Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 19-20 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 304 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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schienen, um dem Leder beizuwohnen. Die Tafel wird hergerichtet: sie besteht aus einer niedrigen Fußbank, um deren Rand man kreisförmig Rüben, Petersilie und Kresse legt. Vas bildet einen etwa 50 cm hohen Kreis, dessen Innenraum von den Töpfen mit versckiedenen Eßwaren ausgefüllt ist. während man auf die Fertigstellung der Mazzoth wartet, wird, wie gewöhnlich, ein religiöses Thema diskutiert.! Sunt Beispiel: warum wird der wein der Arba Kossoth nicht in ein einziges Glas gegossen: warum trinkt mam nicht alles auf einmal aus —• hieße das ein Gesetz oder einen Brauch verletzen? Jeder spricht seine Meinung aus, und der Diener, ein alter neben dem Gberrabiner sitzender Junggeselle, erklärt, man brauch« die Arba Kossoth, um viermal statt eines einzigen Mals den Segensspruch sprechen zu können. Buch die Frauen sind ins Zimmer gekommen. Der älteste Syhn füllt die Gläser, man macht Kiddusch, wäscht sich die Hände und liest mit großer Geschwindigkeit die hagadah. Da keine Kinder bei Tisch sind, brauchen nicht viele Erläuterungen gegeben zu werden. Bei der Stelle, wo' von den zehn Plagen die Rede ist, wird ein Scherben. herbeigeholt, in den der Gberrabbiner zehn Tropfen wein aus seinem Glase träufelt. Man liest weiter, wenn man an dem Absatz angelangt ist, der mit den Worten: „vezeth Iisrael Mimizrajim" beginnt, rufen alle Anwesenden beim Schluß jeder Strophe: „hallelujah, hallelujah!" Der letzte Abschnitt der hagadah ist ein schöner Gesang zum Preise des Schöpfers, der in den türkischen Buchausgaben nicht abgedruckt ist. Beim „Karpas" pflegt man im Grient und Gkzident ein Sellerie- oder Petersilienblättchen in Essig zu tunken: hier nimmt man zu einer kleinen Kugel zusammengerollte Petersilie - ungefähr in der Größe einer Glioe - und tunkt sie in das Tharoßeth. Dies« Mischung, die an den Mörtel erinnern soll, den unsere Vorfahren in Aegypten Herstellen mußten, wird hier aus dreizehn verschiedenen Zutaten zusammengesetzt: aus Datteln, Aepfeln, Mandeln, Sesam, Nelken usw. Nachdem die Vorlesung der hagadah beendet ist, wird nach tandersitte gespeist, indem alle ihre Hände in denselben Napf stecken. Danach kommt das Tischgebet und das „Sch'foch" und der Leder ist vorüber. AM zweiten Peßachabend bin ich beim More Aron Lohen, Richter beim Beth Din*): er ist ein prächtiger stattlicher Greis mit schönem, langem, weißem Bart und immer freundlichem, sympathischem Gesicht. Der Imam**) hatte ihn zum Gberrabbiner ernennen lassen, er legte diese würde aber bald ab und nahm dafür den Posten eines einfachen Richters, an : er wollte sich nützlich machen, ohne dafür Ehrungen oder Vorteil zu gewinnen, von Beruf Schneider, näht und stickt er den ganzen Tag an den Galamänteln für die Araber, die ihn sehr lieben uyd ihn gern bei sich empfangen. Er ist das Oberhaupt einer Patriarchenfamilie, die er mit Milde regiert, .von seinen fünf verheirateten Söhnen, die mit ihren Familien in seinem Haus wohnen, sind drei bereits Großväter. Ls ist eine Freude, in dieses gottgesegnete Haus zu kommen, vor Beginn der Vorlesung bricht More Aron eine Mazzah in zwei Teile, hüllt sie in ein Tuch, legt sie auf di» Schulter und spaziert damit durch das ganze Haus: das bedeutet den Auszug aus Aegypten. Die Mah nischtanah wird von zwei seiner Enkel ins Arabische übersetzt, „damit die Frauen auch etwas davon verstehen", erklärt mir der milde Greis. Wenn man das „Kamoh Maaloth Toboth" beginnt, setzen Männer und Frauen sich um die Tische und heben diese in die höhe, sobald das Dajenu gesagt wird, lassen sie die Tische mit einem Ruck wieder herunterfallen. " *) jüdisch«! Eerichtrhof. **) hoher türkischer Beamtet.