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Bar Kochba · 1921-04-01 · Heft 19 · p. Seite 299

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 19
Date
1921-04-01
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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ihr nicht wissen könnt und um euch zu unterrichten. Aber nicht als Lehrer, sondern als Freunde, wir wollen gar nicht mehr sein als ihr, Vas wichtigste wißt ihr selbst: was gut und. böse ist. Darum könnt ihr euch auch die Gesetze selbst machen, nach denen ihr leben wollt und ihr selbst , sollt darüber richten, wenn jemand diese Gesetze verletzt Hat. Venn wenn jemand die Gesetze nicht hält, die er selbst mit bestimmt hat, dann ist das ein großes verbrechen, denn er hat dann, das vertrauen seiner Mitbürger getäuscht. Wer nicht nach dem Gesetz leben will, muß bestraft werden. Nur muß es ein Gesetz sein, das ihr selbst beraten und beschlossen habt, es muß e u e r Gesetz sein. Seht ihr das ein?" Ja, das sahen sie ein: Dann fuhr der junge Lehrer fort: „Wenn ihr aber frei sein und nach eigenem Gesetz leben wollt, dann müßtihr auch alles selbst arbeiten, soweit ihr es Könnt. Ihr müßt das Haus und eure Kleiber selbst in Ordnung Halten, die Mädchen müssen das Essen kochen, die Jungens müssen sich bemühen, recht bald zu lernen, mit dem Spaten, aber auch mit Hammer und Zange umzugehen, damit wir unser eigenes Gemüse bauen können und die Ausbesserungen an den Möbeln selbst machen können. Und dann müßt ihr natürlich lernen, denn ihr wollt ja alle mal was tüchtiges werden, über ihr selbst sollt bestimmen, was jeder gerne lernen möchte, denn jeder hat andere Neigungen, und was tüchtiges werden kann man in ' jedem Fach, wollen wir es so machen?" Ja, sagten die Kinder, und dann machten sie sich ans Werk. Und. was wurde da nicht alles eingerichtet! vie ganz Kleinen bekamen ihre eigene Baracke, wo sie ständig unter; der Aussicht von Kindergärtnerinnen sind. Cs gibt dann je eine Baracke für die größeren Knaben und Mädchen, eine Schulbaracke, in der sich auch eine Lehrwerkstätte befindet, eine Wirtschastsbaracke, in der die Küche und die Vorratsräume find, es gibt «inen Schrebergarten, einen großen Spielplatz und ein Freibad. -Vie Kinder haben sich selbst eine Negierung gewählt, den Schülerausschuß. Einer von ihnen ist Untersuchungrichter, und wenn jemand was verbrochen hat, dann wird er vor einem Schülergericht angeklagt und, wenn er für schuldig befunden wird, bestraft, vie Richter und alle anderen Beamten werden von der Gesamtheit gewählt. Und es gibt eine Menge Beamte! Zum Beispiel ist aus den größten und stärksten Jungen eine Polizei gebildet worden, und Tag und Nacht wird ein Wachdienstunterhalten, damit nichts gestohlen werden kann und in dem Kinderdorf Ordnung herrscht. Einer hat die große Glocke zu läuten, wenn alle sich zum Essen und zur Beratung zu- ~ sammenfinden sollen, und so weiter. Vas Kinderdorf ist erst ein paar Monate alt, und es klappt noch nicht alles so, wie eS klappen sollte. Vie Kinder, die länger als ein Jahr auf den Straßen von Men hcrumgelegen haben und dort viel häßliches lernten, find inzwischen keine Musterschüler geworden. Aber das sollen sie auch gar nicht werden! 3m Staat der Erwachsenen gehts ja auch noch immer drunter und drüber, obgleich das-doch eigentlich alles vernünftige Leute sein sollten, vie Baumgartner Kinder fühlen sich sehr, sehr wohl in ihrem eigenen Reich. Und mit der Zeit werden sic es immer schöner einrichten. Ver Herausgeber des Bar Kochba hat nach vaumgarten geschrieben, und hofft, recht bald von dort eine ausführliche Schi lderung und Bilder zu bekommen. Er hat auch den Bär Kochba dorthin geschickt. Und wir alle senden schon heute der ersten jüdischen Kindcrrepublik unsere allerherzlichsten Grüße! V o o o . 299

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