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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23-24 (Juni 1921) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 23-24 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 374 (sequence 22)
Language
German
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Bei Sturm tfin trüber Nobembertag, Nordost.stützt ins Wetterhorn. Dunkle Wolkenmassen tragt er auf seinem Rücke». Hagelschauer klatschen nieder und trüben die Fluten. Der Sturm wühlt die Wellen auf. Da tauchen die Fische' in die Tiefe. ES ist den Lachmöwen unmöglich, in den aufgeregten Gewässern zu fischen. Hunger zerrt in ihre» Gedärmen. Ihre Unruhe wird dadurch nur noch vermehrt. Der starke Wind ist ihnen gleichgültig. Selbst den Sturm durchschneiden ihre langen, spitzen Flügel mit Leichtigkeit. In sein Heulen mischt sich ihr kreischender Ruf. Sie schreien nach Fratz. Je mehr, desto besser: aber das Wasser bietet ihnen bei solchem Wetter nichts. Da verlassen sie es und streichen ins Binnenland Sie folgen einem Altwasser, besuchen ein Bruch und durchstöbern ein Suinpfgelünde. Rirgens finden sie Futter. Kein Fisch, feine Schnecke, kein Wurm, selbst kein Aas ist da. Auf der Feldspur pflügt ein Bauer. Er «ritzt eine Kleestoppel um. Die Lachmöwen stürzen sich aus daS frische.Land. Mitztrauisch und vorsichtig haben sie erst eine Zeitlang die Gegend abgekreist. D>7 Lanhwirt sieht verwundert auf, alS er die hellgeflederten Vögel erblickt., Sturm auf dem Wasser, denkt er, da haben die Möwen Hunger. Argwöhnisch halten sich die Gäste anfangs in möglichst weiter Entfernung vom Gespann, und sie fliegen jedeSinal hoch, wenn sich die Pferde ihnen nähern. Aber das Zutrauen wächst schnell, zu mal da der Futterneid immer reger wird. Der aufgerissene Boden hat viel Kleingetier an die Oberfläche gebracht. Regenivürmer kriechen über die Scholle»: fette Larven des Mai- und Junikäfers suchen»tuen Unterschlupf: graue Raupen der Erdenlen liege» unbeholfen und Uälte auf dem Lande: auch Egelschnecke» sind vor- Händen. Die Lachmöwen laufeit «der den Acker, streichen in kurzen Flügen hierhin »nd dörthin. Zwei Vogel, balgen sich um eine» dicken Regenwurm; da fritzt ein dritter ihn auf. Ja, so geht'S, wenn zwei sich streiten. Bald ist das uingebaute Land abgesucht, und schön liegen einige Möwen in der letzten Ackerfurche. Immer dichter folgen sie dem Pfluge. Wenn der Bauer die Zugtiere «»»- wcndet, flattern die Vögel auf, streichen einige Kreise und folgen wieder hem Pfluge. Fest liegen die Gäule im Geschirr: sie dampfen von der Arbeit. Mit sicherer Hand führt der Landinann den Pflugsterz, lieber das muntere Treibei« der Möwen freut er sich; sie lesen manchen Schädling auf. Da springt plötzlich eine Feldmaus vor der Pflugschar aus einem Schollenritz und flüchtet über die Brache fort. Schon rüttelt - eine Möwe über dem Nager, stützt zu und streicht mit der Beute im Schnabel davon. Eine andere Möwe prallt gegen sie, eine dritte vermehrt den Streit, andere werden aufmerksam. Die Beute wandert von Schnabel zu Schnabel, bis einer Möwe es glückt, sie schnell zu würgen. „Ehriäh, chriäh!" schon stieben sie auseinander und folgen wieder den« Pfluge. . , In der Nähe ist ein Bruch ir«it Wasserlache». Fortgesetzt fliegen Möwe«« dorthin, um zu trinken, und kehren dann «vieder zur Nahrungssuche zur'ick. So entspinnt sich zwischen Acker und Wasser ein lebhafter Verkehr. linlinterbrochen streichen die Möwen auf dem Luftwege hin und her. Aus der Ferne sieht es aus, als ob eine Schneeballschlacht stattfände.

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