Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2276426-2276451-2276462--598-2277170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
$ o n n e u n d m o n d Als Gott die Welt schuf und wollte, daß es in ihr hell und fröhlich sei, da mackte er zwei große Lichter, die Sonne und den Mond. Die sollten, wie zwei vrüder, einträchtig am Fimmel wandern und allen Geschöpfen leuchten. Der Mond aber war sehr ehrgeizig und wollte vor der Sonne etwas voraushaben. Da ging er zum lieben Gott und sagte : „Vars ich dich um etwas bitten, lieber Gott?" „Ja, bitte du nur", antwortete Gott, „und wenn es etwas vernünftiges ist, so will ich es dir gern gewähren." „Glaubst du wohl, daß es später auf der Erde einmal ein Königreich geben wird, in dem zwei Könige neben einander regieren werden, ohne sich zu zanken?" fragte der Mond. „Nein," sagte Gott, „das glaube ich nicht, denn die Könige werden herrschsüchtig sein, und jeder wird den andern verdrängen wollen." „ Aber warum sollen dann die Sonne und ich in demselben Neiche herrschen? Wir sind doch auch wie zwei Könige, beide sind wir gleich groß, gleich schön und gleich leuchtend. Ich fürchte. wir werden uns auch nicht vertragen?" „So, meinst du das", sagte der liebe Gott, „nun, dann mußt du dich von der Sonne unterscheiden." Und schwupp! — schon war der Mond zusammengeschrumpft. Da wurde er vor Schreck ganz bleich und sing furchtbar an zu weinen, denn so hatte er es nicht gemeint.' Als er sich nun gar nicht wieder trösten konnte, da erbarmte sich der liebe Gott seiner und sagte: „vu bist zwar ein ehrgeiziger Geselle und wenn ich die Sonne kleiner gemacht hätte, so wäre dir das nur recht gewesen. Aber ich will dich nicht so hart strafen. Du sollst nicht neben der Sonne hergehen müssen, sodaß alle Geschöpfe gleich sehen, -aß du kleiner und bleicher bist. Sie soll die Königin des Tages fein, und dich will ich zum Könige der Nacht machen." „ Ach Herr." antwortete der Mond traurig, „da werde ich ein armseliger König sein. Sieh, wenn die Sonne scheint, dann ist alles wach und munter und freut sich über ihr Licht, und von der kleinen Mücke, die in ihrem Strahl spielt, bis zum großen Menschen, der zu ihr aufschaut, werden alle Geschöpfe ihr gern untertan sein. Aber wenn ich nachts über den Himmel wandere, wexde ich sein wie ein Pilger in der Wüste, niemand wird Mich begleiten und niemand wird sich über mich freuen." „Nein," sagte Gott, „du sollst ein echter und rechter König werden, Lin prächtiges Heer will ich dir schaffen, ein Herrscher des Himmels sollst du werden, und meine Geschöpfe sollen dich so lieb Haben wie die Sonne." Da schuf Gott das Heer der Sterne, damit sie den Mond auf seiner Wanderung durch die Nacht begleiten und er ihr König sei. Und die Menschen, deren Augen nicht in das starke Licht der Sonne zu blicken vermögen, blicken gern zu ihm empor. Und wenn er zu Veginn eines jeden Monats seine schmale Sichel wieder am Himmel zeigt, dann sprechen die Kinder Israel die v'rachah über ihn. 178