Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 10
- Date
- 1920-12-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Dukaten-Leb von S. 3. Agnon: <£s geschah, daß einmal zu dem Maggid*) von Uosiiiz, sein Verdienst schuhe uns. einer von den Großen unter den Ehasjidim") kom^ wirklich ein hervorragender und großer Mann, aber von Armut zermalmt, und seine Weisheit half ihm nichts, und - er klagte vor dem erwähnte» Uabbi und bat den Geist seiner Heiligkeit um Uat, aus welche weise er sein Haus ernähren solle. Und der Uabbi antwortete ihm: .Ich sehe, daß du kein Gluck dazu hast, bei irgend einem Handel . in der Welt Gewinn zu machen, nur eine Lache gibt es, in der ist dein Glück erstaunlich, großen Ucichtum zu erlangen?' Und weiter sägte der Uabbi nichts. Da sprach der Ebafiidz>i-ih»i:„IchbiIte-Eurel)eil>gkeit, daß sie mir da; Wesen der Lache offenbart." va sprach der Uabbi zu ihm: „was Hilst es, wenn ich es offenbaren^ werde, und ich weiß doch, daß du dich aus Keine weise damit abgeben willst." Va sprach der Ghassid zu ihm: „Bei meiner großen Bedrängnis werde ich mich sicherlich nicht dessen weigern." va sprach der Uabbi zu ihm: „wohlan, ich will es dir offenbaren: Vu sollst wissen, daß dein Glück im Diebstahl erstaunlich ist." ver Ehassid stand da wie erstarrt und sprach: „wie konnte ich solches .wollen, das doch wider den Willen des Lchopfers ist?" va svrach der Uabbi: „Ich sägte dir ja, daß solches sicherlich nicht dein Wille sein würde." Und der Uabbi sagte ihm abermals: „Uber ich sehe, daß du bei keiner Beschäftigung auch »ur ein bißchen Glück haben wirst, nur beim Geschäft des viebjtahls wird dein Gluck zum höchsten Wunder steigen." Und der Chassid ging mit erloschener Seele ttabdiiie-r rltt«r chajjidijchtn Gemeinde Chäsiidim. eigenltich ..Zromme" nennen sich dre tlngehortaen e.ner jüdischen Zekte in Mst' europa. nach Hause, und der Druck der Armut wuchs über ihm, bis viele Tage ohne Orot verstrichen, und sein Weib und seine Rinder heulten und weinten, bis ihre Seele verging. Va überlegte er sich in seinem Sinn, daß die Rettung einer Seele sogar eine Todsünde aufhebt, und warum soll sie nicht das verbot des Diebstahls ausheben, da es doch leichter ist als jene? Und in dieser Nacht ging er Mit erloschener Seele und öffnete einen Laden und stahl nur einen Dukaten und kaufte dafür Brot, um sich, sein Weib und seine liinder am Leben zu halten. Und er hatte im Sinn, dem Besitzer des Ladens den Dukaten zurückzugeben, sobald Gott seine Lage erleichtern würde. Als am Morgen der Besitzer der Ladens kam und sah, daß er geöffnet ' war, schrie er mit schriller Stimme: „Ich bin zum Bettler geworden! Ich bin zum Bettler geworden l" Als er in den Laden trat und siehe, die ganze Ware war unversehrt, da erstaunte er sehr, bis er sich der Geldlade näherte, und auch sie war . geöffnet. Er begann zu schreien und zu sprechen: „Ich bin zum Bettler' geworden!" Venn dort war viel Geld, und der Dieb hatte damit genug und hatte aus die Ware verzichtet. Als er sah, daß auch das Geld vollzählig war und nur ein Dukaten fehlte, wunderte er sich sehr, und in der ganzen Stadt war es ein Wunder und blieb ein Wunder. Und jo ernährte dieser Ehassid "sich selbst urid sein Haus viele Tage in äußerster Dürftigkeit nur gerade so, daß sie nicht vor Hunger starben» mit diesem Brot, bis das Brot zu Ende ging, und er saß noch viele Tage ohne Brot, und stärkte dann sein Herz und ging noch eine Nacht und öffnete einen Läden und stahl noch einen Dukaten und kaufte sich Brot, und so tat er viele, viele Mal, bis es bei allen Bewohnern der Stadt zum Wunder wurde: 146