Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 7
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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den Galerien des Tempels aus anzusehen. Schließlich setzte sich die ganz« Menge in Bewegung und umzog singend ein mal den Altar, am hofchannah Nabbah aber umzogen sie ihn siebenmal, wer sein Opfer dargebracht hatte, nahm den Nest des Fleisches und ließ es in einer der zahlreichen Garküchen in der Nähe des Tempels braten, dann ließ er sich mit den Seinen in einer der vielen Ssukkoth nieder, die rings um den Tempel errichtet wäre», und feierte nach Herzenslust. — Hnt Nachmittag, vor dem Nbendopfer. wurde unter großem Jubel des Volkes von einem Priester mit einer goldenen Kanne das Wasser aus dem Siloah V Brunnen, einer (Quelle dicht bei Ieruschalajim, geschöpft und in den Tempel gebracht. Das Wasser würde dann als Gußopfer .auf den Altar gegossen, und lief dnrch eine Oesfnung in den Bach Kidron, der unter dem Tempel einherfloß. Dieses Opfer ist aber nicht in der Thora vorgeschrieben, sondern war ein uralter volksgebrauch, der von manchen sogar als eine Art Aberglaube betrachtet wurde. Dabei ist einmal folgendes passiert. Unter den Herrschern aus dem Hause -er hasmonäer war einer, Alexander Hannai, der diesen Brauch verachtete. Als er nun einst als hoherpriester das Wasseropfer darbringen sollte, goß er es absichtlich nicht auf den Alter, sondern auf den Boden. Da erhob sich aber ein Sturm der Entrüstung im Volke, und weil sie nichts D i c 3 a r m u k f ä I I e i n p a I ä it i n o anderes bei sich hatten, 'warfen ihm die Leute viele hundert Ethrogim an den Kops uydverprügelten ihn mit den Lulawim. In .den Nächten des Ssukkoth. Festes ging es im Tempel und in der Stadt, besonders fröhlich zu. In der Nacht des ersten Festtages hingen im sogenannten „Fraüenvorhof" viele goldene Leuchter, an denen so viele Oelflammen braun ten, daß ihr Schein die ganze Stadt erleuchtete. Alles. Volk drängte sich nun zum Tempelberg. Nlusikbanden und die Tempelchöre wett eisertenmiteinander. und zu den Psalmen, die sie sangen und spielten, tanzten der hohe > Priester und die angesehensten und ehr. würdigsten Man ner. So ging es die ganze Nacht hindurch, niemand dachte an Schlaf. Bei Morgengrauen erschallten die Posaunen der Priester, und von neuem wurde aus der (Quelle Siloah Wasser geschöpft. So ging es während der ganzen Festes, und, sagen die Geschichtsschreiber jener weiten, „wer nicht das Wasseropfer am Ssukkoth-Fest mitgemacht hat, der hat gar nichts erlebt!" heute ist an Stelle des Gußopfers „Tefillath Tal" getreten, ein Gebet, in dem am vorletzten Festtag um Tau und Negen für Trez Israel gebetet wird. Im Lande aber wächst ein junges jüdisches Geschlecht, das den Pflug und die hacke zu führen weiß, und das -Erntefest am Ssukkoth. beginnt aufs neue, ein jüdisches Volksfest zu werden. 109