Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 9-10 (November 1920)
- Date
- 1920-11-01
- Page
- Seite 154 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Iugendleben driffxi vn Da s £ ehr gut für M ädchen i n Op lad e n Lieb e 5 r e un din! Du' verlangst von mir einen Bericht über das Leben, das ich hier führe. Ich will versuchen Dir zu schildern, wie unsere Arbeit hier beschaffen ist. Rothenberg, so heißt das Dorf bei Opladen, besteht aus einigen schmucken Häuschen, und unser Lehrgut liegt an der Landstraße, umgebeN von einem kleinen Blumengarten, aus dem unser Blumenschmuck für den Freitagabend geholt wird. Es heißt Lehrgut, weil hier eine Anzahl Mädchen unter der Leitung einer erfahrenen Gärtnerin zusammen arbeiten, um die Landwirtschaft, Gärtnerei und Hauswirtschaft zu erlernen. Ich habe mich sehr bald in die ungewöhnliche und ost schwere Arbeithineingefunden^Das Gut besteht. aus einem Wohnhaus, einer Scheune mit Stall und einer großen Fläche Ackerland und Wiese. Vas Wohnhaus ist ein einfaches Bauernhaus, weiß getüncht, mit schwarzem Fachwerk durchzogen und grünen Fensterläden. Im Erdgeschoß befinden sich die Küche, die Zimmer, der Leiterin und die gute Stube, in welcher wir Freitag abends und Samstag Zusammenkommen. Im ersten Stockwerk sind unsere Zimmer. Alle Räume sind einfach, aber geschmackvoll eingerichtet, meist mit alten Bauernmöbeln. Die Stuben haben wir selbst getüncht, viele Geräte sind von uns hergestellt worden. Dadurch wird das Wohnen viel gemütlicher. hier gibt es keine Dienstmädchen oder Bedienerinnen, alles wird von uns selbil geschafft. Zwei Mädchen haben abwechselnd Küchenwoche. Da muß man bald selbständig werden, denn zehn hungrige Mägen warten und wehe, wenn etwas verdorben ist, die Kritik, die man erfährt, ist sehr scharf. So habe ich aber recht.bald Kochen gelernt und habe gar keine Furcht mehr vor einer, großen Hauswirtschaft, wir haben fast alles selbst aufgezogen und geerntet. Und da schmeckt es doppelt so gut. - Ein zweiter Teil hat Stalldienst. Monika, unsere Kuh und Gadja, die Ziege mit ihrem Zicklein, geben viel Arbeit, wir lernen bald melken, füttern, Gras und Klee mähen. Und Monika braucht viel Futter und schreit gleich, wenn der Futtertrog leer wird. Die Hühner und Gänse müssen auch gefüttert werden, jetzt haben wir zehn Kleine Hühnchen. Großen Spaß macht mir das Buttern. Die Milch wird zuerst in einer Zentrifuge entrahmt und dann kommt der Rahm in dieButtermaschine. Wenn dieButterbald gelingt, gibt es große Freude. Die dritte Gruppe von Mädchen arbeitet auf dem Felde. Und das ist der interessanteste Teil der Arbeit.. Da wird gesät, Stecklinge gepflanzt, Unkraut gejätet und geerntet. Wir haben alle Arten Gemüse, Kartoffeln, Stangenbohnen, Erdbeeren, Mistbeete und auch Gartenblumen. Um die Arbeit zu bewältigen, muß bald in der Frühe aus. gestanden werden. Wir arbeiten von 7 bis 12 Uhr mittags und von ,/a2 bis ll27 Uhr abends. Anfangs ist man von der ungewohnten Arbeit sehr müde, aber später, wenn man es gewohnt ist, möchte man mit keinem Menschen, der in der Stadt im Bureau sitzen muß, tauschen. Vas einfache Essen schmeckt hier viel besser als bei euch der Vrflten und um meinen Schlaf könntest du mich beneiden. Wenn es zu Ende der Woche geht, find alle aufgeregt: Großes Reinemachen für den Sabbath. Es werden die Fußböden gewaschen, Fenster geputzt, alles in Grdnung 154