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Bar Kochba · 1920-10-01 · Heft 8 (Oktober 1920) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 8 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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wenn am Ende der buh. und tränenreichen Tages der l orbeter liebenmal feierlich die Worte sprach! „Der Ewige allein ist Gott!", dann wurden die Kerzen plötzlich schneeweih. wie zu Zeiten her Hohenpriester der rote Faden weih wurde, wenn dar Räucherwerk im AUerheiligslen auswallte. Niemand wußte zu sagen, ob das ein Kunstgeheimnis der Lichtsieders sei oder ein Zeichen, das der darob getrösteten und fröhlichen Gemeinde geworden war. Nber war es nicht ebenso wunderbar, daß des Lichtsieders Thanukkakerze» es dem Wunder, das einst den Makkabäern begegnete, gleichtaten, und volle acht Tage hindurch brannten und nicht eine Stunde langer als das Fest währte, mochten sie nun am ersten Tage entzündet worden sein oder am letzten lebend? - Und wo in aller Welt hatte man so sonderbare hawdolohkerzen, die sich weder durch Wasser »och durch des Mundes hauch auslöschen liehen, sondern nur durch ein Tröpfchen des Weines, über den der Segensspruch gesprochen war? -klm seltsamsten und herrlichsten aber waren seine Schabboslichter. Vas ' elhaus der Gemeinde, in der er lebte, hatte hun« dert Leuchter, und aus jedem Leuchter brannten je füllt Kerzen, und der Meister lieh es sich nicht nehmen, unter denjenigen zu >ein, auf die man vor der Thora den Segen Gottes herabfleht, weil sie „Vethäuser e,richteten, oder in diese eintraten zu frommer Andacht, oder Licht spendeien zu ihrer, veleuchtung und wein zu Kiddusch und hawdoloh". Fünfhundert untadelige Kerzen brannten an jedem Freitagabend in der Zqnagoge jener Stadt, und es war ein selijames Wesen in ihnen. So lange nämlich der Sabbat noch nicht gekommen war, brannten sie trübe und glanzlos, und der grohe Kaum schien trotz der vielen Kerzen wie in die grauen Schatten des Alltags gekleidet zu sein. Sobald aber der vordeter das L'chodaudi zu singen begann, wuchsen die Kerzenslammen immer höher emoor. und immer Heller, glänzender¬ und feierlicher wurde e». wenn dann die ganze Gemeinde sich der Pforte zuwandte und den Schabbos mit den Worten de» grüßte: „So zieh denn ein in Frieden, du, Schmuck deines Herrn, Zieh ein in Freude und Jubel in die Mitte der Getreuen Seines erwählten Volkes", dann flammten die Kerzen plötzlich hell auf und neigten ihre strahlenden Häupter dem Eingang zu, und den Detern war es, als halte nun sichtbarlich allem vollck der Sckabbos feinen Einzug in die Welt. war so die Stunde des Gebetes für den Lichtsieder eine Stunde der Freude, wie sie der Künstler über sein wohlgelungenes Werk empfindet, so wartete seiner jedesmal, wenn alles später dem festlich geschmückten heim entgegeneilte, der Augenblick tiefster Demütigung und Scham, während noch Helle Knabenstimmen und die gewichtigen Bässe der Männer das Adaun aulom sangen, in das hinter den dichten Gittern der Empore die Frauen mit ihren weichen Stimmen jubilierend einfielen, verständigten sich die Hausväter schon mit schnellen Blicken und leise geflüsterten Worten über den Aurech, den Schabbosgast, den jeder von ihnen mit an seinen Tisch nehmen wollte. Venn in jenen Zeiten war der Trieb in die Ferne noch Mächtig in Israel, und groß war die Zahl derer, die kein anderes Leben kannten, als das des ewigen wan- ' derers, der Tag für Tag seine Füße unter einen anderen Tisch setzt und für .Speise und Tränk, Obdach und Wegzehrung nicht anders lohnt und dankt, afs mit der heißbegehrten Kunde, die er den weit verstreuten Gemeinden Israels voneinander brachte. Da gab es uralte Männer mit großen, tiefliegenden Augen in einem Antlitz voller Narben und Rbnzeln, die mit ihren Fußen alle Straßen Europas gemessen hatten, die zu erzählen wußten von den Gräbern auf dem „guten Grt" zu Prag, auf dem der hohe Rabbi töw unler einem Rosenbusch begraben liegt, von

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