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Central-Verein-Zeitung · 1922-06-30 · 9 (30.6.1922) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
9 (30.6.1922)
Date
1922-06-30
Page
Seite 109 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 1 N. Serlin, 30. Juni 1022 I. Jahrgang > Nr. 0 VMter sür-eMsMumdl und Judentum, Pystscheckkonrv; 30472 rör§an -es &n!ral-Vemns deutscher Staatsvüryer jüdiseken ölauvens'?». des üudenrums Verlag und Schriftleitungr Herlin SVbS, Linöenstraße 13 * Fernsprecher: slmt Norihplatz 11595, 10318, 787? «Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Poftanstalr zum Preise von vierteljährlich M. 7,50 zu beziehen 'Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 12,— für die 6 gespaltene Beile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50°/0 Nachlaß Die 90 mm breite Reklamezeile Nt. 60,— wir klagen an! Rathenau, das tdpfer öer öeutjchvölkisthen Hetze - Mit seltener Einmütigkeit stellt die j deutsche Presse von der „K ö lutschen Z e i t u n g" bis zur -„Roten Fah n€ fest, daß die deutschvölkische Wühlarbeit mitschuldig sei am Tode des für dasBaterlandgefallenenWaltherRathenau. Die Parteien des Reichstages, die zur Verfassung stehen, haben diese Tatsache durch ihre Sprecher in die Lande hinaus-- ygerufert. Der Reichskanzler hat sie unterstrichen. Aber die Erkenntnis der ungeheueren Geifahren, die die zügellose Judenhetze der letzten Jahre 'heraufbeschworen hat, kommt vrelleicht zu spät. Was hat!derCentral-Ver eingewarnt! Wir betonten überall und stets, nicht um das deutsche Judentum sei uns jetzt so : bange, wie um das Vaterland.' Wer nicht wolle, daß Bürger-!blut die Straßen rot färbe, wer nicht wolle, daß leitende Staatsmänner Mordbuben zum Opfer'fielen,, wer nicht den > wirtschaftlichen Zusammenbruch deS Reiches wünsche, könne der deutschvölkischen maßlosen Hetze nicht mit gefalteten Händen gegen über stechen. Blitzschnell aber war vergessen, daß der Kapp-Putsch : unter dein Zeichen des Hakenkreuzes geführt war. Uebersehen wurde, daß die des Mordes an Erzberger Verdächtigen 'Und ihre Helfershelfer Mitglieder des deutsch völkischen Schutz- und Trutzbundes waren, daß sie . seine Veranstaltungen als ihre Arcsammenkünfte benutzten. i.Alle veröffentlichten Satzungen der vielen Geheimbünde, voran 'die der Organisation 0., die die Mörder gestellt h a t, enthielten judenseindliche Bestimmungen. Wir aber ließen nicht locker, wenn auch nicht viele auf uns hörten. Zu Wenige erkannten die Wetterwolke, die sich! über dem Reiche zusammenballte. Nun, da der Blitz niedergefahren ist, steht man mit Schrecken, wie weit eS gekommen ist. An dieser Stelle haben wir nichts mit Walther Mathenau als Politrker zu schaffen. Dem Juden galt!die Hetze, der Republik die Kugel. Keine Versammlung w e s deutsch völkischen Schutz- und Trutzchunbes zog vorüber, ohne daß nicht Rathenau ches Vaterlandsverrats und jeder nur möglichen Gemeinheit geziehen wurde. Nicht anders war es oft in Versammlungen der Deutschnationalen Volkspartei. Alfred 'Rot h hatte sich ihn besonders aufs Korn genommen. In ' jeder seiner Reden streute er die-Drachensaat. „Rathenau hat, I bewußt und absichtlich, unseren Feinden in die Hände ge- \ arbeitet, um Deutschland zu vernichten", verkündete er unter : johlendem Beifall am 23. März in Frankfurt a. O. Ein Mann wie Generalmajor v. Wrisberg bezeichnete -noch unlängst in einer Schutz- und Trutzbundversammlung sben Minister' des Auswärtigen als „Judenbengel". „Es sei!ein Skandal, daß wir Deutschen unsere AuAandspolitik von einem solchen leiten lassen müssen." ' Unschwer wird man sich vorstellen, was die Herren Kunze und Preßl, Hitler und Streicher über Rathenau zum besten gaben. Das „Den ts-che Ta gebla tt" des vom Reichskanzler so bloßgestellten Reinhold Wulle unterstrich mit Wonne joden noch so zügellosen Angriff gegen der» Minister. Und MaurenbrecherS „Deutsche Zeitung" wollte nicht nachstehen! Ganz zu schweigen vom Münchener „Völkischen Beobachter" und Blättern gleichen Schlages. Kaum eine Nummer dieser Pogromorgane, in der nicht in jedem Leser das Gefühl bestärkt wurde, der Jude Rathenau sei Deutschlands Verhängnis. So kam, was kommen mußte. Wir klagen laut und vernehmlich die Deutschvölkischen der Mitschuld an diesem Morde au! Die Deutsch nationale.'Volkspartei hat es in ihren Entstehungsmonaten verschmäht, sich als Vortrupp der Judengegner gebrauchen zu lassen. Sie hat Juden unter ihren Mitgliedern gehabt. Aber die Parteileitung hat sich u nter das d e u t f ch v ö l k i s ch e Joch gebeugt. Männer vom hohen Rang und der Vergangenheit eines Posada w s k h, eines Dühringer, Männer von den großen Kenntnissen und dem Einfluß eines Helfser ich und Hugenberg haben sich unter die Diktatur eines Mull« und Bruhn begeben. Die Deutschvölkischen haben freies Feld in der Partei. In jeder Versammlung feiert der Judenhaß Orgien. Nie wären die Deutschvölkischenso zur Macht gelangt, hätten sie sich nicht der liebevollen Stütze des mächtrgen Partei» apparates der Deutschnationalen zu erfreuen gehabt. Gewiß wird ein Hergt die Mordtat in der stillen Kolonie Grunewald verurteilen. Aber sollte ein Mann seiner Stellung sich nicht darüber klar geworden sein, daß die deutschvölkische Hetze, wenn man sie nicht dämmt, zwangsläufig zu Blutvergießen in diesem von Leidenschaften zerwühlten Deutschland führen muß? Wir Ila g ert laut und vernehmlich die Deutsch nationale Volkspartei an, daß sie der deutschvölkischen Juden hetze ihren Lauf ließ. Eine Kunze-Versammlung im Berliner Lehrervereinshaus. Ein Kriegsbeschädigter tritt auf: Schlagt die Juden tot! Hängt sie an den Later neu Pfahl! Wir übergeben den empörenden Vorfall mit allen Einzelheiten und einem Zeugenberichte der Staatsanwaltschaft. Was ist geschehen? Wir wissen es: Nach Monaten bekommen wir den Bescheid: „Das Verfahren ist eingestellt." In einer geschlossenen, nur durch persönliche Eintrittskarte zugänglichen Aussprache zwischen Christen und Juden dringt geschlossen die in Groß-Berlin bekannte Touschesche Garde. Wilde Gesellen, die zu allem fähig sind. Die eben erst in einer Wahlversammlung schwere. Schlägereien hervorriefen. Mit Micha und Not entfernt sie die Polizei. Die Amtsanwaltschaft lehm die Eröffnung des Verfahrens wegen Landfriedensbruchs nh. Beschwerden bleiben fruchtlos.

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