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Bar Kochba · 1921-02-01 · Heft 16 (Februar 1921) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 16 (Februar 1921)
Date
1921-02-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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Lieber, eine Telegraphenstange muß gesund sein, Kerngesund. Außerdem kann nicht jede die Vorbereitungen für den Dienst vertragen. Venn erst werden wir am unteren Ende zugespitzt, damit wir leichter in den Loden eindringen, dann wird diese Spitze in ein Feuer getan, dir sie an ihrer ganzen Oberfläche verkohlt ist, denn Holzkohle widersteht der Fäulnis besser als frisches Holz. Außerdem werden wir noch über und über mit einer scharfen Flüssigkeit gebeizt, die uns noch widerstandsfähiger machen soll. Dann erst erlaubt man uns, unfern Dienst zu verrichten." BLLü bekam eine große Hochachtung vor der Telegraphenstange. Außerdem mochte er sie gern. Sie. hätte ihn von oben herab ansehen können, lang genug war sie ja dazu. Aber sie war freundlich und mitteilsam. Nun hätte er gar zu gern gewußt, welche Bewandtnis es mit den Drähten hatte, die in die Welt hinaus liefen. Aber er wagte nicht recht, danach zu fragen, er fürchtete, die Telegraphenstange Könnte darüber beleidigt sein, daß man so etwas nicht wisse. Da war es der alte, griesgrämliche Prellbock, der ihm, ohne es zu wollen, zur Hilfe kam. „Weiber sind ein schwatzhaftes Volk!" krächzte er mit seiner rostigen Stimme. „Man sollte Frauen nie ein Amt geben, sie werden es nie lernen, das Amtsgeheimnis zu wahren. Davon haben sie wohl nie etwas gehört. Fräulein Naseweis, he? Davon wollen wir nichts wissen, Jungfer vorlaut, wie? haben sie keinen Diensteid geschworen? hat man sie nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet? Und ich alter, in Ehren rostig gewordener Beamter muß das mit anhören? Ich kann nichts dagegen tun, ich kann Sie nicht hindern, ihre Pflichten aufs schmählichste zu verletzen, aber ich protestiere dagegen, ganz energisch protestiere ich dagegen." „Er ist total, übergeschnappt" sagte die Telegraphenstange, „es ist schon gar nicht mehr mit ihm auszuhalten. Dienstgeheimnis! Ich möchte wiffen, was der Prellbock für Dienstgeheimnisse hat. Lr steht stuMm und dumm da, wartet darauf, daß alle Jubeljahr einmal jemand gegen ihn anrennt, den schnauzt er dann furchtbar an und verbiegt sichden Puffer. War kann daran schon geheim sein? Gar nichts, jeder weiß es, jeder kennt es und jeder findet es furchtbar langweilig. Nur er selbst kommt sich sehr wichtig vor und meint, weil bei ihm die Schienen aufhören, ist er das Ende der Welt. Aber er ist nur ein Nebengeleise, und die großen, stolzen Füge sausen 245

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