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Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 18 (März 1921) · p. Seite 284

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 18 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
Seite 284 (sequence 12)
Language
German
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heute und Gestern MN PV'llNN llD'3 £1115 3 s ItnD wenn ein Schiff in den Hafen von New-York einfährt, legt es erst bei einer Insel mitten im Fluß an, die Ellis Island heißt, hier müssen alle Zwischendecks. Passagiere den großen Dampfer verlassen und kommen in die „Csuarantäne-Station". Amerika hat sehr strenge Einwanderergesetze, insbesondere wird niemand in das Land gelassen, der Krankheiten hat. Aus Ellis Island wird jeder Ankömmling von den Aerzten genau untersucht, wer nicht ganz gesund ist, kommt gar nicht erst nach New l)ork herein, sondern wird zurückgehalten, bis das nächste Schiff ihn wieder nach Europa bringt. , Mit jedem Auswandererdampfer komnien auch Hunderte von Juden nach Ellis Island, was sie dort erleben, schildert der nachfolgende Bericht, der aus der Feder eines Mannes .stammt, der „die Hölle der Einwanderer" selbst kennengelernt hat. .Ruche l e" Endlich an der Pforte Amerikas, aber noch lange nicht in Amerika! Die Einwanderer, die soeben mit dem Dampfer „Saxonia" eingetroffen sind, wurden sofort auf dem Dock von E l l i s I s l a n d interniert. Sobald ihre in New York ansässigen verwandten die Ankunft. des Schiffes erfahren hatten, strömten sie zu diesem Dock hinaus. Sie wurden nicht hereingelassen, weil die Einwanderer von der Behörde noch nicht gemustert waren. So standen sie in langen Reihen vor dem Oockgebäude und reckten die Hälse nach den hohen Fenstern, hinter denen sich die Köpfe der Ankömmlinge drängten, die versuchten, in der wartenden Menge ihre Angehörigen zu entdecken. Jetzt haben sich einige erkannt, jüdische Namen, in der höchsten Aufregung geschrieen, fliegen zwischen der Menge dort unten und der im steinernen Käfig hin und her. Da gibt es kein halten mehr. Im Nu splittern sämtliche Scheiben der riesigen Fensterfront, di« hindernden Rahmen fliegen zerbrochen. aufs Pflaster, Hunderte von Köpfen recken sich aus den Höhlungen, Hunderte von Stimmen rufen, schreien, flehen, betteln! Da steht in der Menge ein Mann, er blickt wie verzückt zu einer Frau empor und ruft mit von Tränen erstickter Stimme nur immer den einen Namen: „Ruchele!" Und küchele oben kann zwar Nicht verstehen, was er sagt, aber sie sieht die Bewegung seiner Lippen und sie weiß, daß der dort unten die unsinnige Freude seines Herzens hinausschreit, nach sechs langen Jahren wieder das Gesicht seiner Frau erblicken zu dürfen. Und sie nickt ihm zu, mit einem wunderschönen Lächeln auf den Lippen, wie sie es nur unter der Thuppe gehabt hat, nickt unaufhörlich ... . nickt. . und er schreit, bis er heiser ist: „Ruchele!" . . . . . . „Ruchele!" ... Die oben und die u n t e n Unten schreit man: „lvie gehts Euch?" „Seid Ihr seekrank gewesen?" „hat man Euch schon zu essen gegeben?" „wann wird man Euch untersuchen?" „wie geht es zu Hause?" „habt Ihr es warm?" Und von oben antwortet man:„Di, ist das hier kalt!" „(Di, ist das hier schmutzig!" „Ach, wären.wir erst bei Euch!" „wann wird man uns zu Euch lassen?" Stundenlang stehen so die „Amerikaner" und blicken herauf zu ihrm Lieben, die dort eingesperrt sind, Die ihnen so nah 284

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