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Bar Kochba · 1920-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
2 (1920-1921)
Issue
Heft 1
Date
1920-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Menschen geknechtet und verachtet würden, und man sie im Ghetto vom Verkehr mit der Außenwelt gewaltsam abschloß, und während nach diesem Muster in allen christlichen Ländern und Städten von Amsterdam bis Venedig verfahren wurde, durften sich die Saloniker Juden als Herren der Stadt fühlen, und wenn es dort ein Ghetto gab, so war es nicht ein jüdisches, sondern die nichtjüdische Bevölkerung der Stadt,wohnt bis auf den heutigen Tag in eigenen vierteln. Saloniki kennt,.wie wir schon geschildert haben, ein Griechen- und ein Serbenoiertel, ein bulgarisches, türkisches und ein europäisches Duartier, aber ein jüdisches viertel, ein Ghetto gab und gibt es bis auf den heutigen Tag in Saloniki nicht. Soloniki ift eine jüdische Stadt. Der unmittelbar vor dem Kriege mit offenen Augen durch die Straßen von Saloniki schritt, der lernte ein gutes Stück, jüdischer Geschichte verstehen. Tr lernte vor allen Dingen begreifen, welch furchtbare Wirkung das Ghetto auf die Juden gehabt hat. Der nur einen Tag lang unter diesen besonders schönen, stolzen und kräftigen Menschen umhergegangen ist, wer beobachtet hat. wie hier der gesunde Mensch die Regel, der unentwickelte, verkümmerte die Ausnahme ist, der erinnert sich mit zorniger Scham an die Entartung der nordeuropäischen Juden und an die körperliche Verkümmerung in denostjüdischen Großstädten. 'Ein christlicher Schriftsteller hat einmal das Wort geprägt: daß, wenn er Jude wäre, er sich in Saloniki niederlassen würde, um den Stolz auf sein Volk und die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft sich neu zu erwerben und zu erhalten. Und so gesund wie der einzelne Mensch, ist die Stadt insgesamt. Denn wir die Juden in den europäische» Großstädten auf ihre Berufe hin ansehen, so finden wir, daß der allergrößte Teil im Handel beschäftigt ist, als selbständige Raufleute oder als Handlungsgehilfen, von den übrigen wählen die meisten die sogenannten freien Berufe, das sind solche,, in denen der Mensch nichts braucht, als seine Kenntnisse, weder Rohstoffe, wie der Handwerker, noch Kapital, wie der Kaufmann. Aerzte, Rechtsanwälte, Journalisten gibt es unter den europäischen Juden viel häufiger, als unter den andern Völkern. Dagegen findet man nur sehr selten Huden in Berufen, die viel körperliche Kraft und Geschick erfordern. Es gibt Nur verhältnismäßig selten in'Westeuropa jüdische Bauern auf dem Lande und jüdische Industriearbeitet in der Stadt. Das hat schon oft den Anlaß dazu gegegeben, um gegen die Juden verleumdüngen aller Art zu erheben, daß es ihre Absicht sei, andere für sich arbeiten zu lassen und diese dann um ihren wohlerworbenen Gewinn zu betrügen usw. Schlimmer als diese Verleumdungen aber ist es, daß diese Einseitigkeit im verussleben den Juden selbst schweren Nachteil bringt. Denn gerade in der körperlichen Arbeit liegt das Geheim-/ Gemeinschaft, in der diese Arbeit, ob nun als Landwirt oder Handwerker oder selbst Industriearbeiter, nicht die Grundlage abgibt, muß schwächlich und Widerstandsunfähig werden. Daß die Juden ein gesundes, arbeitsfreudiges und kräftiges Volk lind wie jedes andere, kann man' nirgends in der Welt deutlicher erkennen wie in den junge» jüdischen Kolonien Palästinas und in - Saloniki. hier haben sich die Juden seit Jahrhunderten frei und ungehindert entwickeln können, hier sperrte man sie in kein Ghetto, verwehrte er ihnen nicht, Boden zu erwerben und Handwerk zu treiben, und darum hat sich diese jüdische Stadl so entwickelt wie irgendeine, und alles, was wir bei den Juden Westeuropas schmerzlich vermissen, finden wir hier durchaus. Gewiß gibt es in Saloniki auch jüdische Raufleute, ja, ihre Namen waren zu manchen

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