Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 17 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
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<E i n p u r i in - G a st von kjermann Schwab Er war einmal am Purim, und Groß und Klein war lustig und guter/Ving«. Nur ln dem kleinen Hause, dem letzten der Städtchens, war er still, und der Purim schien an ihm vorbeigegangen zu sein. hier wohnt« eine arme Frau mit zwei Kindern. Leit vielen Wochen war sie krank, und wenn nicht gute Menschen zuweilen etwas Essen in das kleine Haus geschickt hätten, so wäre «r den dreien schlimm ergangen. Seit einigen Tagen aber war niemand mehr gekommen, und so hatten sie äm Purim nur trockenes vrot im Hause. Die arme Frau lag traurig aus ihrem Lette und neben ihr saßen die beiden Kinder. Sie erzählte von der Schule,' von der Purim-Geschichte, von dem bösen haman und dem guten Mordochai und von der schönen Königin Esther. „Und zur Erinnerung an die Kettung aus der Hand des bösen haman feiern wir Purim, hat der Lehrer gesagt, und essen und trinken und geben Geschenke und denken der Armen", schloß das Mädchen seine Erzählung. „warum essen wir denn heute nicht auch etwas Gutes?", fragte der kleine Junge und sah trübselig auf das Stückchen vrot in seiner Hand. Die Mütter seufzte tief: „wir sind arm sagte sie, „und die Leut« haben uns vergessen." . ,• Und sie fing an bitterlich zu weinen. Da wurden die Kinder still und traurig, und weil die Mutter weinte, weinten sie auch. — '■ , ' , ' - Der Mittag war längst vorüber, da kam ein alter Mann durch das Städtchen. Niemand kannte ihn und keiner hatte ihn je gesehen. Er trug einen langen Mantel und einen großen Stock, und sein langer, weißer vart ging bei jedem Schritte auf und nieder. . ', Er kam auf das kleine Häuschen zu und sah lange durch die Scheiben in das niedere Zimmer, wo die Mutter mit den Kindern saß. Und' er nickte und nickte. Dann klopfte er an der Türe und trat ein. „Gut' Purim", sagte er, „ich bin den ganzen Tag gewandert und habe Hunger, könnte ich vielleicht bei euch etwas bekommen?" „Gut' Purim", sagte die kranke Frau mit schwacher Stimme; die Kinder aber sprangen auf und holten den Rest des trockenen vrotes und gaben es dem frenden Manne. — , vor aber ließ sich das trockene vrot gut schmecken, und während er atz, erzählte ihm die Frau, daß sie schon lang« krank sei und wie schlecht es ihnen gehe. Der alte Mann hörte aufmerksam zu und nickte bei jedem Worte. „Sch danke euch", sagte er nach einer kleinen weile und rüstete sich zum Veitergehen. „Ich danke euch für eure Gastfreundschaft und werde es nie vergessen, daß ihr euer letztes Stückchen vrot mit mir geteilt habt. Aber auch an mich sollt ihr denken - so lange ihr lebt. Sagt mir drei wünsche, jeder einen Wunsch, und — glaubt mir, sie werden in Erfüllung gehen." Erstaunt sahen Mutter und Kinder auf den fremden Mann, war er wirklich nur ein Armer, der wandernd von Stadt zu Stadt zog? Er schien plötzlich viel größer 288