Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- Heft 6 (September 1920)
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der <E f f r o g vom heiligen Lande von 3 ose f Pa 1 a i Der Nimanower Zaddik ging in seinem Zimmer ungeduldig auf und ab. von Zeit zu Zeit zum Fenster hinausblickend wie jemand, der einen großen Gast erwartet. „Schau' mgl, mein Sohn, ob Eheskele noch nicht kommt?" fügte er. sich an einen seiner jungen Gläubigen wendend. Der junge Mann nahm den Auftrag als große Auszeichnung hin und stürzte schnell hinaus, kehrte aber schon nach einigen Minuten, zurück/ „Er ist noch nicht zu sehen; soll ich ihm entgegen gehen?" Der Zaddik nickte' bejahend. Lr setzte sich auf einige Augenblicke, dann sprang er wieder auf und eilte zum Fenster. „wo mag dieser Eheskele so lange bleiben? wo mag er bleiben?" „Soll ich Nachsehen, ob sie schon kommen?" fragte zaghaft Reb Scholem, der Toraschreiber. Der Zaddik nickte mit dem Kopf und blickte wieder zum Fenster hinaus. „Der Eheskele, Eheskele. warum säumt er so lange? Ich verstehe es nicht, ich verstehe es nicht!" Beb Ehajeml, der zweite Schammes, machte sich erbötig, dem Eheskele entgegen zu gehen. 3m Laufe einer Viertelstunde waren schon etwa zehn Menschen dem Eheskele entgegengeeilt; Der Zaddik aber lief mit stets wachsender Ungeduld von der Türe zum Fenster, vom Fenster zur Türe, immer wiederholend: „wo mag er doch bleiben? wo mag er bleiben?" Da auf einmal, als der Zaddik wieder das Fenster erreichte, blieb er plötzlich stehen und seine Bugen leuchteten in wunderbarem Glanze auf. Die Gläubigen drängten sich zum Fenster und sahen, daß sich von der Straße her eine große Menge näherte. Nach wenigen Minuten trat Eheskele in großer Begleitung in die Stube. Der Zaddik stürzte ihm entgegen, noch an der Türe riß er ihm das kleine Päckchen aus der Hand, welches auf stürmischem Meere und über einen weiten weg auf trockenem Lande bis zur Nimanower Post gelangt war. Schnell erbrach der ZaddiK die dünne Decke der länglichen Kiste und legte ihren kostbaren Inhalt der Reihe nach aus den Tisch. Zuerst wickelte er einen schönen grünen palmzweig heraus, dann einige duftende Myrten und endlich den in eine eigene Schachtel gepackten zitronenförmigen Essrog. Er legte dies alles nebeneinander auf den Tisch und betrachtete es lange mit Bndacht und Ergriffenheit. 82