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Bar Kochba · 1920-10-01 · Heft 8 (Oktober 1920) · p. Seite 127

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 8 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 127 (sequence 11)
Language
German
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Jugendleben OHIJOT TI Das „Schulschiff". wer von Luch einmal einen alten Flotten Kalender" besessen hat. wird sich er« inner», schon einmal etwas über ein „Schulschiff" gelesen und sogar eine Abbildung davon gesehen zu haben. Sie zeigte einen Dreimaster, auf dessen Strickleitern und Naaen eine Menge kleiner Schiffsjungen standen und die Mütze schwenkten. In dem beschreibendem Aufsatz stand dann zu lesen, daß auf einem solchen „Schulschiff" Matrosen für die Handels» und Kriegsmarine ausgebildet werden und daß bei ihrer Lr- Ziehung das „Tauende" eine, bedeutende Nolle spielt. In Wirklichkeit sind die kleinen Jungens auf diesen Schulschiffen oft sehr roh und grausam behandelt worden. Nun aber soll es ganz andere Schulschiffe geben. Die Stadt Vradford in England will als erste den versuch machen, einen großen Ozeandampfer als Schule auszurüsten; und mit mehreren hundert Kindern als Passagiere auf die Reife zu schicken. Monatelang, vielleicht während eines ganzen Jahres soll dieses „Schulschiff" unterwegs sein, nach fremden Ländern fahren, überallhin waren Mitbringen und von überallher solche Mitnehmen und möglichst viele Häfen anlaufen. Ihr Jungens und Mädels, ist das nicht ein herrlicher Gedanke? Denkt Tuch: eines schönen Tages bringt man Euch nach Hamburg oder Vremen auf einen großen Dampfer. Es ist Frühling und wird bald Sommer fein. Auf den verschiedenen Decks, wo fönst die vornehmen Fahrgäste spazierengehen oder in Liegestühlen faulenzen, sind im Freien die Schulbänke aufgestellt. In den sauberen weißen Kabinen wohnt Ihr. Es gibt Turngeräte, ein Schwimmbad und außerdem alles, war Ihr in der Schul« habt. Und nun geht die Reife los. Ihr sitzt auf dem Deck und habt grade Erdkunde. Der Lehrer spricht davon,' wie die Flüsse ins Meer münden. Aber er braucht es Euch nicht auf der Landkarte zu zeigen: Ihr erlebt es ja selbst! Ihr beobachtet, wie der Strom breiter und immer breiter wird, wie das Wasser sich dunkler färbt, Ihr achtet auf dir Losen und Lichter, die dem Schiff die Fahrstraße weisen, Ihr seht Klippen und Leuchttürme, die vor ihnen warnen. Ihr beobachtet, wie eine , Insel, eine Halbinsel, eine Landenge aussieht, Ihr vergleicht Flachküste und Steilküste. Der Lehrer braucht Euch all das nicht zu erzählen, kaum zu erklären, und auswendig lernen braucht Ihr nichts von alledem, denn was man Schönes erlebt, das vergißt man nicht wieder. Und was lernt man nicht alles auf solch einem Schiffe kennen I Ihr Klettert zum Kapitän auf die Kommandobrücke und er erklärt Euch den großen Schisfskompaß, ohne den sich das Schiff auf dem Meere verirren würde. Ihr steigt hinunter in den Maschinenraum, beobachtet, wie unermüdlich die blitzblanken, unendlich großen und schweren Kolben hin- und Herschwingen und bekommt Uespekf vor der Arbeit der ruffigen Männer, die stundenlang in der Hitze der riesigen Kesselfeuer ihr schweres Werk verrichten. Die Mädchen gehen in die Schiffsküche und lassen sich sagen, wie man für so viele Menschen auf einmal kocht, wie man die Vorräte aufbewahrt und frischhält. Und nun kommen wir allmählich in fremde Länder! Unbekannte Landschaften tauchen, auf, fremde Häfen und Städte,

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