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Bar Kochba · 1920-11-01 · Heft 9-10 (November 1920) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 9-10 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 139 (sequence 11)
Language
German
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3 ü 6 i | ch e T i e r g e s ch i ch t e n Wie Hund und Ratze Haustiere wurden Einmal waren die großen und starken Tiere, die keinen Frieden mit dem Menschen geschlossen hatten, und die von ihm verfolgt wurden,- beieinander und sprachen über die alten Zeiten, da sie noch die Herrscher der Erde waren. Da fragte der Tiger: „Mir wissen wohl, wie er gekommen ist, daß das Rind und das Pferd, der Esel und das Schaf Gesellen des Menschen geworden sind, denn sie leben ja vom Rraut des Feldes und nicht vom frischen Fleisch, wie wir. Aber wie kommt es. daß auch der Hund und die Ratze sich in den Wohnstätten der Menschen aufhalten, obwohl sie doch unsere verwandten sind. Venn der Hund ist ein kleiner Mols und die Ratze ein kleiner Tiger." „Das kann ich dir sagen, Tiger," antwortete ihm der Bär. „Früher hielten Hund und Ratze zu uns und waren unserer Lippe treu. Da begab es sich einmal, daß die Löhne Rains und die Löhne Übels einen großen Streit hatten, und nachdem sie lange miteinander gekämpft halten, siegten schlieklich die Löhne Rains und sie nahmen den Löhnen Abels alles weg, vor allem aber ihr Vieh. Dann veranstalteten sie ein großes Liegesmahl und schlachteten viele Rinder und Lchafe. Sic waren aber Leckermäuler und aßen nur das Veste, die Eingeweide jedoch warfen sie auf große Haufen. Als nun Hund und Ratze den Geruch des frischen Fleisches witterten, schlichen sie herbei und begannen von den Eingeweiden zu fressen. Die Menschen merkten es aber und warfen mit Steinen nach ihnen. Da klagten sie: „warum verjagt ihr uns von dem, was ihr selbst nicht essen mögt.'' Gönnt es uns doch!" „Nichts da," riefen die Menschen und lachten, „wer von uns ernährt fein will, der muß uns auch zu etwas nütze sein. Wollt ihr uns dienen, so soll es uns recht fein." Der Hund und die Ratze wollten erst nicht, denn sie waren bisher sehr stolz gewesen, freie Tiere zu sein und nun sollten sie Diener der Menschen werden. Aber der Geruch des frischen Fleisches stieg ihnen doch gar zu verführerisch in die Rase, und so schlossen sie einen Pakt, daß sie ihnen dienen wollten, die Menschen aber sollten ihnen das geben, was sie selbst nicht essen mögen - Und von diesem Tage an waren Hund und Ratze Haustiere. Im Geheimen schämen sie sich aber vor einander, und das ist der Grund, warum sie miteinander in Feindschaft leben. Denn wenn ein Hund einer Ratze begegnet, dann sagt er zu ihr: „Deine Ahnfrau hat meinen Ahnherrn verführt, ein Rnecht zu werden!" Und die Ratze antwortet: Nein, Dein Vorfahr war es, der verschuldet hat, daß ich jetzt Mäuse fangen muß". Das 139

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