Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 21
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 331 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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„Aber auf dem Verg Sinai bekamen wir nur die zehn Gebote, zwei .Steintafeln," sagte Tola, der auch seine Renntnifle zeigen wollte. von den zehn Geboten zu hören, das brachte auch die Mädchen in Vewegung. Davon hatten sie sogar schon in ihrer Vorschulklasse gelernt. „Vas wissen wir auch schon," riefen sie stolz. „Und wo ist der Verg Sinai?" fragte Tola die gescheiten Brüder. Tola hatte eine große Vorliebe für Erdkunde und quälte immer seinen Vater und seine Mutter, ihm von fremden Ländern zu erzählen. Über die Vrüder wußten nicht', wo der Verg Sinai war und schämten sich. „Sicher nahe bei Mizrajim," meinte Lipmav. „Vielleicht ist der Verg Sinai der Kdrmel," sagte Ruth, eine von den kleinsten. „Den Rarmel kenne ich; er ist bei Haifa, in Untergaliläa," sagte hadassa, welche die ganze Zeit geschwiegen hatte und sich freute, daß sie jetzt auch Gelegenheit fand, ihr wissen zu zeigen. „Und ich," sagte Maxima, „habe schon den hermon gesehen. Das ist ein sehr hoher Verg. Ich war mit der Mutter in Methulla, ganz nahe bei Safed. Und von dort habe ich den hermon gesehen; er ist immer Mit Schnee bedeckt." ' / „Im Ausland," erklärte Tola, „liegt jeden Winter Schnee auf der Erde." „Und der Verg Tabor," fügte Maxima hinzu, „der ist sehr hoch. Mutter zeigte ihn mir, als wir in Mescha bei der Tante waren. Den ganzen Weg sahen wir den Tabor von weitem; er steht aus wie eine umgedrehte Schüssel," Wie Vrüder Atziba und Lipman hörten zu, bis Maxima ihre Erzählung beendet hatten und sagten dann: „Aber die Thota würde uns auf dem Verg Sinai gegeben; und das / ist Schawuoth!" Wie aus der Erde gewachsen stand plötzlich Schai hinter ihnen: Sein eigentlicher Name war Jeschajahu, aber alle Rinder Nannten ihn nur Schai. Auch sein Gesicht war gebräunt, auch ihn hatte die Sonne unseres Landes dunkel gebrannt. Aber im vergleich zu Tola, der am hals, an Armen und Händen beinah schwarz war, war Schais Gesicht fast weiß. Aus seinen Augen funkelte der Uebermut; und er war stets bereit zu allerhand Schelmenstreichen und Eulenspiegeleien. Aber er war ein fleißiger Schüler und seine Aufgaben wußte er stets. Unbemerkt hatte er die letzten Worte mit angehört. „Und das ist alles?" fragte er die Vrüder; „nur darum feiern wir Schawuoth?" freilich, ja." 331