Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2276426-2276427-2276431--063-2276588- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der auf Nachbars großen Stier mit einem Stecken losging und dem sämtliche Hunde des Grter keinen Respekt beibrachten, empfand zum erstenmal eine tiefe Furcht vor der Unheimlichen Finsternis und Stille, die in der Natur herrschte, die ihm sonst so gut vertraut war plötzlich barst die schwarze Mauer in einen blendenden Zick-3ack-Strahl auseinander. Dann tönte aus den Höhen herab ein Krachen und poltern, das viel gewaltiger war als das, welches die großen Geschütze der Forts von Cuxhaven hervor brachten, wenn sie über die Elbe schossen. Gleichzeitig heulte der Sturm und rüttelte an den Fensterläden und an dem strohgedeckten Dach des Lotsenhäuschens, und aus dem Turm der Lotsenstation blitzte her schmale, aber Helle Strahl des Lichttelegraphen, der irgend eine Warnung über die Wasser zu einem Schiff sandte, daß weit draußen in Seenot sein mochte. Moses war so gebannt von diesen Vorgängen, daß er kaum bemerkte, wie der Lotse in voller Nusrüstung in die Stube trat, Frau Trina sich ihm weinend an den Hals warf und ihn flehentlich um etwas bat, was im Sausen des Sturmes und im Krachen des Donners nicht zu verstehen war. Nls er wieder gegangen war, befahl Frau Trina den Kindern, zu Bett zu gehen, und ihr Gesicht war so totenbleich und voller Schreck, daß keins von ihnen wagte zu widersprechen, trotz der Nngst, die sie empfanden. Moses hielt es für das Beste, die Bettdecke über den Kopf zu ziehen. So sah er nichts von den Blitzen, die sekundenlang das Zimmer tageshell erleuchteten, und das Krachen des Donners drang nur gedämpft zu ihm. Tr schlief bald ein, erwachte aber mitten in der Nacht vom Gepolter vieler Füße, die in der Stube herum gingen, und als er unter der Decke hervorsah. sah er beim Schein der Lampe Frau Trina am Tisch sitzen und bitterlich weinen, vor ihr standen mit ernsten Mienen drei Lotsen, denen dar Wasser noch an den Nöcken herablief. Moses verstand nicht, was sie sagten, aber das ganze Bild jagte ihm einen sülchen Schreck ein, daß er schnell unter die Decke zurückkroch und bald darauf wieder einschlief. Nm andern Morgen erfuhr er dann, daß in der Sturmnacht der Lotse den versuch gemacht hotte, an ein in Seenot geratenes Schiff zu gelangen, um er in den Hafen zu bringen, und dabei den Tod gefunden hatte. < 5 orI > » tzunq folgt.) 58