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Bar Kochba · 1920-10-01 · Heft 7 (Oktober 1920) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 7 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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Der 3 u ö e n f c I s i m Eit t e I m e e r - €trtt Sägt, bearbeitet von kj e 1 muth priejter 3m Tyrrhenischen Meer, nicht weit von der italienischen Küfte, ragt ein Felsenriff aus den Fluten: ' Dem nahenden Schiffe erscheint es zuerst wie ein grauer Nebelstreifen, aber der Nebel wird fester, und fester und verdichtet sich endlich zu einer schroffen Felsenwand. Sorglich umsteuert der Lotse die drohenden Klippen, und die Matrosen sehen sich scheu an und flüstern : »der Iudenfels!" Dann ist es, als streckten sich gespenstige Arme nach dem Schiffe aus und als erklängen Geisterstimmen durch die Wogenbrandung und flüsterten von fernen Zeiten, von düsteren, wilden Geschehnissen. ' Frau Sage hat ihr graues Gespinst um den Iudenfels gewoben. (Es war um das Jahr 1300 und Philipp der Schöne herrschte über Frankreich. .3m Hause des jungen Arztes Nathan zu Marseille war der Tisch schon festlich gedeckt, das feinste weiße Linnen war über die Tafel gebreitet, und die schweren Sabbathleuchter harrten nur noch der Hand, die sie entzünden sollte^ Frau! Miriam, die schöne junge Hausfrau, stand am Fenster und spähte in den sinkenden Tag hinaus - ihr Gatte pflegte am Freitagabend um diese Zeit längst zurück zu sein, „wo er nur bleibt. Abraham," : sagte sie beunruhigt und drehte sich nach dem alten Diener mit dem eisgrauen Part um. der fast unhörbar auf den dicken Teppichen einherging und die letzte Hand an die Ausschmückung des Zimmers legte. Abraham hatte schon dem Vater und Großvater des Arztes treu gedient, er hatte ihn selbst auf den linieen geschaukelt, wie er nun Ephraim und Noemi, seines Herrn liebliche Kinder schaukelte und umhertrug, und eine innige Zuneigung verband Herrn und Diener. „Wo er nur bleibt," fagte»Frau Miriam wieder, „man lebt wie ein gehetztes Wild in dieser schrecklichen Zeit. Jeden Tag hört man von neuen Gewalttaten. Plünderung, Mord und Landesverweisung sind an der Tagesordnung,, und jeder neue Morgen ist . für uns Juden eine neue Sorge. Auch um Nathan hange ich er hat viele Feinde/ denn man neidet ihm Nuhm und vermögen, und in dieser Zeit genügt die Verleumdung irgendeines Uebelwollenden, um einen Juden ins Unglück zu stürzen," Sie Hatte Kaum geendet, da wurde die Tür hastig aufgerissen. und ein noch junger Mann von schöner Gestalt und edlen Gesichtszügen eilte ins Zimmer. „Nathan!" rief Miriam, und dann schrie sie auf, als sie sein verwildertes haar und sein bleiches Gesicht mit den aufgeregt flackernden Augen bemerkte. Er stand mitten im Zimmer und rang nach Luft. Dann ermannte er sich, legte sanft den Arm um sein junges Weib und sagte: j,Miriam, sei standhaft, wir werden Schweres zu tragen haben." „Was ist geschehen?" rief sie zitternd. „Wir müssen fliehen," sagte er leise und aufgeregt, „noch heute Nacht müssen wir von Hause fort und uns verbergen. Morgen früh geht ein Schiff nach Neapel, dem müssen wir uns anvertrauen. Frage jetzt nicht, wie alles gekommen ist. Ein hoher Würdenträger der Kirche, den ich behandelte, ist unter den deutlichen An- Zeichen einer Vergiftung gestorben, und man wird das zum Vorwand benutzen, um mich zu verderben, indem man mir die Schuld beimißt - Nein, nein, frage jetzt nicht, wer es mir verraten hat - ", unterbrach er ungeduldig seines Weibes Frage, „mache dich aus der Stelle fertig, und auch ich will sehen, was von unserem vesitz ich in der Eile zusammenraffen kann." „Und die Kinder?" schrie Miriam auf und umklammerte den Arm ihrer Gatten. 103

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