die volle Verantwortung. Was ich getan, werde ich offen eingestehen. Am nächsten Tage gab ich den Befehl zur Einvernehmung der beiden Landau, da laut Vorschrift jedermann innerhalb 24 Stunden einvernommen werden mußte. Da vernahm ich, daß Hauptmann Börczy und Oberleutnant Köhler auf Beseht des Kriegsministers in der Kaserne erschienen waren, um die beiden Landau ins Ministerium zu bringen. Ich war hierüber empört, denn der Minister hatte kein Recht, entgegen den Verfüg ungendes Gene r a l st ab e s zu disponieren. Deshalb befahl ich: „Diese beiden Schufte v o n t st i n keuch em Juden ko.m men in eine Ze ll e, u n d Die. B e-güm st i gun gen haben ein Ende!" Präsident: Warum wurden über keines der Verhöre Protokolle ausgenommen? Zeuge: Der Generalftab war hierzu nicht verpflichtet. Zeuges Hier gab ich dem alten Landau eine Ohrfeige und fragte meinen Freund, einen Oberleutnant, in englischer Sprache: shall we -do witli these Jewsrl< Sipos zog feinen Revolver hervor, doch verbot ich ihm dessen Benützung. Es fo lgte ein Ohrfeigen, Boxen, Prügeln, das etwa 3 0 S e tun d nt d a u e r t e, doch war von einer P e i n >v - 8u n g t e i n e R e d e. (!) Sie jammerten natürlich. Ich forderte niemand auf, dreinzuhauen,. In solchen Fällen bedarf es keiner Anvmierung. Der a l t e La n d a u g e st a n d s o f o r t a l l e 8 ein: die Beleidigung des Reichsverwesers, der nationalen Armee und daß sich sein Sohn oft nach Prag begeben hatte. Alles gestand e r e i n. Präs.: Wurde ein Protokoll ausgenommen? Zeuge: Nein. Präs.: Sie sahen die Mißhandlungen? Zeuge: Ja. Doch verhinderte ich sie nicht. Zeugenaussage Anton Grrls. Zeuge: Am 19.. September 1920 brachten Dr. Sipos und Detektiv Madär die beiden Landau in die Kaserne, die ich in einer gemeinsamen Zelle -unterbrachte. Am nächsten Tag erschien Dr. ^ipos und begann die beiden zu verhören. Sipos kam erst in die Zelle des alten Landau, die xnit der des jungen durch eine Oef'fnung *t-n Verbindung stand. Hier begann Sipos den alten Landau über den Hochverrat und die Beleidigung, des Reichs- Verwesers auszufragen. Als Landau leugnete, hieb ihn Sipos mit einem Stock, der zerbrach. Dann ließ sich Sipos durch meinen Substituten eine Peitsche holen, mit der er dem alten Landau einige Hiebe versetzte. Landau jammerte. Dann begab sich Dr. Sipos zum jungen Landau, der sofort geohrfeigt und dann gepeitscht wurde. Auch hier stellte Dr. Sipos dieselben Fragen. Die beiden Mißhandlungen dauerten i n s g e f a m t zeh n M i nute n. Eine Konfrontation. Sipos erhebt sich totenbleich und sagt zum Zeugen: Sie wünschten, ich solle es Ihnen ms Gesicht sagen. Also: Sie machten mir gegenüber die Bemerkung, daß die Leute von der 0-Abteilung i m P r ü g e l n Stümper s e i e n. Man müsse mit S a n d s ä ck e n d r e i n h a it e n. Und das hätten Sie auch praktisch angewandt. Sie sagten, wenn der Kopf mit einem Sandsack bearbeitet werde, platzen im Innern Adern, das Blnt überflutet das Gehirn nnd der Betreffende sterbe, ohne das; äußere Spuren von Verletzungen zu bemerken wären. Sie sagten ferner, die Kelenfölder Kaserne sei dazu besonders geeignet, daß die Häftlinge zur Flucht bewogen werden, wobei dann die Wache sie mit vollem Recht erschießen könne. Bei Ihrer Abteilung werde der Körper jedes Häftlings an einer gewissen Stelle mit einer aus Paprika und Salzsäure gemachten Tinktur eingepinselt, was Brandwunden verursache. Dasselbe sei auch den beiden Landau zugefügt worden. Der Bruder des Ermordeten, Salomon Landau. Zeuge: Ich sehe das Blut meines Bruders an den Händen der Mörder. Ich habe die Leiche meines Bruders im Friedhof gesehen. Die Arme und die Füße waren ausgeschnitten. Der ganze Körper war entzweigeschnitten, und ich sah, das; die Mörder ihn auch entmannt hatten. Hier erhebe ich — ich bin ihm diesen letzten Dienst schuldig — meine Stimme zur Anklage. Die Wahrheit muß ans Tageslicht kommen. (Weinend:) Er ist der rechtschaffenste Mensch der Welt gewesen, er hat sich nie mit Politik befaßt, der beste Patriot . . . (zieht die Photographie seines Bruders aus der Tasche und zeigt sie dem Präsidenten). Diesen edlen Mann haben sie ermordet. Dreizehn Ta.ge lang gepeinigt und dann ermordet. Ich bitte uw Genugtuung. Ich fürchte niemand! Vielleicht w e r d e m o r g e n a u ch i ch i n die Dona u g e -warf e. n. Ich stehe hier vor dem rechtschaffenen ungarischen Gericht nnd bitte um Strafe für seine Mörder. (Die Stimme versagt ihm.) b^u r fl 1 Warnung. Eine Firma Georg Schnitzlein in Ti (Holland), Postbus, ließ in mehreren Blättern, darunter auch in der C. V.-Zeitung, ein Inserat erscheinen, in welchem sie sich gegen Voreinsendung des Betrages zur Lieferung von Kaffee und Tee erbot. Die niederen Preise weckten in Fachkreisen Verdacht und der Verein der Kaffeegroßröster und -Händler in Hamburg zog beim Deutschen Konsulat in Rotterdam über Georg Schnitzlern Erkundigungen ein, die ergaben, daß es sich um einen Schwindler handelt. Eine Firma dieses Namens gibt es nicht, Schnitzlein ist nach Mitteilungen der Tilburger Polizei von dort unabgerneldet verschwunden. Wir haben die Strafverfolgung eingeleitet und bedauern lebhaft, daß — wie uns mehrere Zuschriften zeigen — auch einzelne unserer Leser zu Schaden gekommen sind.