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Bar Kochba · 1920-09-01 · Heft 6 · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bar Kochba
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6
Date
1920-09-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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„(EI melech neemon*)" - diese Worte des Gebetbuches sucht ihm der Melamed beizubringen. Und Jafiek glaubt, daß er ein Zauberspruch ist und daß, wenn er ihn aufsagt, die Schweizer ihn in Gottes Palast einlassen werden ... Doch für Gott selbst hat er ein anderes Gebet, ein Gebet ohne Worte, ein Gebet, das in seinem Herzen wächst und sein Herz erfüllt und sich aus seinem. Herzen mit einem jubelnden pfiff herausreigt! wenn er beten will, steckt er sich zwei Finger in den Mund, spitzt die Lippen, stößt die tust heraus, und sein Gebet durchdringt den ganzen Wald! Und Gott versteht ihn und sein Gebet! Doch er pfeift nur dann, wenn er das Bedürfnis hat, zu Gott zu pfeifen, wenn er fühlt, daß er pfeifen muß Und es scheint ihm, daß Gott irgendwo, weit, weit auf einer duftenden wiese ausgestreckt liegt, und ihn pfeifen hört, und seine Freude daran hat. Und nicht nur er allein betet so! Er weiß, daß alle beten, wenn der Dorfhund Nossik plötzlich seine Schnauze zum Himmel erhebt, mit dem Schwanz wedelt und bellt, dann sagt er, daß Uossik betet. Und wenn die weiße Kuh abends von der weide heimgeht, und ihre nasse Zunge herausstreckt, und ein langgestrecktes, trauriges „Muh!" von sich gibt, dann sagt er, daß die Weiße betet. Vas. Pferd Volon betet wieder auf eine andere weise , es schlägt aus, stellt sich auf die Hinterbeine, reckt bett Kopf und wiehert. Ulle beten, selbst die Frösche im Wasser; ein Frosch sagt es dem andern : Gua! Gua! Jasiek ist schon dreizehn Jahre alt, doch das ».höre Israel" kann er noch immer nicht. Und das Neujahrsfest steht vor der Tür. Und der Melamed müht sich mit ihm ab. daß er am heurigen Neujahrsfeste wenigstens das „höre Israel" aufsägen kann: damit man ihn mit in die Stadt nehmen kann! Man kaufte Jasiek zum Fest einen neuen Nnzug, ein Paar Stiefel und eine neue Mütze... Soll er wenigstens das „höre Israel" aufsagen. Die Schul ist gesteckt voll. Alle, grob und klein, sind weiß gekleidet, alle haben sich die Gebetmäntel über den Kopf gezogen, alle wiegen sich im Takte des Gebets und schreien und rufen immer lauter. vor dem Thoraschrein, wo sieben lange Wachslichter brennen, steht der Vorbeter mit seinen Thorjungen. . . Gedehnte Töne, von abgerissenem unterdrückten Schluchzen.begleitet, klagen und weinen: •) ist der wahrhasti König". 84

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