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Bar Kochba · 1921-02-01 · Heft 16 (Februar 1921) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 16 (Februar 1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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Am 16. November feiert man in Lqdda, nordwestlich von Jerusalem, das Fest einer heiligen, welcher den Juden als Elias, den Moslems als Thadr, der Thristenkeit als der heilige Georg oerehrungswürdig erscheint. Sein Fest bedeutet für den palästinensischen Sandmann jeglicher Konfession den Beginn der Feldarbeit. Allerdings, um diese hoffnungsfroh auf» zunehmen oder besser, um sie überhaupt aufnehmen zu können, ist eines unerläßlich : es muß wenigstens vierzehn Tage vor dem Feste vyn Lqdda ausreichend geregnet haben, der sogenannte Frühregen muß gefallen sein. Sonst steht es schlimm. Venn man vergegenwärtige sich die Folgen einer fünfmonatlichen regenlosen Zeit, einer Zeit, in welcher die Sonne mit großer Gewalt herniederbrennt. wenn auch der nächtliche Tau einige Erquickung bringt, so ist das doch bei weitem nicht ausreichend, um zu verhindern, daß im September der Loden hier und da in handbreiten Spalten auseinanderklafft, die Grasnarbe vollkommen ausgebrannt, die Ackerflächen mit Dornen und Disteln bisweilen wie besät, weg und Steg, Baum und Strauch mit einer weißgrauen Staubschicht bedeckt sind. Vieser schrecklichen Jahreszeit macht der Legen ein Ende. Auch die Bibel kennt in der Hauptsache nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. Schon in der Sintflutgeschichte heißt er: „Fortan sollen, solange die Erde besteht, nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Frühling und herbst, also di« Zeiten vor Beginn und am Ende der regenlosen Zeit des Sommers, werden nur selten in der Bibel erwähnt. Die Legenzeit teilt man in drei Abschnitte ein, Frühregen im Oktober, winterregen von Anfang oder Mitte November bis zum .März und Spätregen im April. Im Laufe des Oktobers sammeln sich im Westen di« Wolken. Eines Nachmittags koMytt ein heftiger wind auf, alles ist in Erwartung. Nach Einbruch der Dunkelheit hört man wohl schwachen Donner, es fallen einige spärliche Tropfen und dann plötzlich rauscht es hernieder. Ein allgemeiner Jubel herrscht, denn der Frühregen ist ein großes Ereignis. Einige Tage hält er an, aber kein Tropfen davon rinnt in die Zisternen, alles saugt die verlechzte Erde auf. Darauf wieder blauer Himmel und lachender Sonnenschein, der Erdboden ist erweicht und schon regt sich das erste Grün. Der Frühregen ist die erste kritische Zeit im Kreislauf des Jahres, wehe, wenn er ausbleibt oder auch nur zu spärlich erfolgt! Dann kann die Feldarbeit nicht beginnen, sie schiebt sich in die Zeit des Winterregens hinein, und der wieder, in seiner Heftigkeit und Ueberfülle, verdirbt nicht selten die Aussaat. Im Lause des Novembers setzt der richtige Vinterregen ein. Er fällt periodenweise, manchmal acht Tage und länger hintereinander. Das Thermometer sinkt über Nacht bisweilen unter den Gefrierpunkt; dann gibt es unter Umständen Schnee, den aber schon die nächste Mittagssonne gewöhnlich spurlos beseitigt. Jetzt füllen sich die Zisternen. In den Bergen bilden sich Bäche, die, wenn sie keinen genügenden Abfluß finden, hier und da kleine Seen oder Sümpfe Hervorrufen.. Zwischen die Legenperioden der Winterzeit fallen die herrlichsten Frühlingstage. Eine arabische Bauernregel sagt vom Februar, es sei ein hauch des Sommers darin. In der Tat, an solchen Tagen, wo die Sonne ihre Macht entfalten kann, schmückt sich das Land mit dem schönsten Blumenflor: Krokus, Lilien, Klematis, Narzissen prangen aus dem saftig grünen Teppich, der überall den Boden bedeckt.

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