Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 18 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Ui dd usch- W ein In Jerusalem ist es in einer Synagoge Sittc^ daß der Schammes. sobald am Freitag Abend Uiddusch gemacht ist, den Wein mit nach Hause nimmt und ihn zu hawdolo wieder mitbringt. Das hängt mit einer merkwürdigen Begebenheit zusammen: In einer Freitagnacht lag der Schammes bereits in ruhigem Schlaf, als plötzlich ein Mann an sein Fenster pochte. Der Fremde befahl dem Schammes, ohne Zögern in die Synagoge zu eilen, denn in der heiligen Lade lodere ein blutrotes Feuer und es sei Gefahr, daß nicht allein die Synagoge, sondern die ganze Gemeinde von ihm verzehrt würde. Der Diener eilte erschrocken zum Gotteshaus. Er öffnete die heilige Lade, aber er sah kein Feuer. Schon wollte er beruhigt wieder zuschließen, als er bemerkte, daß die Flasche mit Mdusch-Wein, die er auf den Voden des Schreins zu stellen pflegte, von ihrem Platz verschoben war. Irgend etwas Schlimmes ahnend, hob er die Flasche heraus und goß ein wenig von ihrem Inhalt aus. Da sah er zu seinem Schreck: es war Vlut in der Flasche. Ohne recht zu wissen, was das bedeute, tat er in diesem Augenblick das Klügfte, was er machen konnte: er stellte eine neue Flasche in den Schrein. Die Flasche mit Vlut aber nahm er mit sich und warf sie beim heimgehen in den nächsten Vach. Am Sabbathmorgen — der Gottesdienst hatte Kaum begonnen - erschien plötzlich der Pascha von Jerusalem in der Synagoge und mit ihm viele Soldaten. Ohne sich um die Anwesenden zu kümmern, befahl der Pascha seinen Leuten, jeden Vinkel zu durchsuchen. Als nichts gefunden ward, was irgendwie verdächtig war, zeigte ein Diener des Pascha auf die heilige Lade und rief: „Dort müßt ihr suchen." Auch da fand sich nichts Vesonderes. Aber der Diener schrie: „Da in der Flasche ist Vlut von einem Thristenkind, das die Juden abgeschlachtet haben." Der Pascha fragte den Rabbi. „Was enthält diese Flasche?" Der erwiderte ruhig: „Wein, den wir zum Segenspruch am Sabbath brauchen." Der Pascha nahm den silbernen Vecher, der daneben im Schrein stand und goß ihn aus der Flasche voll. (Es war goldenroter, duftender Wein, wie er aus der Rebe von Hebron gepreßt wird. Alle sahen's und die Juden, die in Todesangst alles mit angehört hatten, atmeten erleichtert auf. Jetzt suchte der Pascha Lntschuldigungsworte wegen der Störung: Ein schlechter Mensch - er wies auf den Diener - habe ihn betrogen, um über die Juden Unheil zu bringen. Aber er werde der verdienten Strafe nicht entgehen. 274