Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 3 (18.5.1922)
- Date
- 1922-05-18
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277380-2277383--00048-2279140- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
44 ©oxion schildert darin den Zwiespalt, in dem der Jude zu leben verurteilt ist, auch dann, wenn er aus dem Judentum austrktt. Die Arbeit ist, ohne hervorragend zu sein, doch, wenigstens im Hinblick auf die vorn Autor genommene Entwicklung, interessant rschon deshalb, weil sie die einzige ihrer Art geblieben ist. Bin Gorions Versuche, deutsche Romane zu schreiben, sind fruchtlos geblieben. Dabei hat er z. B. in einzelnen Vorreden zu in deutscher Sprache erschienenen, noch besonders zu würdigenden Werken -einen allsgezeichneten deutschen Stil. Es muß für die Konzeption und Ausführung dichterischer Werke fin deutscher Sprache in ifjm eine Hemmung gegeben haben, die das -Zusanmiengehen -der -erfinderischen Phantasie mit dem Ausdruck unmöglich machte. Wohlgemerkt: in -deutscher Sprache. Denn sowohl im Hebräischen wie iut Jiddischen ist Micha Josef bin Gorion Ausgezeichnetes gelungen, wie Uebersetzungen erkennen lassen. Ob -er -ein Dichter im wahren Wortsinn gewesen ist, kann -ich nicht 'beurteilen. Ich glaube es mcht. Was ich von ihm kenne wenigstens, läßt mehr den Schilderer als den Dichter erkennen. Und wäre er Dichter gewesen, so lägen nicht zwanzig Bände Aussätze (allein in hebräischer Sprache) vor, die -aber nur einen Teil seines Gesamtwerkes ansmacheu. Natürlich raubt es dein Werte Micha Josef bin Gorions nichts, daß er nicht Dichter vor allem war in dem Sinne des nach Gestaltung von Weltbildern ringenden Künstlers. Künstler war er trotzdem. Er ist nicht umfonft auf dem Wege gewesen, Maler zu werden. NachdemseineVersuche, in der deutschen Literatur einen Platz als deutscher Schriftsteller zu erringen, trotz des oben erwähnten ermunternden Versuchs als gescheitert zu betrachten waren, wandte Micha Josef bin Gorion sich einer Idee zu, deren Altsführung ihn über den erlittenen Mißerfolg doppelt zu trösten imstande -lvar. Einmal gab sie ihm Gelegenheit, die gesamte Literatur der trotz ihrer stetigen inneren Abstoszungserscheinungen bestehenden jüdischen Gemeinschaft der Welt vor Augen zu stellen, und das andere Mal gab sie chm di-o Möglichkeit, sich, obwohl mittelbar, so doch -in der deutschen Literatur, einen wirklichen Platz zu schaffen. Sein Fall ist einer der seltsamsten seiner Art. Hebräische Quellen ausjchöpsiud, schaffte er ein Material herbei, das Nahe! N a m b e r g, die Gattin des „Sammlers", wie er sich bescheiden nannte, zur „glorreichen llebersetze-rin", -wie Enü-l Strauß sagte, zn machen imstande lvar -und, in den „Sagen der Juden" und im „Born Judas" niodergelegt, den: ästhetisch Genießenden, wundervolle Stücke verlorener Dichtung -und dem Forscher und Vergleicher außerordentliches, zum Nachdenken -anregendes Material bietet. Die beiden genannten Monumientalwerke schaffen Micha Josef bin Gorion und Rachel Ramberg einen -hervorragenden Platz in der deutschen Geistes-wissenschaft, und diese Tatsache -war es vielleicht, die das Westjndentum veranlaßt hat, den Autor zu ehren (nachdem er tot war), -wobei es, wenn sie ihm nicht überhaupt entgangen ist, bestenfalls über die Tatsache hinwegsah, daß jene Werke im Grunde eine Polemik gegen das Westjudentum barftclCcit, das, Micha Joses bin Gorions Ansicht nach, durch den Rabbinismus und die innere Mission gleicherweise an der Wurzel angefressen, jede Beziehung zum geschichtlichen Wenden verloren hatte und sich nur deshalb hielt, weil alle seine Teile zugleich auseinanderzusallrn den Wunsch hatten. Daß seine Abneigung gegen das Westjudentum in Micha Joses bin Gorion eine unbedingte Bejahung des Osijndentums gezeitigt hat, muß entschieden abgeleugnet werden. Er war ein absoluter Gegner des Zionismus und konnte, obwohl sonst ein Mann der Sanftmut und Ergebenheit in das Schicksal und die Menschen, feine Mißbilligung nicht scharf genug ausdrücken. Härter als den Zionismus beurteilte er lnrr noch die neuestem, sich in einem, meift aus infamem Deutsch gewobenen „ästhetischen" Mäntelchen verhüllenden Versuche, „Jahwe zu suchen". Es -ist mir ni-emM ganz klar geworden, ob Micha Josef bin Gorion mehr durch die Sache selbst, als durch die Form, in der sie sich kundgab, abgestoßen worden ist. Er war ein zu großer Kenner ibje:r jüdischen Geistigkeit, der deutschen Sprache, deren Verhunzung der in Betracht kommende Kreis geradezu auf seine Fahne geschrieben zu haben scheint, und des W rtes überhaupt, um nicht oft genug alle seine Empfindungen in ein: „schauderhaft, schauderhaft!" zusammenzu fassen. Wie er ein religiöser Ketzer war und in den Neligionsübungen nichts sah, a'ls einen Forschungsgegenstand, wie er den Glauben im hergebrachten Sinne abgestreift hatte, um sich seinen aus sich selbst zu schaffen, einen Glauben, der darin wurzelt, daß das Judentum nur Gegenstand der Forschung sein und bestenfalls sich aus die ans der Forschung strömende alte oder neue Geistigkeit stützen sollte, so Hütte er eigentlich allen Vertretern irgendeiner „Positivität" gleicherweise peinlich und bekämpfenswert erscheinen müssen. Und wenn „nicht Fördern" eine Form der Bekämpfung ist, so hat man sie'gegen Micha Joses bin Gorion lange und intensiv genug, zur Anwendung gebracht. Gerettet hat ihn seine geistige Kraft, seine Zähigkeit, seine beispiellose Beherrschung seiner Gegenstände und — das Bewußtsein vom Besitze aller dieser Eigenschaften. Zum Märtyrer geboren, hat er das Martyrium überstanden, in den Stand gesetzt, sich über alles hinnusznlschtendern, hat er sein Martyrium durchgekostet. Systematisch, allzu systematisch, hat er mit der Sammlung und Herausgabe seiner Schriften Zeit verloren, die ihm -nachher gefehlt hat, als er darangehen wollte, in einem Hauptwerke die Negativität aller sogenannten positiven Religion darzülegen. Als er die Feder dazu -ansetzen wollte, riß der Tod sie ihm aus der Hand. Ein Werk wie das erwähnte zu planen, ich meine nicht in fruchtlosen Phantasien, -sondern auf Grund eines wahren Materials und daraus schon gezogener Folgerungenlvar nur der Verblichene imstande. Bis es geschrieben wird, müssen wir einen zweiten Micha Josef bin Gorion abwarten, das heißt einen Mann, dem das Material in seiner ungeheuerlichen Fülle ganz und gar offen liegt, der imstande ist, die Fä-den zwischen den Einzelheiten zu erkennen und — der genug Mut und Gleichgültigkeit gegen alle Angriffe besitzt, um die Verbindungen klarzulegen, durch welche die innere Nichtigkeit der sogenannten Posivität au den Tag gebracht wird. Hoffentlich wird uns die Zeit nicht zu lang . . . P, F„ München. Mo inen. In seiner Etats rede -am 4. April dieses Jahres saure der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld wörtlich: „Die Regiernna hat die Pflicht, alle Staatsbürger an schützen, a I s v a n ch u n f e r e j ü dischen Staats b ü r a e r. Als Mensch und Ehr in v e r u r teil e i ch den Anti s e m itisrnus. der den Grund für alle Krankheiten inneres Volkslebens im jüdischen Geiste sieht. All die beklagenswerten Erscheinungen lassen sich nur durch die sittliche Kraft des ganzen Volkes überwinden." F. G. Frankfurt a. M. Sie fühlten sich kürzlich in der Uraufführung von Franz Werfels ..Bocksgesang" durch die Figur des indischen Hausierers Feiwel verletzt und berichten, daß im fünften Akt, als der Jude auf dem zerstörten Bauernhof erscheint, der Satz ..Ohne mich kein Wiederaufbau!" höhnische Aha-Rufe weckte. Sie berichten ferner, daß der Schauspieler Großmann. der den Feiwel spielte, auf Vorhaltungen jüdischer Personen Versicherte, die Figur stark gemildert zu haben. Möglich. daß er dies tat. Grund dazu lau kaum vor. denn Werfel — selbst Jude — zeichnete die Gestalt keineswegs unsympathisch. Jener Satz a b c r ko m m t in der Buchausgabe dos Stückes ü berhaupt nicht Vor und die Annahme liech nahe, daß -er von Herrn Großmann stammt, der sich so eine „aktuelle" Improvisation leistete. Zahlreichen Anfragerrr. Der kürzlich verhaftete Fälscher A n s p a ch ist der -Lohn eines Pastors und Christ. mm Zur Hautpflege'Körperpflege'Schönheitspflege Zur Babypflege für htaflhge ‘furSportsleute, MMW (f aö', Ijf., (J. 0Ub\ 0^£. 1810 aX. WfrmY *V, Jurf.' (J. 4W. 4^. OjfUty?. 1810 UjMtÜiAJI. JR^MY