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Bar Kochba · 1920-12-01 · Heft 11-12 · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 11-12
Date
1920-12-01
Page
Seite 179 (sequence 19)
Language
German
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Ggrdinen zu, weil so viele Leute jetzt, aus die Juden schimpfen, und man soll sie nicht herausfordern, hält' ihr Vater ge-, meint. —" Va fiel ihr aber der vrader mit blitzenden Äugen in die Red«: „Nun gerade mutz man's tun, nicht wahr, Muhme Ehanne? Und heute erst recht, wo wir doch die Makkabäer feiern. Der Vater hat uns erzählt, dar sind jüdische Helden gewesen, und der Rebbe hat gesagt, ein Held ist noch nicht der, der sich nicht fürchtet, sondern der sich offen und freudig zu seinem Volke bekennt." „Recht so, mein Sohn/lobte ihn die Muhme, „du wirst einmal ganz wie dein seliger Vater! Setzt geh nur und stell die Lichter zum Zensier" Während der Wulff vorsichtig und stolz die MenorahzumFenster trug, strich die alte Frau nun dem verschüchterten Mädelchen sanft üher das schwarze haar. „Latz' nur, Estherchen, nicht furchtsam sein! Sch Hab' meine Südischkeit immer offen gezeigt und bin gut damit gefahren all mein Lebelang. Es ist wahr, wir leben in einer schlimmen 3eit, und die Menschen sind auch schlimmer geworden seitdem. Leider, leider! ver Krieg, der Krieg",. seufzte sie. „Rber es steht geschrieben, die Gerechtigkeit beschützet die Unschuld." Und zu dem nähertretenden Knaben gewandt, fuhr sie fort: „Zür dich aber weiß ich noch ein schönes Dort, aus dem vuche Josua: Rak chasak we' emaz! Sei nur stark und unverzagt, denn der Herr, dein Gott ist mit dir in allem, das du tun wirst. - _ . Sn diesem Augenblick wurde heftig an» Fenster gepocht. Var Estherchen schrack zusammen, aber auf einen Wink der Muhme sprang der Knabe schnell hin. öffnete einen kleinen Spalt und kehrte bald mit wichtiger Miene zurück. „Er steht ein Mann draußen, ein Jude mit einem langen vart, und er hat einen ganz kleinen Jungen an der Hand und er sagte was von der Menorah, und daß er von weit herkomme. Darf ich ihn hereinlassen?" „Gewiß mein Kind." befahl die alte Frau mit fester Stimme. „Kein Mensch soll ungehört von mir gehen und einer von uns're Leut' nun doch gewiß nicht," fügte sie noch hinzu, va ging schon die Tür auf, und mit einem respektvollen Gruß trat ein Mann ins Zimmer, öffenbar ein Flüchtling aus dem Russischen, mit einem noch jungen, aber vergrämten Gesicht. Ruf der linken Schulter trug er ein Bünde! mitseinenhabseligkeiten, an seiner rechten Hand aber führte er ein kleines Süngelchen, das so eingebündelt war. daß man nur noch sein rotgefrorenes Nasenspitzchen sah und ein paar große schwarze Rügen, die ängstlich von einem zum andern blickten, von der Muhme freundlich aufgefordert, erzählte der Mann, daß er von Rußland komme und auf dem Wege zu verwandten in der Hauptstadt sei. Rber die Züge gingen nur sehr schlecht wegender Schneewehen, und kurz vor dem Städtchen seien sie ganz stecken geblieben. Man hotte

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