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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 22 · p. Seite 345

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22
Date
1921-06-01
Page
Seite 345 (sequence 9)
Language
German
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einer kulturell tiefstehenden Bevölkerung, die keine geistige Beschäftigung und 3erstreuung Kennt und im Gegensatz zu dem stets schaffenden Landbewohner Europas über Zeit in hüll« und Füll« verfügt, die rohesten Triebe wach werden müssen die sich darin äußern. daß die schwache Minderheit gepeinigt und als Paria behandelt wird. So sehen wir auch eine Reihe von lächerlichen und beleidigenden Verfügungen, besonders auf dem Gebiete der Bekleidung und des verkehrsj die darin ihre Erklärung haben. In der Tat ist heute noch die Lage so, wie sie vor 48 Zähren Jakob Sapir angetroffen hat, weshalb er hier etwas ausführlicher zu Worte kommen mag: Die Juden, die im lfemen viele Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende wohnen, befinden sich jetzt aus einer niedrigen Stufe und werden von einem Volke, dys sich -als heilig upd erzfromm erklärt, aber sehr roh, barbarisch und harten Herzens ist, unterdrückt. Sie wohnen daher außerhalb der Städte in finsteren Wohnungen wie im Gefängnis oder wie in einer höhle, aus Furcht vor Mördern und Raubgesindel, wer etwas Geld oder irgendwelche Wertsachen besitzt, der versteckt es in der Erde oder in heimliche Löcher, die sie in ihren Häuschen haben, damit keiner es sehe. Begegnet ein Jude einem Muslim beliebigen Ranges, so ist er verpflichtet, ihm den Gruß zu entbieten und ihn als Herrn anzusprechen. Tut er das nicht, jo wird er ohne Erbarmen geschlagen- Es ist einem Juden nicht gestattet, auf einem Esel, geschweige auf einem Ramel, zu reiten swagen gibt es in pemen nicht), Die Juden müssen wie die Sklaven zu Fuß gehen, wenn sie auch große Reisen vor sich haben. Ruch die reichen Juden müssen ärmlich aussehen, damit sie nicht den Neid erregen und ausgeplündert werden. Sie müssen sich also stets arm, untertänig und sklavisch stellen." Die erst« größere Einwanderung qemenitischer Juden in Palästina geschah im Jahre 1882. Sieben Monate dauerte die Reise, da man große Umwege machen mußte. Rls der Trupp in Jerusalem anlangte, war man zuerst ganz ratlos. Monatelang muhten die pemeniten im Freien übernachten, und es verging eine geraume Seit, bis sie sich den neuen verhältni en anpaßten. Aber durch ihren Arbeitseifer sowie durch ihre Rnspruchslofigkeit zeigten, sie, daß Juden in Jerusalem auch ohne die Unterstützung der Thaluka*) leben können. Namentlich im vauhandwerk haben sie sich bald zurecht gefunden, vier veranlaßte die Rlliance Israelite Universelle, ihnen durch die. Er- Hauung eines eigenen Viertels zu Hilfe zu kommen. Die Häuschen bestanden aus einem Zimmer und einer Rüche, samt einem umzäunten Hofraum. Vas viertel erhielt drei Zisternen. Indessen nahm die Einwanderung nach Jerusalem - und in der Folge auch nach Jaffa - ihren Fortgang- Es entstanden allmählich größere genienitische Gemeinden in Jerusalem und in Jaffa. In Jerusalem kam ihnen besonders die Gründung der bekannten Runstgewerbeschule „Bezalel' zustatten, in der sie als tüchtige Arbeiter tätig find. Erhebend ist es. zu sehen, wie die qemenitischen Graubärte in den Abendkursen nach getaner Tagesarbeit das Zeichnen erlernen. Ja, es ist bereits gelungen, eine von Jemeniten bewohnte vezalelkolonie mit einem eigenen Filigranatelier in BeN-Schemen bei Jaffa zu gründen. Ruch für den städtischen hemeniten bildet es den sehnlichsten Wunsch, ein eigenes, wenn auch äußerst bescheidenes heim zu haben. Da nun die Häuschen der Alliance, die überdies nur in Jerusalem gebaut wurden, bei weitem nicht ausreichten und die meisten pemeniten nicht genügende •) Fromme Spenden, di« au» Europa nach Lrez Israel gesandt werden. 345

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