Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 18 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 287 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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(Ein j ü 6 i sch e s Kö ti von Ernst o. Die alten Europäerhäuser von. Lochin werden von einem volksstamm bewohnt, wie man ihn irgendwo in der zivilisierten Welt, nur nicht in den Tropen von Süd- Indien erwarten würde: von weißen und schwarzen Juden. Bet meinen Wanderungen durch die engen Straßen sah, ich nichts als Juden, Männer mit langen bärtigen Gesichtern und den charakteristischen scharsgebogenen Nasen, ähnlich gekleidet wie ihre Glaubensgenossen in Jerusalem; in den Türen, auf den Treppenstufen, an den Fenstern Mädchen und Frauen und Kinder, die neugierig dem europäischen Wanderer nachblickten, alle von demselben Typus wie in Palästina, in bunter Meldung, mit reichem Goldschmuck an hals und Armen, die Gesichtsfarbe von ähnlicher weiße wie bei Europäern. Am Ende des delebtesten Gäßchens steht eine Synagoge überhöht von einem Turme, und jenseits liegt ein zweites Iudenviertel, anscheinend etwas ärmlicher als das erste, mit Bewohnern, deren Gesichtsfarbe eine Schattierung dunkler ist, wie Mulatten im vergleich zu Weißen. Wie Kamen diese vielen Juden hierher nach Lochin? Tatsächlich befand ich mich in einer der ältesten Iudengemeinden der Erde. Venn sie wurde schon zur Zeit König Salomos gegründet! Der Tradition nach wanderten ihre Vorfahren nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch Titus hierher aus. Sie würden von den Fürsten Süd-Indiens mit Wohlwollen aufgenommen, erhielten wertvolle Vorrechte, und gründeten in verschiedenen Städten kleine Kolonien, von denen jene am Lranganore die bedeutenste war. Durch Fleiß und Sparsamkeit erwarben sie sich im Laufe der ersten Jahrhunderte ansehnliche vermögen, ja ihr Einfluß war im fünften Jahrhundert so groß geworden, daß ihnen einer i i g re ich in 3 n5 i e n Hess« warkegg derKönige von Malabar ein eigenes Fürsten-, tuM, Anjuvanam, mit den ganzen Einkünften desselben abträt und ihren Führer, Joseph Nabban, zum Fürsten erhob. Als ich unter Leitung des Rabbiners die Synagoge der „weißen Juden" besuchte, zeigte er mir die kostbaren Uralten Bronzetafeln aus jener Zeit, welche diese Tatsache registrieren. Es heißt darin unter Anderen. „Wir haben dem Josef Babban. die Ortschaft Anjuvanam (Tranganore) gegeben, mit all ihren Einkünften und ihm die folgenden Vorrechte verliehen: Er soll sich aller Ehrungen erfreuen, er darf auf Elefanten und Kamelen reiten und sich uns im Zeremoniell nähern; er darf seine Titel durch Herolde verkünden lassen und sich einer Lampe bei Tage bedienen; er darf sich ein Luch ausbreiten lassen, um darauf zu gehen, und Musikinstrumente spielen lassen; er darf sich eines Traghimmels, einer Ehrenschirmes, eines Tragstuhles bedienen und eine Ehren- - pforte errichten lassen. Wir haben im Fürstentum alle rückständigen Zölle und Abgaben erlassen; wir haben ihm auch diese Kupfertafeln verliehen, damit er keine Abgaben an den königlichen Hof zu zahlen hat, wie die anderen Einwahner, und damit er alle Vorteile genieße wie diese." Vas war also gewissermaßen die Gründung eines Königreiches der Juden im südlichen Indien, und fte erfreuten sich desselben auch Jahrhunderte hindurch, besaßen in Lrangandre ihre Hauptstadt und erwarben große Beichtümer, bis im Jahre 1524 der Zamorin (König) von Lalicut die Mohammedaner auf sie hetzte. Die wilden, beutesüchtigen Muselmanen plünderten ihre Wohnungen, machten einen großen Teil von ihnen nieder und vertrieben sie aus . dem Lande. Die Portugiesen nahmen sie