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Bar Kochba · 1920-10-01 · Heft 7 (Oktober 1920) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 7 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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verschwanden. Mit schnellen Schritten ging der Alte durch die Straßen, warf manch, mal den vorübergehenden einen scheuen vlick zu oder schmiegte sich dicht an eine Häuserwand. „Dnkel Abraham," fragte der kleine Knabe, „müssen wir noch weit gehen?" Gleich sind wir am Hafen, Ephraim," entgegnete der Angeredete „Und in unser liebes Dorf kommen wir nun nie wieder zurück?" „Nein, niemals, aber dafür gehen wir morgen auf ein großes, schönes Schiff,' das uns zu den Eltern trägt." „3u den Eltern," wiederholte der Knabe sinnend, als versuchte er, sich ihrer zu entsinnen. " Endlich betrat der. alte Mann mit den Kindern ein Haus nahe am Strande und fragte nach dem Kapitän Rodrigue. Bald darauf trat dieser, ein junger, wettergebräunter Mann ein und fragte den Fremden nach seinem Begehr. Vieser stand einen Augenblick unbeweglich und blickte dem andern ins Gesicht.- dann zog er plötzlich dem Knaben an seiner Seite die Kapuze vom Gesicht und fragte: „Sähet ihr jemals ein ähnliches Gesicht?" Der Kapitän betrachtete den Knaben aufmerksam und rief plötzlich: „Wenn es nicht unmöglich wäre, so würde ich glauben, dies sei Ephraim, der Sohn des jüdischen Arztes Nathan, der mich einst von schwerer Krankheit geheilt hat." „Er ist eS," sprach der Alte, „und dies >>t Noemi, seine Tochter." „Wie?" rief der Kapitän erstaunt, „so Und sie damals nicht entflohen?" „Ich habe sie verborgen gehalten, bis >>e alt genug sein würden, die Mühen der Seefahrt zu überstehen," sprach der alte Diener, und dann trat er nahe an den anderen heran und sagte: „Wißt ihr, was br meinem Herrn versprächet, als er euch dank seiner Mühe - dem Leben zurückmb? Ihm beizustehen, sobald er oder einer der Seinen in Not wäre. Nun bin ich hier, euch an dieses versprechen zu gemahnen, verbergt uns auf eurem Schiffe, Herr, das morgen nach Neapel segelt — und mein Herr wird euch reichlich lohnen." Der Kapitän zog gedankenvoll die Stirn in Falten, aber endlich versprach er doch, sich der Flüchtlinge, anzunehmen. - Schon, manchen Tag war das Schiit gesegelt, und Wind und Wetter hatten es verschont, schon war man der italienischen. Küste nicht mehr fern. Er waren nicht viele Passagiere an vord. nur einige Handelsleute,, zwei italienische Krämer mit ihren Familien und ein junger, französischer Priester, der halbe Tage und Nächte lang auf den Knien lag und wie in Verzückung Gebete Murmelte.' von Zeit zu 3eit war es den Passagieren auch, als hörten sie aus einer stets verschlossenen Kajüte, die äußer dem Kapitän und einem alten holländischen Matrosen, dessen Sprache niemand verstand, nie jemand betreten durste, leise Geräusche, Schritte oder Kinderstimmen - aber keiner wagte den Herrn des Schiffes nach diesem Geheimnis zu fragen. Eines Abends zögen schwere Wolke» am Himmel herauf, es begann in den Lüften zu heulen und zu brausen, die Mannschaft lief erregt umher, und selbst der erprobte Steuermann sah ernst zum Himmel , auf. In der Nacht brach das Ungewitter los: das Schiff wurde von den Wellen «mporge^issen und wieder in die Tiefe geschleudert wie ein Spielball. Die Taue rissen, der Mast zerschellte, und die ratlose Mannschaft kämpfte vergebens gegen den wilden Sturm. Als der Morgen dämmerte, .sah die vesatzung des halb zerschlagenen Schiffer eine grque Masse in der Ferne — «in Felsenrifs, aus welches das Schiff unaufhaltsam lossteuerte. Die Menschen, ihrer Sinne kaum nöch mächtig, begannen zu schreien und warfen sich wehklagend auf den voden nieder, und der junge Mönch stand da und ries: 105

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