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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
Seite 185 (sequence 9)
Language
German
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Das sollte heißen, die Tifenbahnbehörde habe BCCü geprüft, für gut befunden und er könne nun in den Dienst eingestellt werden. Darauf ging rin Mann ans Telephon und telephonierte nach dem Maschinen-Zchuppen, Madame vowidl solle kommen und den Neueu abholen Madame Vowidl war eine alte, kleine Lokomotive. Solange sie zurückdenken konnte, hatte sie zur Fabrik gehört. Ja, sie war dort gebaut worden, genau so, wie BCCü jetzt dort gebaut worden war. Nur war die Fabrik damals viel viel kleiner und eigentlich wenig mehr als eine große Maschinenschlosserei gewesen. Vas war in der Zeit, als es noch wenige Eisenbahnen gab. Madame vowidl war deshalb recht altmodisch und, wie alte Leute zu sein pflegen, etwas sonderbar. Sie Hatte nur ganz kurze Zeit Züge gezogen und als man von ihr verlangte, daß sie mehr wagen viel schneller schleppen sollte, als ihr ursprünglich zugemutet worden war, erkrankte sie. Sie bekam sozusagen Asthma, stöhnte und ächzte beim Laufen, pustete dicke vollen DaMpf aus dem Schornstein und den Stopfbüchsen, quietschte ohrenzerreißend mit den Rädern und blieb eines schönen Tages mitten auf der Strecke liegen. „Diese Schinderei mache ich nicht länger mit," lispelte sie erschöpft und der Schweiß brach ihr als weißer Dampf rings aus den Poren, „ich bin eine ehrbare Lokomotive, aber kein Rennpferd " Alles gute Zureden und alles Rlopfen mit großen hämmern und Schraubenschlüsseln half wichts. Da gab man ihr einen Ruheposten in der Waggonfabrik, wo nicht viel zu tun, aber um so mehr zu sehen, zu hören und zu schwatzen war. Als Madame vowidl noch Züge beförderte, hieß sie bei den Menschen /.Sturmvogel", und dieser Name stand auch auf ihrem Leib eingeätzt Aber was auf Schienen rollt, gibt einander selbst Namen, beffere, vernünftigere, als die Menschen sie aussuchen. Wenn der „Sturmvogel" sich langsam in vewegung setzte, hörte es sich an: „do - wi dl. do - wi - dl, do wi dl." und dann schneller: „do - widl, do - widl - do -widl." Daher hieß sie bei ihren verwandten und Bekannten nur „Madame vowidl". Madame vowidl stand im Lokomotiven-Schuppen unter Dampf. Neben ihr faßen ihre beiden Diener, der Führer und der Heizer, und spielten starten. Als das Telephon klingelte, sprangen sie beide auf und stellten iich an ihre Plätze. „Los, Alte, lauf!" sagte der Führer, und drehte den 185

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