Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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De r p e r ü ck e n h an de l „Jean", sagte im Jahre 1796 ein junger General Napoleons zu seinem Viener, „mache er alles fertig, in drei Tagen reisen wir." „Und wohin reisen wir?" fragte Jean. „3um Sultan, zu den Türken, nach Konstantinopel. Frag nicht viel und mach hurtig!" Jean dachte nach. (Er war noch jung und kannte ein Mädchen, das er gern heiraten wollte. Uber er war bettelarm. Sein Herr hatte ihm einmal ein paar silberne Sporen geschenkt, die waren sein einziger Schatz. Tag und Nacht dachte er darüber nach, wie er sich etwas verdienen könnte. Nls er nun hörte, daß es zu den Türken gehe, sann er nach, womit man dort wohl ein Geschäft machen könnte. Va siel ihm ein, daß die Türken nicht nur eine Frau hätten, wie Christen und Juden, sondern immer einen ganzen Dümpel. „va muß so ein Türke draus bedacht sein, seinen Weibsbildern auch immer zu gefallen, sonst > kratzen sie ihm tue klugen aus. Wodurch aber sticht der Mann einer Frau mehr in die klugen/ als durch eine schöne, große Perücke? Und wo gibts schönere Perücken als hier, in Paris? kllfo werde ich die silbernen Sporen verkaufen, dafür soviel Perücken cinhandeln, als ich bekommen kann, / > dann wird es mir in >—• -— ».X ' .J.: der Türkei an nichts fehlen. Die Türken bekommen meineperücken, ich ihr Geld, und wenn wir von den Muselmännern. wieder in unsre schöne Stadt Paris heimkommen, wird geheiratet." Jean führte seinen j plan aus,- als der Gen „eral nach Konstant!? nopel fuhr, lag ganz ' oben auf dem Gepäck ' ein Kasten mit hundert Perücken. Als er aber in Konstantinopel ankam, bekam er einen furchtbaren Schreck. Es. trug nämlich kein Mensch eine Perücke Die Türken trügen den Fez, eine rote Mütze mit einerblauen Troddel, und die Juden eine seidene gelbe Mütze, so war es ihnen vom Sultan damals vorgeschrieben, Um Perücken zu tragen, war es da unten auch viel zu heiß. Jean ließ die Ähren hängen und grämte sich sehr. Vas merkte sein Herr, der General, bald. „Jean", sagte er eines Tages zu ihm. ..was ist ihm? Er macht ein Geiicht wie ein krankes Kamel! Ist er krank? hat er Heimweh? Kann er die Lust nicht vertragen?" Va fiel Jean seinem Herrn zu Füßen und gestand ihm seinen Kummen klls der General hörte, daß Jean den Türken hatte Perücken verkaufen wollen, lachte er furchtbar, vann sagte er: „pack' er seine Perücken nur wieder gut ein, damit sie nicht die Matten fressen, wenn er wieder nach Paris kommt, wird er sie tos werden. Und merk' er sich, daß jedes Volk seine Sitten hat. In Frankreich tragen die Männer Perücken und in der Türkei die Weiber Hosen:" 290