Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 18
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-abei sein ganzes vermögen eingebüßt. Dann war er „Waldschreiber" geworden, aber auch die Stelle war bald verloren. Nun lebte er schon eine Reihe von Monaten im Elend. Der Winter war in schrecklichen Nöten vorübergegangen, und jetzt kam das peßachfest immer näher. 3um verpfänden war nichts mehr da, denn alles, vom Hängeleuchter bis zum letzten Rissen, war schon im Leihamt. Riwke Veile dachte an Gemeinde- Unterstützung., Doch Ehajim Iojne wollte davon nichts wissen. Cr mochte sich nicht bloßstellen und vertraute auf Gott, der schon helfen werde. Riwke Veile suchte mehrmals in allen Winkeln nach und fand, welches Wunder, einen alten ausgeriebenen silbernen Löffel, den sie schon seit Jahren verlören glaubte. Aber Ehajim Iojne nahm den Löffel, verkaufte ihn und trug den geringen Erlös in die Raffe, aus der man die Armen für das peßachfest unterstützt Die Armen gehen vor, sagte er. Inzwischen rückt die Zeit immer näher, es blieben nur noch wenige Wochen bis peßach. Ehajim Zojne wartete voll vertrauen auf Gottes Hilfe. Und Riwke Veile schwieg. Die Frau muß dem Manne gehorchen. Und Tag auf Tag verrann. Riwke Veile fand keinen Schlaf, weinte die Nächte durch, still, daß ihr Mann sie nicht höre. Und die Tage waren noch schlimmer. Da mußte sie sich auch noch vor den Nachbarn hüten, mußte sorgen, daß sie ihr das Elend nicht ansahen. (D, diese Vlicke der Neugier Und de? Mitleids, die sie wie mit Nadeln stachen! Und die Fragen: Wann backt ihr Mazzoth? habt ihr schon die roten Rüben eingelegt? Gder wenn es nähere Bekannte waren: Aber, was geht denn bei euch vor, Riwke Veile? habt ihr's vielleicht knapp? Wir wollen euch borgen.:. Und was solcher Reden mehr sind. Und sie mußte ablehnen, über und über errötend, die unglaublichsten Vorwände erfinden. Venn Ehajim Iojne wollte keine Menschengabe annehmen und gegen seinen willen konnte sie doch nicht handeln. Die Nachbarn wollten es dabei nicht bewenden lassen und gingen zum Rabbi, er solle sich doch ins Mittel legen. Der Rabbi hörte sie an, seufzte, sann eine Weile nach und antwortete schließlich, daß Ehajim Iöjne ein gelehrter und gottesfürchtiger Mann sei, der wohl wisse, was er tue. wenn fein Gottvertrauen so fest sei, dann sei es eben fest . . . Und nun ist der peßach da! , ..r v::;- ';T- Riwke Veile hat nicht einmal Lichter, um den Segen darüber zu sprechen. Ehajim Iojne kehrte aus dem Vethaus heim. Aus allen Fenstern strahlt das Fest. Nur sein Haus steht finster da, wie ein Trauernder unter Hochzeitsgasten, wie ein Minder unter Sehenden. Aber er verzweifelt nicht. Wenn Gott nur wollen wird, denkt er, wird auch für mich noch peßach