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Bar Kochba · 1921-04-01 · Heft 19-20 (April 1921) · p. Seite 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 19-20 (April 1921)
Date
1921-04-01
Page
Seite 315 (sequence 27)
Language
German
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Sie setzten sich dann gewöhnlich auf meinen Boden, ließen die Leine zur Luke hinaushängen und aßen gemeinsam, Der Schlosser war aber ein Prahlhans, und da sie erst vor Kurzem geheiratet hatten, so suchte er seiner Frau auf jede Art zu imponieren. (Er zeigte ihr feine Arbeits« gerate und sprach immerzu davon, wie schwer sein Beruf sei und was für ein tüchtiger Kerl er wäre. Und feine Kameraden faßen dabei und da sie sich auch im besten Licht zeigen wollten, so stimmten fie hei. Darüber ärgerte sich die Frau und sie fing an, auch von ihrer Arbeit zu sprechen und wie schwer es sei, von den paar Groschen, die ihr Mann verdiene, jeden Tag ein anständiges Mittagesien zu kochen. Da kam sie aber schön an! Die Mäyner lachten und meinten, Frauenarbeit fei überhaupt keine Arbeit, das sei bloß eine Beschäftigung und es wäre zwar nicht denkbar, daß die Frauen allein auf der Welt leben könnten, aber die Männer könnten zur Not alles das selbst machen, was heute die Frauen tun, Da sagte die junge Frau an diesem Tage garnichts mehr und die Männer meinten, sie hätten sie überzeugt, und der am wenigsten gut von den Frauen gesprochen hatte, war ihr eigener Mann. Aber als am nächsten Tag die Frau wieder auf den Arbeitsplatz kam, trug sie nicht wie gewöhnlich den großen blauen Tßnapf, sondern eine kleine Markttasche. „Wo hast Du das Essen?" fragte der Schlosser, „Hier", sagte die Frau und drehte die Tasche um, so daß . eine große Kohlrübe, ein paar Kartoffeln, Suppenkraut und ein Stück Fleisch dem Mann vor die Füße kullerten. „Ihr seid ja solche Schlauköpfe, und könnt alles, was eine Frau macht, alleine besorgen. Bitte, koch Dir Dein Essen selbst." Der Schlosser machte ein verdutztes Gesicht, seine Kameraden aber lachten aus vollem Halse. „Na, nu zeigs ihr mal, Wilhelm!" riefen sie. „Du wirst Dich doch vor Deiner Frau nicht blamieren?" „Nein, das werde ich bestimmt nicht," antwortete der Schlosser, „sie soll sehen, daß ich auch ohne sie fertig werde." Und damit holte er einen kleinen Eimer herbei und begann, die Kartoffeln zu schälen. Als er aber ein paar fertig hatte, sagte einer von den Kameraden: „Ich glaube, Wilhelm, Du wirst heute nicht satt werden!" „Warum nicht," fragte der Schlosser, „es ist doch genug da?" „Das schon, aber du schälst zu dick, bei Dir haben die Kartoffeln mehr Schale als 315

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