Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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So gingen mehr als vier Jahre ins Land. Moses wuchs und wurde ein Kräftiger, wagemutiger, lustiger Bursche. Tr unterschied sich in fast nichts von den gleichaltrigen Hosenmätzen, die rings umher in den Fischer¬ und Schifferhäusern . aufwuchsen. Nur daß jene fast ausnahmslos Strohköpfe mit Klauen Uugen waren, richtiges blondes Friesengewächs, während Moses unter einem schwarzen Schopf ein paar dunkle Uugen in einem Gesicht trug, das um einen Schein dunkler war als das seiner Spielgefährten. - * .' -t- (Es war um die Zeit, als die Söhne der Frau Trina begannen, den kleinen Mojes damit bange zu machen, daß er nun bald in die Schule käme, und daß der Lehrer ihn jeden Tag zweimal fürchterlich verhauen würde, als etwas geschah, das sein ganzes bisheriges Leben plötzlich von Grund auf änderte. Ts war im September, an einem Tage, der für die Jahreszeit besonders heiß war. Vas Meer, das während der letzten Wochen fast immer glatt wie ein Spiegel dagelegen hatte, begann schön am frühen Morgen Wellen mit weißen Schaumköpfen an den Strand zu werfen. Der hohe Mast bei der Lotsenstation hatte einen großen röten Ball arf der Spitze: das Zeichen für die Schiffer, daß ein Sturm im l)erannahen sei. Die Boote, die mit Tagesgrauen in See gestochen waren, kehrten schon im Laufe des vormittags in den sicheren Fischerhase» zurück. Uber schon halten einige von ihnen durch den Druck der Wellen ihre Uetze verlören und brachten keinen Fang mit nach Bause, vabei regte sich kein Lüftchen, und die Sonne strahlte mit einer solchen Wärme vom tiefblauen Himmel herab, als wäre es nicht September, sondern lllitte JulÜ Je inehr der Tag fortschritt, desto höher , wurden die Wogen, desto mehr weißen Gischt führten sie mit sich und desto starker wurde ihr Brausen. Uls Moses mit den andern nach dem Mittagsmahl den Deich entlang zur „Ulten Liebe" ging, spritzten die Wellen schon bis an ihre Füße. Der Steindamm, an dessen Ende die liugelbaake steht, war von den brausenden Wassern schon vollkommen überflutet, und es sah aus, als ob das schwere Gerüst aus dem Meeresgründe herauswüchse: Uuf ' der Ulten Liebe stöhnten die mächtigen Balken, die mit Seemoos und Tang bewachsen waren, als wehrten sie sich mit großer Unstrengung gegen die Woge», die immer höher an ihnen herauf leckten. 56