Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 15
- Date
- 1921-02-01
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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<E i n jüdisches h e l den paar Die „Titanic" ein mächtiges Schiff, wie für die Ewigkeit gebaut, das vermessenes Menschentum „das Uniinkbare" nannte, es zerschellt an einem Eisberg, die Wellen reißen es auf seiner ersten Fahrt in die grauenhafte Tiefe und mit ihm mehr als zweitausend Menschen - liebende, hoffende, nach Glück, Erfolg, und Tugend strebende Menschen! Zweitausend Menschen - und die beiden heldenhaftesten! Unter ihnen waren ein altes, jüdisches Ehepaar! Eine der Geretteten hat uns die Geschichte des Todes von Isidor und Ida Strauß erzählt. Ein jüdisches heim in Uew-Hork hat die arme Schiffbrüchige aufgenommen, die selbst den Verlust zweier junger Söhne zu beklagen hat. ' Müde, wie gebrochen, saß sie da, und die erlebten Schreckensszenen schienen wie öilder des Grauens von ihrer Seele zu stehen. Über dann drängte es sie, zu uns zu sprechen: wir hatten uns zur Ruhe begehen wie jeden übend, heiter, in dem Gefühl vollkommener Sicherheit auf dem „unsinkbaren" Schiff. Da plötzlich ein Stoß, ein Rück, bald darauf ein Stillstehen des Schiffes. Man ging auf die. Gänge und verdecke, lachend, scherzend über den Zwischenfall. Dir standen aus den Planken des Schiffbodens, und - keiner ahnte, daß dieser Soden nur noch ein schwankendes Brett war, daß die Hand des Meeres sich schon nach dem Riesenschiff ausgestreckt Hatte, um e? herabzuziehen aus seinen Grund. Das Schiff mit seiner stolzen habe und seinen zweitausend Menschen. Dann plötzlich das Kommando: ^Frauen und Kinder in die Rettungsboote!" Noch wollte keiner an die Gefahr glauben, als aber die Rettungsboote in fieberhafter Eile herabgetaffen wurden, die (Offiziere sich in zwei Reihen aufstellten ' und das Schiff, das unsinkbare Riesenschiff, sich in eigentümlich willenloser weise nach vorn zu neigen begann, da drang plötzlich ein Schrei wahnsinnigen Schreckens du'ch die eisige Nebellust der Nacht Die Frauen kreischten auf vor Entsetzen und » anden starr vor wortlosem Schrecke», Kinder sachten ihre Eltern. Mütter ihre Kinder, ein Mädchen rief gellend nach dem Verlobten, ein Mann rannte sinnnlos 'umher und suchte Frau und Kinder. Ein Drängen, Schieben, Ringen um die voote. Ein 'Mann will hineinsteigen Matrosen reißen ihn zurück: ..Frauen und Kinder zuerst!" Und wie leblose Bündel, ohne zu fragen, ohne sich nach den ander n umzusehen, lassen diese sich in die voote schieben, treiben, werfen. Jeder kennt ' nur einen Trieb: Ich,' ich! ich will mich retten! Ein paar Männer drängen eine Frau beiseite und schwingen sich in eines der Rettungsboote - es ist zu spät, sie zurückzuholten. Lin Matrose, der zwei Kinder an der Hand geführt, läßt die Kleinen stehen und springt vom Schiff herab in ein anderes voot, das eben heruntergelassen wird, keiner achtet des Feiglings Frauen werden von der Seite ihres Gatten, Kinder von. der Hand der Eltern gerissen! 1 Üls schon säst alle voote, mit Mensche» gefüllt, herabgclassen sind, sieht ein Gifizier eine ältere Frau stehen, die ihrem Gallen ein Kind überreicht, das dieser sanft in ein voot bettet. Frau Strauß," ruft er, retten Sie sich! wir sinken!" Er will sie fast mit Gewalt in ein voot stoßen, aber schon beinahe mit dem Fuß im Retlungrboot bleibt sie stehen:„Und mein Mann?" „Frauen und Kinder zuerst!" Die grauhaarige Frau zieht den Fuß zurück: „Ich verlasse_ihn nicht! . Ich gehe mit ihm in den Tod!" Und 231