Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 10 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277390--00137-2279236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
126 gesprochen tft: „Im Dilnkel der Nacht hak man mir Fabrik und Haus mit Hakenkreuzen besudelt. Was diese bedeuten sollen, weiß wohl jeder. Ich danke den feigen Tätern für diese Ehrung, die sie mir gerade in einen: Augenblick erweisen, wo ihre Gesinnungsgenossen einen , Rathenau meuchlings ernwrdet haben. Und dennoch! Der edle Geist eines Nathenau wird die Gemeinheit und Roheit überdauern, er wird sortleben zun: Segen der gesamten Menschheit. Die Hakenkreuze an meinen: Hanse bleiben bis nach der Beisetzung Rathenaus. Sie mögen die Borübergehenden 31111: Nachdenken darüber bringen, weshalb nur in Deutschland nicht hochtommcn tonnen/' Verbreitung der „G. V.-ZeiLung". Von vielen Seiten werden uns Anschriften christlicher Mitbürger mitgeteilt, denen wir die „C.-.V.-Zeitung" regelmäßig übersenden'sollen. So gern wir diesen Wünschen nachkommm, -machen es uns die ungeheuren Unkosten auf die Dauer unmöglich, neben den Abgeordneten, Regstrungsvertretern und Behörden sonstigen christlichen Mitbürgern unsere „C. B.- Zeitung" in dem angefordc-rteu Maße regelmäßig zuznstellen. Wir machen' daher den Vorschlag, die Ortsgruppen mögen die Namen der in ihrem Bezirk wohnenden christlichen Mitbürger, denen unsere „G.-V.-Zeituug" zu geschickt werden soll, sorgfältig sammeln, und diesen nach genauer Verabredung Planmäßig dir von Mitgliedern gelesenen Exemplare zukommen lassen. Wir wären sür hie Mitteilung dankbar, ob sich diesem Versuch, der geeignet ist, dein Centrat-Verein viel Geld zu ersparen,'Schwierigkeiten entgegenstellen. Tie Listen der christlichen Blitbürgcr, die von den Ortsgruppen direkt beliefert werden, bitten ivir uns zuzustellen. Eine interessante Grimrerrmg-. Die Brüder Johannes und Fritz Küchenmeister in Freiberg r. Sachs, sind bekanntlich in der Mordsache gegen Nathenau. verhaftet loorden. Johannes Küchenmeister hat das Auto gestellt, aus dem die Schüsse aus Tr. Ratheuau abgegeben worden sind. Es dürste allgemeinen Interesses nicht entbehren, wenn wir in diesem Zusammenhang ans eine Notiz im „Deutschen Reich", Nr. 2, Jahrgang 1921, ^eite 66, zurückkommen, bk wörtlich lautet: „A u tise m i t e n. Ans ein Schreiben einer jüdischen Firma an die Spinumaschinensabrik K ü ch e u m eiste r, F v e iber g (Sachsen), in ivelchenr der Leitung mitgeteilt wurde, daß in ihren: Betrieb von einem Beamten antisemitische Flugblätter vor wist worden seien, erklärte nach wiederholter Mahnung Herr Fritz Kücheumeister: „Ich bitte, Von weiteren Zuschriften an mich sreundlichst absehen Zu wollen. Bemerken möchte ich noch, daß ich nur nicht bewußt bin, mit einer jüdischer: Firma längere Zeit in Geschäftsverbindung zu stehen. Im übrigen.- bleibt ech Ihnen natürlich unb-enommcu, entsprechende Schlüsse zu ziehen." Rabbiner Dr. Felix Goldmann, Mitglied unseres Hauptvorstandes, hielt kürzlich im Leipziger Bund für Gegewvartschristentnm einen reich besuchten Vortrag, der viel zur Entgiftung konfessioneller Gegensätze beitrug. In die Distnssion griffen u. a. Pfarrer L i e b stch r , Reichsgorichtsrat D ö h n ,: die Nniversitätsprowssoren Nowack und Thieme und Pfarrer Ludwig ein. Antisemitische DienMoteu-versammlungen. Es wird^ uns mitgeteilt, daß in letzter Zeit vom .Deutschen Herold" häufig in Schöneberger Privatwohnnngeu Dienstbotenversammlungen veranstaltet würden, bei denen eine roüste Hetze gegen Inden und die Republik entfaltet wurde. Die Angelegenheit wird von uns mit besonderem Interesse verfolgt, und u?ir bitten alle diejenigen, die etwas Näheres hierüber wissen, um ausführliche Mitteilungen. Insbesondere interessiert uns, ob auch anderen Orts die gleiche Agitation betriebenwird. Ittderrhetze im Berliner Zoo. In letzter Zeit wird mehrfach Klage darüber geführt, daß vor den: Musikpavillon im Berliner Zoologischen Garten antisemitische Hetzen inszeniert werden. Dies war insbesondere am Abend des 4. d. Bk., also am gleichen Tage der Fall, an dem die Arbeitermassen an der Miser-Wilhetm-Gedächtuiskirche demonstrierten. Hierbei sieten n. a. auch die Rufe „Verfluchte Judenbande", „Nieder mit den Juden" usw. Wir bitten alle diejenigen, die uns über derartige oder ähnliche Vorfälle im Berliner Zoologischen Garten Mitteilung machen können, dieses in ausführlicher Weise zu tun. Die Wahrheitsliebe des „Hammer". Die Schriftleitung des „Hammer" bringt in Nr. 477 unter dem Zusatz „Nachrichten, die im größten Teil der Presse verschwiegen werden", eine Notiz, „Ter jüdische Frauenarzt Tr. Otto Kronheim in Brandenburg a. H. wurde wegen des in zahlreichen Fällen verübten Verbrechens gegen das keimende Leben verhaftet." Wir haben festgestellt, was Dr. Krouhcim bestätigt hat, daß der Genannte nicht Jude, sondern P r 0 t e st an t i st. Herrn Theodor Fritsch haben nur diese Tatsache mitgeteilt. Ob dieser Herr Verleger und Schriftleiter eine Berichtigungbringen wird, bleibt abzuwarteu. Die Rathenarr-Nurrmler rmserer „C. V.-ZeiLurrg" vom 30. Juni, die, wie mitgeteilt, au eine große Zähl im öffentlichen 'Leben stehende christliche Persönlichkeiten verschickt wurde, hat, wim zahlreiche Zuschriften zeigen, ihren Eindruck nicht verfehlt. Ans allen Teilen des Reiches werden uns täglich neue Wünsche aus Nachlieferung dieser Nummer übermittelt. Obwohl wir die Nummer in vielen Tausend von Exemplaren über die Normalnustage drucken ließen, ist unser Vorrat vollständig erschöpft, und wir sind daher genötigt, unsere Freunde zu bitten, uns gelesene Nummern zukommen zu lassen. Wie und öie Weltpolitik. Von Ludwig Holländer. Der Aussatz erscheint iusolae der jünastm Ereignisse verspüret. Tie S ch r i s t i c i t u n g. Die „I ü d is ch e R u n d sch a u ", bekanntlich das maßgebende Organ der Zionistischei: Partei Deutschlands, beleuchtet in einem Leitanssatz e „Der Weg des deutschen I uden t n m s " die Entwicklung, welche das deutsche Judentum seit Jahrzehnten gegangen ist und kommt int wesentlichen zu dem Ergebnisse, daß die großen Probleme des Judentums, soweit man sie überhaupt einer Lösung näher gebracht habe, von der wärmenden Sonne der zionistischen Welkansckfauung allein au: Leben erhalten und befruchtet worden seien. Der E e u t r a l-Be r e i n kommt naturgemäß bei dieser Betrachtung überaus schlecht fort. Es sind die alten Trauert länge, die wir seit Jahrzehntenin den Klageliedern der Ziomstenpresse über ihn wiederftuden und die erneut an gestimmt werden. Während der Zionismus das' „Positiv jüdische Programin" enthält, während er es zuwege gebracht hat, „daß er die deutschen Juden vor das jüdische Problem in jc-iuor Totalität stellt und sie zur Stellungnahme zwingt", während „er die Unhaltbar keit der gegenwärtigen jüdischen Situation, -die Ein Heimlichkeit' der Judenfrage aus der ganzen Welt' und die Notwendigkeit ihrer Lösung, auf national- und weltpolitischem Wege durch Kouzeutration in Palästina gelehrt habe", ist nach der Auffassung Mw „Jüdischen R lt n d s ch a u " der E e n t r a l - B e r e i 11 „über die Frage des Abioehrkauipses u.iemnls zu einer tieferen Durchdringung der Probleme gelangt. Der Eentral-Bereiu sei nckeder zu dem,' was er früher ausschließlich war. zu einem Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus geworden. Aus diesem Gebiete möge er seine Arbeit leisten: aber er sollte daraus verzichten, zu allgemein jüdischen Fragen Fühlung zn nehmen und gegen den Keren Hajessod zn arbeiten." Unser Blatt genießt deshalb eine überaus ungünstige Beurteilung, weil es die „jüdischen Weltprobleme mit keinem Worte berücksichtigt und somit sein Versprechen, es iverde das deutsche- Judenblatt sein, nach keiner Richtung gehalten habe." Man soll von: pr-lillschen Gegner lernen und soll vor aller: Dingen seine Erwägungen einer gründlichen Nachprüfung unterziehen, um immer wieder c i n c u c r 11 c u i c 11 -)l u s p 0 r n z u r V e r - t i e s u n g d e r A r b e i t z u finde u. Daß der E e u t r a l - V e r e i n :m Kampfe gegen den Judenhaß Ersrouliches leistet, wird vor: keiner j ü d ische n Seite mehr bestritleu. Tie überaus große Vermehrung feiner Alitgli-ed-erzahl beweist, daß mau mit dieser seiner Tätigkeit im Lande zufrieden ist. Worüber mau streiket ist das Programm des Eentral- V e r e : n s , das in seiner überaus klaren und genauen Fassung, in den grundlegende!: Bestimmungen der Satzungen zu Ziveiseln eigentlich keinen Anlaß geben sollte. W a h r nsti g d e r st a a t s -;i>ft x g er l i-dl e 11 u nd gc fel ls.cha ft l ichL n Gleichb e r e ch t i g -u n g u n d Pfle g e d e r u n b e i r r t e n d e u t - s che i: G e s i n un n g sind die S ä n len, ans denen der (ventral- Verein ruht. Wie stehen diese Säulen zu der gesamten „positiven" jüdischen Arbeit, die angeblich der Zionisuurs leistet? Wir haben im Lause der Jahrzehnte sowohl bei Juden als auch bei Jndeugegnern mancher feindlichen Phrase bei: Garaus gemacht. Notwendig wird cs auch einmal sein, dem Begriff der s 0 g e n a u n t e n p v s i t i v e n jüdischen Leistung etnms näher auf den Gnlnd zu gehen. Schon das Wort Positiv führt zu überausgroßen Schwierigkeiten. Viole Zionisten bezeichnen die Bestrebnugen des Eeniral-Vereins, für die Ehre des jüdischen Namens rinzntreteu> als negativ, weil sie die Bekämpsnna feindlicher Anschauungen in sich schließe!:. In Wirklichkeit ist diese Arbeit im höchsten '-sume t a t s ä ch l i ch und au spanend, denn, indem sie sich gegen falsche Vorstellungen wendet, dient fie der Wahrheit und den: Rechte. Sie verbreitet Stolz und schasst Fronde mir Judeutnui und deutschen Vaterland. Aus der anderen Seite kam: man mit mehr Recht u t 0 P i st i s ch e u Plänen von jüdischer Weltpolitik,. phantastischer, teilweise zügelloser Phraseologie, wie ioir sie bei einer großen Reihe zio:üstischer Schriftsteller finde!: und die auch in der zionistischen Parteileitung nicht unvertreten ist, mit vollen: Rechte die B e z e i ch u u u g e t u c v p 0 sit: v c n T ätigkeik versage n. Es geht hier so, wie wir es vielfach bei alldeutsch Gesinnten finden. Was sie als deutsche Belange bezeichnen, hat als deutsch zu gelten. Alles andere ist undeutsch. Nicht wesentlich anders liegt es mit der Bezeichunug „j ü di s ch". B i e l e Z i on i st e n b e z e i ch n e n b asje n i ge als j ü d i s ch, w a s i h r e m P x 0 g r a m m ent! p r i-ch t, ob es mit dem geschichtlich gelvordenen Judentum, ob es mit der Lehre des Jndeutums, ob es mit der Weltanschauung der überiviegenden Anzahl der Juden in llebereinstimmmig steht, ist ihnen gleichgültig. Dabei denken andere, welche sich Zionisteil neunen, über -d st selbe Frage ganz anders. Das gesetzeslrene Judentmn hat inseinem maßgebenden Organ, dem „Israelit", so oft aus diese Dinge aimnci’fimu gemacht, so daß man immer nur wieder aus dessen Ausführungen znrückzngreisen braucht, um das Abs u r d e, u m d a s U n f innige der Glei ch st e l l u u g , 5 i 0 u i st i s ch g l e i c h j ü d i s ch, klar vor A u g c. n z u f ü h r e n. In gleichem Maße wird mit dem Worte „Leistung" geprotzt. Wir sehen von einer Positiv jüdischen Leistung des Zionismus allerdings überaus wenig. Man mag Balsours Erklärung beurteilen wie man will, sie ist letzten Endes nichts anderes als ein Wechsel auf die Zukunft, dessen Einlösung auf lange Zeit hinaus den Zionisten Gegenstand schwerster Sorgen sein wird.