Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 18
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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so viel später lebte, daß er von Josef und seiner Traumdeutung nichts mehr wußte, gibt den grausamen Befehl: „Jeden Sohn, der geboren wird, sollt ihr in den Fluß werfen." Ls gab eben weit und breit nur den einen Strom, und noch Heute nennen ihn die Aegqpter nicht anders als „der Strom" (Jaro) von diesem Strom hängt das Schicksal des Landes ab. Jedes Jahr, wenn im Gebirge der Schnee schmilzt, steigt der Strom über seine Ufer, bedeckt weithin das Land mit seinen Fluten und mit einem fruchtbaren Schlamm. Wenn dann später der Fluß wieder sinkt, hat sich der Loden mit Feuchtigkeit vollgesogen und die heiße Sonne läßt auf dem Nilschlamm einen üppigen Pflanzenwuchs emporblühen. Das sind dann die fetten Jahre für Aegypten, und darum steigen in Pharaos Traum die fetten und die mageren Zeiten aus dem Nil. Denn die Hungerjahre kommen, wenn der Fluß nicht hoch genug steigt, und wenn er eines Tages ganz aufhören würde sein Wasser über das Land zu ergießen, so würde es nicht lange dauern, und Mizrajim wäre eine Wüste. Alles Leben muß verdorren, wo es kein Wasser gibt. Die alten Aegypter nannten ihr Land „Kemt", d. h. Schwarzland, wahrscheinlich weil ihr Loden schwarz und fett ist und nicht hell, wie der Wüstensand. Die semitischen Völker nannten es „Misr", und daraus ist das hebräische Wort „Mizrajim" entstanden. Wenn man heute einen Aegypter fragt, wie sein Vaterland heißt, sagt er: „Masr". Wie sehr fruchtbar Mizrajim schon in biblischen Zeiten war, wissen wir aus der Josefgeschichte. Als in Kanaan Hungersnot war, zogen die Söhne Jakobs nach Aegypten, um Getreide einzukaufen. Denn während. die Völker ringsum Nomaden waren, die zahlreiche Werden besaßen, und von einer Weide zur andern zogen, waren die Aegypter Lauern, die fest auf dem Loden saßen, den sie beackerten. So wie der Nil ihr Wohltäter war, der ihnen die Fruchtbarkeit ihres schönen Landes schenkte, so war er auch ihr Lehrer und Erzieher, der sie zur Arbeit und zu mancher Kunst erzog. Venn es genügte nicht, daß einmal im Jahre der Fluß das Land befeuchtete. Ts mußten viele hundert Kanäle gezogen werden und in diese mußte das Wasser, aus hem Nil gepumpt werden, damit es sich über das ganze Land verteile. Vas war damals noch schwieriger als jetzt, wo bei Nfluan ein mächtiges Stauwerk das Nilwasser in der Zeit der Schneeschmelze sammelt und für die heiße trockene Zeit aufspart. Und heute noch sieht man überall in Aegypten die Kanäle und tausende von riesigen Schöpfrädern, Lakije genannt, drehen sich unaufhörlich, um das kostbare Naß zu verteilen. Vas Volk von Aegypten mußte also zu allen Zeiten sehr fleißig sein und vor allem mußte es ein Lauernvolk werden, das seiner Scholle 274