Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 7
- Date
- 1920-10-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2276426-2276427-2276434--108-2276636- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
B a r K o d) b a i n — $ i b i r i e n Den Namen des jüdischen Helden Var Kochba, den unser Blatt führt, tragen auch eine Reihe jüdischer Turnvereine? Lin Hamburger „Var Kochbaner" kam nun während des Kriege; in russische Gefangenschaft nach Gstsibirien. wie er unter den dortigen Juden ebenfalls einen Turnverein gegründet hat, erzähl» er in der letzten Nummer der „Jüdischen Turn- und Sportzeitung". wir drucken daraus die Schilderung der ersten Turnstunde-ab. Da sitze ich an meinen, selbstgezimmerten Tischchen in unserer varacke, um mich her das alltägliche Leben des Gefangenenlagers, plötzlich nähert sich jemand ^meinem Platze. Ts ist ein bekannter, der in der Stabt das Amt eines Hauslehrers in einer jüdischen Familie inne hat. Schon will ich eins unserer alltäglichen Gespräche beginnen, als er mir das Wort abschneidet: „In der Stadt will man einen jüdischen Turnverein gründen und Sic sollen die Leitung übernehmen". Die Stobt ist WerchNe-Udinsk, in der Nähe des Ralkalsees, ein kleines Stäbchen, von Russen, Juden, Chinesen und Burjaten bewohnt, einige Kilometer von unserem Luger entfernt. Aber wie kömmt man in die Stadt? Natürlich: „Das verlassen des Lagers ist verboten". Wird man in der Stadt erwischt, so wird man auf ein paar Tage bei recht schmaler Kojt eingelocht. Aber hinein muß ich Cs wird also ein Schlachtpjan entworfen" Am nächsten Sonntag wird in Siml in die Stadt gefahren. Alle Teile der Nusrüstung werden zusammengepuntpt. So erwarte ich meinen Freund. Als der Zug gerade abfahren will, steige ich unbemerkt ein und nach einer halben Stunde sind wir am Ziel. Wir kommen zu einem hübschen roten Ziegelgebäude, der hebräischen Schule Ihr großer Saal dient als Vortrags- und Versammlungsort, wie auch als Theater, nun soll er auch Turnhalle werden. Dort ist schon ein Teil meiner neuen Zöglinge, meist Schüler des städtischen Gymnasiums und der Realschule. versammelt. Cs herrscht natürlich bei meiner Ankunft ein schrecklicher Rabau, aber als ich hereinkomme, wird es still, „der Lehrer ist da". Nach einigen Begrüßungen beginnt das Turnen. )ch entdeckte die erste große Schwierigkeit, die ich während der ganzen Zeit meiner dortigen Tätigkeit nicht recht überwunden habe, den Mangel der gemeinsamen Sprache. Weine russischen Sprachkenntnisse waren gering. Deutsch verstand niemand, und auch das Jiddisch ist bei der jüdischen Jugend in Sibirien schon ziemlich ausgestorben. Nun, es Kommt beim Turnen ja mehr auf das Tun als auf das Reden an. Raid steht alles in geöffneter Aufstellung und die Freiübungen beginnen. Die Jungens geben sich redliche Nlühe, alles aufs genaueste auszuführen. Rach 20 Minuten Kommt eine 100