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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 23-24 (Juni 1921) · p. Seite 368

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 23-24 (Juni 1921)
Date
1921-06-01
Page
Seite 368 (sequence 16)
Language
German
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„So laß mich dir helfen, wenigstens heute!"' rief Mose au? und wollte ihr den Mahlstein aus den Händen winden, „ich kann dies nicht ertragen, —" Aber sie wehrte mit der Kraft der Entrüstung. „Nein, nein, Mose! Nie würde ich das leiden! Deine Hände sind weich und schön, unddein Meid ist sauber! Und auch -" sie lachte plötzlich, während sie beinah schalkhaft zu ihm aufsah, „du weißt ja gar nicht, wie das Ving hier anzugreifen ist, du, ein Priester und in hohen Geheimnissen Belehrter, ein Günstling des Pharao, in seinem Hause erwachsen!" Da wurden draußen Schritte laut, und auf der Schwelle erschienen Rmram, der Hausherr, undMoses jüngerer Bruder Raron, ein Hochaufgeschossener Knabe mit eigentümlichglänzenden, nahezusammengerückten Rügen, deren flinker, wachsam schweifender Raubtierblick eine nicht einzuschläfernde Feindseligkeit gegen alles ihn Umgebende verriet- Leide hatten Mose aus der Stelle erkannt,' trotzdem schwiegen sie und standen wie abwartend, gleichgültig der Ulte, offenbar mißtrauisch der Junge. Möse, starrte sie an und sah alles: das völlig gebleichte, spärliche haar seines Vaters, der dennoch nicht fünfzig Jahre zählte, seinen von schweren Lasten gekrümmten Rücken,seine gleichsam zerbrochenen, knotigen und blutrünstigen Hände,- er sah den vor Not und Ueberbürdung stumpf gewordenen Blick, worin selbst der Widerstand der Seele erlöschen war, und in des Bruders Rügen das böse Leuchten einer heimlichen Rachsucht. Und ihre abwehrende Verschlossenheit traf ihn wie ein Vorwurf, als sei er selbst, er allein schuld an dem Elend, das sie verbittert hätte. „Vater, ich bin es!" rief er aus, „erkenne mich, - nimm mich an! GH, glaubet doch nicht, du und mein Bruder, ich sei gefühllos und stolz, — eure Rot zerreißt mir das Herz, und ich will ich muß euch helfen! Ich will mich vor dem Pharao niederwerfen, will ihn günstig stimmen durch seine Tochter, die mich mütterlich aufzog, durch Mer-en-ptah, seinen Sohn, dem ich wert bin, - er soll seine Hand ausstrecken und euch heroorziehen aus diesem Jammer, daß ihr in Ruhe und Wohlsein eure Tage leben könnt, unten im fruchtbaren Lande, in Hellen Häusern, —" Er stockte: Rmram, in dessen matten Rügen ein Funke aufgeglommen war, hob mit entsetzt beschwörender Bewegung beide Hände, und Iochebed hing plötzlich an seinem halse, zitternd und schluchzend. „Mose, mein Kind!" flehte sie, „tu'es nicht! Vas wäre schlimmer als alles! Sie würden aufmerksam werden auf uns, die Zölleinnehmer, die Rufseher, die Häscher! Rlles würde nur noch schrecklicher werden, - die Vögte würden deinen Vater, deinen Bruder doppelt plagen, sie würden uns nächspüren bis in unsere armen Hütten, wo sie uns bisher doch Hausen ließen, unbehelligt wie die Tiere der wüste Rch nein, nein, - laß uns, Mose, — geh du deinen guten weg, - " „Vater!" wandte sich Mose stammelnd, völlig verwirrt und hilfesuchend an Rmram. Rber auch der schüttelte verneinend, ohne Erregung noch Hoffnung den Kopf. „Wir fürchten nichts so sehr wie dies: daß der Pharao nn uns Hebräer erinnert werde! Er hat uns vergessen seit einiger Zeit, — wohl uns, so leben wir doch! Laß uns im Dunkeln,' was hülfe es auch, wenn er in einer gnädigen Stunde, um deinetwegen, ein paar des geplagten volkeSi — mich, deine Mutter, deine Geschwister, — ans Licht zöge und mit Gütern beschenkte? Es würden unsere Brüder, die mit uns in fremder Knechtschaft leiden, dennoch weiter dulden, härter vielleicht als zuvor, denn Neid und Mißgunst sind mächtig. Nein, Mose; schweigen ist gut, ist klug! wir lebten bisher, —es wird auch weiterhin erträglich fein, wir wollen ja nichts, wir fordern nichts, — es ist Nichts, — es ist nun einmal nicht anders, —" Rchselzuckend, murmelnd, mit hän.

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