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Bar Kochba · 1920-11-01 · Heft 9-10 (November 1920) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 9-10 (November 1920)
Date
1920-11-01
Page
Seite 138 (sequence 10)
Language
German
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von denen jeder mit allen andern stritt. Aber zu dem Tischchen trat eine freundliche Dame und sagte still: „Vas mochte ich gerne zum Andenken an die Tante haben." Und sie bekam es auch. Und das Tischchen machte eine ganz weite Reife, erst zu Schiff, immer stromauf, und dann viele Wochen mit der Eisenbahn bis es endlich in einem gemütlichen Zimmer landete. „Lehr vornehm scheint es ja hier nicht zu sein," meinte das Tischchen, „denn diese Leute wohnen nicht einmal in einem Haus allein. Aber dafür sehen sie recht freundlich aus." Nun bekam das Tischchen wieder einen Fensterplatz, vor dem Lehnstuhl, und man schmückte es mit einem weißen veckchen und setzte ein Nörbchen darauf, aus dem die junge Frau ganz winzige Wäschestückchen hervorholte, an denen sie dann mit glücklichem Gesicht stichelte. Eines Abends aber gab es auch in diesem Zimmer gedämpftes Hin unb ffer* und wieder wurden Schüsseln und Tücher gebracht. Und das Tischchen hatte schon große Angst: „Es wird doch der jungen Frau nichts passieren?" Aber es passierte ihr nichts, und es wurde auch nicht still im Zimmer. )m Gegenteil, gegen Morgen hörte man ein quäkendes Stimmchen, und die Frau mit der weißen fjaube schlug die Hände zusammen lind rief: „Ach, ein Mädchen!" — Und nun begann eine schöne Zeit für das Tischchen. Es trug Vlumen und Geschenke, kleine Häubchen und Zchuhchen, und niedliche, silberne Zachen. — Als es aber Sommer geworden war, rückte man das Tischchen in die Sonne, und dann kam ein großes Nissen darauf, und dann, ja dann brachte man ein rosiges, strampelndes Etwas an, das fröhlich auf dem Nissen zappelte. Alle lachten, und das Tischchen lachte mit; es war aber auch zu niedlich! Und als ein Jahr herum war, und draußen die weißen Flocken wieder tanzten, da sagte die junge Frau eines Nachmittags : „Heute ist Thannukah u n d Nindchens Geburtstag; das müssen wir doch besonders feiern!" --- Nun kam das Tischchen ins große Eßzimmer, wo es fein nach Äpfeln und Nüssen roch, und man stellte einen silbernen Leuchter mit acht Nerzen auf seine Platte hin. Am Abend aber wurden die Nerzen angezündet, und dem Tischchen wurde ganz feierlich zu Mute. Und dann erklang eine schöne Hymne, die mit „moaus zur" anfing, und von allen mitgesungen wurde. Und wenn das Tischchen auch nicht viel davon verstand, so war es doch klar, daß die 'Menschen hier stolz und froh ausfahen bei diesem Sang. Daß es keine „schlimme Sorte Menschen" waren, das wußte das Tischchen ja nun bereits. Aber heute war es selber stolz, in ihrer Mitte zu sein. — Und so stand das Tischchen, und spiegelte auf seiner Fläche die Nerzenflammen und das glückstrahlende Gesicht des kleinen Mädchens, das vom Arm seiner Mutter her den Lichtern zujauchzte. Und es freute sich sehr: denn das hier war doch sein allerschönstes Erlebnis! — 138

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