Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 11-12
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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senkte den Kopf und sang nach einer schonen, schwermütigen Melodie.- Mein Vräutchen, deine Tränen Lasse fließen. \ vlllere Zähren, sollst mein Herzchen Du vergießen! Daß stet» Gott, der Allerbarmer, > Deiner denke! Friede, Liebe, Glück und Eintracht Tr euch schenke! llicht von Eisen sino wir Menschen, Staub sind alle, Und dar Leben, ach, i r bitter wie die Galle! Gott, kann paradier und f)öiU ' Tuch bereiten; wähle, du mein k)erzen5bräu1chen Drum bei Zeiten: usw. usw. Die Frauen, verwandte und fremde, flochten der vraut unterdessen das lzaar zu langen Zöpfen und weinten dabei. Eide! selbst fiel dreimal in Ohnmacht,. Dieses, weinerliche Wesen behielt sie auch nach der Hochzeit. Ihr Mann, Scholom Seidel, ist dagegen ein lustiger Mensch, der gern scherzt und spielt und uns mit besonderer Vorliebe Nasenstüber versetzt. Aus letzterem Grund können wir ihn nicht gut leiden und besuche» ihn selten. Aber man vergißt alles, besonders Nasenstüber und wie sollte Man sich nicht das Thanukkahgeld holen, gar vom eigenen Schwager? „Das ist schlau von euch, daß ihr gekommen seid! Ich habe das Thanukkahgeschenk für euch schon vorbereitet!" So begrüßt uns Scholom Leidet. Er nimmt , seinen Geldbeutel aus der Tasche und zählt jedem von uns ein paar neue, glänzende, silberne Münzen auf. Wir nehmen sie und bekommen Nasenstüber. Ich zuerst einen aufs Dhr, und mein vruder sn die Nase, dann ich in. die Hase und mein vruder aufs Ghr. „hör doch auf, die Kinder zu quälen!" sagt Tidel mit Tränen in den Augen. Sie ruft uns zur Zeile und gibt uns Suhigkeiten und noch einmal Thanukkahgeld. . „Komm, Mottl, jetzt wollen wir zählen, wieviel Geld wir haben! Zuerst zähle ich meins. dann zählst du deins." Ich zähle also: Tin Nudel, drei Zwanzigkopekenstücke, vier Fünfkopekenstücke und fünf Kupfermünzen - wieviel macht das zusammen? Nun, einen Nudel, drei Zwanzigkopekenstücke, vier Fünfer und fünf Kupfermünzen..." Mein Vruder Mottl kann nicht .'erwarten. bis ich zu Ende bin und nimmt feine Kapitalien vor. Er legt die Münzen aus einer Hand in die andere und zählt: „Ein halber Rubel; und ein Zwanziger und noch ein Zwanziger sind zwei Zwanziger und noch ein Zwanziger sind drei Zwanziger und zwei Sechser macht drei Zwanziger und drei Fünfer, und ein Zehner und noch ein Zehner, das macht zwei Zwanziger und drei Sechser, das. heißt, drei Sechser, und zwei Zehner, ätsch, was sage, ich? Ich muß noch einmal oon Anfang zählen." wir zählen und zählen und können zu keinem Ende kommen, vesondere Schwierigkeiten machen die Kupfermünzen des Gnkels Mojsche-Nron. Wir versuchen, dieses Geld bei der Mutter einzutauschen, dann beim Vater, bei unserer Köchin vreine, — keiner will es nehmen. „Was sind das für Münzen? Wer hat euch dieses Geld gegeben?" Wir schämen uns, es zu sagen und schweigen. „Weißt du," sogt mein Vruder Mottl zu mir, „laß uns die Münzen in den Ofen werfen oder im Schnee vergraben!" „Wie schlau du bist!" erwidere ich, „wir wollen es lieber den Armen geben!" Aber wie zum Trotz sind keine Bettler zu sehen! Wo sind alle Bettler hin, die sonst am Rock zupfen, feilschen, schimpfen, schwören, fluchen - alles um einen Pfennig? So haben wir Thanukkahgelder gesammelt. <<6«»ür,,>