Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 24
- Date
- 1921-06-01
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2276426-2276427-2276450--398-2276942- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
New Silverham, den 3. Juli Geehrter Herr! Ich las Ihre Annonce in einer Zeitung und kann Ihnen mittelstn, daß nach allem, was Sie darin schreiben, Moser Pipenbrink mein Neffe ist. Ich bin vor zwanzig Jahren aus Rußland nach Nmerika eingewandert und habe hier eine große Farm mit vielem Vieh! Vor einigen Jahren teilte man mir mit, daß in einem Pogrom meine Schwester und ihr Mann umgekommen seien, und daß ihr Rind, ein ganz kleiner Junge, . nun allein auf der Welt sei und von der Gemeinde in pflege gegeben worden ist. Ich schrieb der Gemeinde sofort, daß man mir bar Kinb schicken solle und bekam die RnU wort, daß man den Knaben einem zuverlässigen Manne mitgeben würde. Seitdem habe ich nie wieder etwas davon gehört, über was Sie initteilen, stimmt mit der Zeit und den Umständen so sehr überein, daß ich bestimmt sagen Kann, daß Moser mein Neffe ist. Nun danke ich Ihnen gnd allen guten Menschen, die sich seiner angenommen haben, herzlich für Ihre Güte und bitte Sie, Moses sobald als möglich zu mir zu schicken. Ich hole ihn in New York am Hafen ab. Schicken Sie ihn mit dem vampfer Washington, dessen Kapitän mein Freund ist. Ihr Haftalt} Greenbery. V- Farmer. Je weiter Herr Silbermann las, desto erschrockener war Frau Trina. als er geendigt hatte, stürzten ihr die Tränen aus den Augen. „He is min Jung," murmelte sie einmal über das andere, „he schall min Jung bliewen." Herr Silbermann nickte ernst: „Ja Mütter Trina," sagte er, „es ist schwer, ein Rind wieder herzugeben, auch wenns nicht das Eigene ist. Ruch ich behielt den Maser lieber hier, aber sein Gnkel hat natürlich Recht. Und ein braver Mann scheint er ja zu sein, sonst hätte er sich ja nicht gemeldet. Auch wird es Moses dort viel besser haben, als wir es ihm später bieten können." Frau Trina nickte, dann sank ihr Ropf schwer auf die Tischplatte und sie schluchzte, Herr Silbermänn ging auf den Zehenspitzen hinaus und zog die Tür leise hinter sich zu. - - - Vierzehn Tage später lichtete der Dampfer Washington vor Cuxhaven die Anker. Auf der Rommandobrücke stand der Rapitän. An seiner Seite ein kleiner Junge, der sich die Augen ausschaute nach dem kleinen vampfer „Rehrwieder", der wie eine Nußschale äussah und auf dem ein paar weiße Tüchlein den Abschiedsgruß winkten. Der kleine Junge war Moses Pipenbrink und die Tücher wurden von seinen Freunden geschwenkt, die er nun verlassen sollte. Und mit ihnen nehmen auch wir von Moser Pipenbrink Abschied. Möge er in seiner neuen Heimat ein ganzer Rerl und stolzer Jude werden. 'u' - - Ende. - - . 373