Mannheim
Compact Memory

Bar Kochba · 1921-03-01 · Heft 17 · p. Seite 265

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17
Date
1921-03-01
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2276426-2276427-2276443--283-2276820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Dann fagtö sie gutmütig: „Treck -i man ut. min Jung." Moses war heilfroh, mal wieder plattdütsch zu hören, denn hier sprachen sie alle furchtbar vornehm. Geschwind zog er seine Hose aus und reichte sie Frau Lindemann, und nach einer halben Stunde hatte er anstelle der Löcher zwei schöne Flicken in der Dur. 8. Kapitel. . Moses Pipenbrink recht aus. )m Waisenhaus verging ein Tag wie der andere. Morgens erst in die Synagoge, dann zur Schule, dann Mittagessen, dann Schularbeiten, dann in den Garten, dann Abendbrot, zuletzt ins Vett. Auf die Dauer war das furchtbar langweilig. Km schönsten war es immer noch in der Schule. Erstens sah man auf dem Schulweg allerhand, was sehr interessant war, mal die Feuerwehr und mal einen umgekippten Vierwagen, und dann war man in der Schule mit anderen Jungen zusammen, konnte sich mit ihnen, was erzählen und. in den Pausen mit ihnen spielen. Moses Pipenbrink war in kurzer Zeit der Anführer der ganzen Klasse geworden. Er war der größte und der kräftigste und wenn man von ihm eine Ohrfeige bekam, tat es furchtbar weh. Allerdings bekam er dann wieder haue von Herrn Abrahams aber die ließ er über sich ergehen ohne zu mucksen. Mit dem Lernen war es bei Moses sehr verschieden. Rechnen mochte er gar nicht und Schreiben nur ungern. Aber Geschichtenerzählen und Gedichteaufsagen machte ihm großen Spaß, und er konnte es wirklich auch sehr gut. Wenn Herr Abraham ries: „Pipenbrink, komm mal raus und sag was auf!" dann drehte und zierte er sich nicht wie die meisten andern Jungens, sondern schmetterte das Gedicht vom „Pferd und Sperling" oder was sonst gerade an der Reihe war, hell und laut in die Klasse. Am allerschönsten aber war es in den Pausen. An den ersten Tagen durften die ganz Kleinen noch nicht in den Hof hinunter. Moses Pipenbrink gelang es aber trotzdem. Er meldete sich einfach und erklärte, er müsse sofort in einer sehr dringenden Angelegenheit mal in den Keller gehen. Das wurde ihm erlaubt, und gleich daraus strolchte er auf dem Hof Herum, bis es wieder zum Beginn der Stunde läutete. Dabei kam es einmal vor, daß er in dem großen Haufe sein Klassenzimmer nicht wiederfand. Schließlich meinte er, es käme doch nicht so genau drauf an. auf welcher Bank man säße, und lernen müßte man ja überall,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.