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Bar Kochba · 1921-06-01 · Heft 22 · p. Seite 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22
Date
1921-06-01
Page
Seite 339 (sequence 3)
Language
German
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tut, die ersten Schritte auf einem Wege in ein starkes und gesunde» Leben sein mögen. Und nun denket, daß es lausende und abertausende arm« Kinder gibt, die schon vom Säuglingsalter an, Not und Entbehrung leiden müssen, deren Knochen keine Kraft haben und deren Veinchen sie nicht tragen können. Wir haben Kinder gesehen und wir sehen sie täglich, die noch in einem Alter, in dem Ihr schon fast zur Schule geht, auf den Boden kriechen und nicht laufen können. Tausendfältig ist das Leid des Körpers und der Seele, das die Kinder unserer. Zeit getroffen hat, tausendfältig sind die Krankheiten, an denen sie leiden. Der Körper, von der Not geschwächt, ist nicht im Stande, sie'abzuwehren. Diese Krankheiten und ihre Folgen verlassen sie nicht mehr ihr Leben lang,- aus kranken Kindern werden kranke Menschen, die mühsesig und schmerzbeladen ihr Leben langsam hinsristen bis zum frühen Tod. . Liebe Kinder, Euer Leben haben gütige Eltern vor Trauer und Leih geschützt, sowie sie es nur vermochten. Aber es ist doch notwendig, datz Ihr Eure Augen nicht vor dem großen Leide verschließt, düs durch die Welt geht. Ihr sollt es sehen und kennen lernen! Ihr sollt Euch dessen bewußt werden, daß es unter Eur en kleinen Kameraden so namenloses Elend gibt und Ihr sollt wissen: es ist die Psicht eines Glücklicheren, dem schwer Getroffenen beizustehen. Keines von Euch ist zu jung, um nicht helfen zu können. Dankbar mützt Ihr dem Schicksal sein, daß Euch davor bewahrt hat, wie viele tausende der Flüchilingskinder von Haus und Hof vertrieben, durch den grausamen Tod der Eltern und Beschützer beraubt zu werden, in die Fremde ziehen zu müssen. Und diese Dankesschuld sollt Ihr dadurch abtragen, daß Ihr alle mithelfet den Unglücklichen das Leben zu erleichtern und es ihnen wieder schön und froh zu machen. Zweierlei wollen wir tun: Wir wollen Heime errichten für kranke Kinder, in denen sie pflege und Wartung haben, die ihnen in ihrer Armut versagt bleiben mutz. Und wir wollen die gesunden, aber.guch schwachen und traurigen als Gastkinder in glückliche Familien entsenden, damit sie sich Kraft und Gesundheit und unter Kindern wieder frohes Lachen holen. Dabei, Ihr Kinder, sollt Ihr uns alle helfen, Ihr sollt uns Gaben bringen, wenn Eure Eltern Euch etwas schenken, wenn zu Fest- und Geburtstagstagen die Tanten und Großeltern Euch fragen, nach Euren wünschen, sollt Ihr antworten : „Gebt uns etwas für unsere unglücklichen Altersgenossen und genossinnen! Ihr sollt Eure Eltern bitten, Euch ein Ferienbrüderchen oder -Schwesterchen zu geben und Ihr sollt diesen Kindern, die aus einer Weit von Traurigkeit zu Euch kommen, liebevoll, zärtliche Geschwister sein. 3u dem aber, was Ihr für gut erkannt, sollt Ihr auch Eure Kleinen Freunde werben! Glaubet nicht, daß es nur wenig ist, was Ihr tut,' auch die kleinen Gaben werden zu großen Summen und stolz soll Euch dar Gefühl und das Bewußtsein machen, daß Ihr mit beigetragen habt, zu dem großen Nettungswerke, das Kinder vor Leid und Elend errettet. -- - — - - ——-—-~ alle herzlichst und danke Euch heute schon dafür, daß Ihr so eifrig für Eure gute Sache werbt. Und wenn ich einmal wieder nach Deutschland komme,' dann will ich Euch besuchen und wir wollen einander recht gut kennen lernen. Lebt wohl. Alles Gute und Liebe wünscht Euch Eure Freundin Anitta Müller 339

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