Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Butterblume Vifje Geschichte hat eine zwökfjährige Zreundin de» Var Uochba geschrieben. Wer folgt ihrem Verspiel? Lr war einmal eine Kleine Butterblume, die stand auf einer Wiese. Um sie herum wuchsen viele größere Blumen, die sich von Dingen unterhielten, die die Kleine dumme Butterblume nicht verstand. Doch sie Kümmerte sich nicht um sie: sie wußte genau, daß sie sie nicht verstand. Lines Tages, es war ein so recht schöner Frühlingsnachmittag, da Kam ein Knabe, ungefähr vierzehn Jahre alt, auf die Wiese. Bls er nahe bei dem Butterblümchen war, legte er sich in das weiche Gras. Beinahe wäre die kleine Butterblume von ihm zertreten worden, aber nun konnte sie ihn ganz genau beobachten.- Die anderen Blumen unterhielten sich ruhig weiter und spotteten über die kleine Blume, die nicht wagte, sich zu rühren. Sie hatte noch nie einen Menschen gesehen und freute sich über ihn Wenn sie auch klein und dumm war, so verstand sie doch, was es für ein kleine Blume bedeutet, neben einen jungen Menschen zu stehen. Und als er nun so auf den Bücken lag, die Hände unter dem Kopf, die Beine lang ausgestreckt und den Blick zum blauen Himmel gerichtet, da schien es, als freute er sich auch wie die kleine Blume über das schöne Wetter, die bunte Wiese und die kleinen Vögel, Nun summte er leise ein Liedchen vor sich hin. Und unsere kleine Blume? Während dieser Zeit stand sie bebend da und bekam einen sehnsüchtigen Wunsch. Üch, wenn dieser Knabe doch immer auf der Wiese bleiben würde, das war ihr Zehnen. Dann würde sie sicher noch mehr solche Lieder Hören, und vielleicht würde der Knabe ihr auch erzählen, wie es in den fremden Ländern aussieht, von denen schon viele Vögel mit einander gesprochen hatten und dabei mitleidig auf die kleine dumme Butterblume herabsahen. Dann wollte sie ihnen schon sagen, wieviel sie davon verstand, und woher sie das alles wußte. Dann würde sie, die kleine dumme Butterblume, schon beachtet werden, und keiner würde wagen, ihr hochmütig gegenüber zu treten. Während sie dies alles dachte, merkte sie nicht, daß der Knabe sie langst.verlassen hatte, daß die Sonne ihre letzten Strahlen ausgesandt hatte, daß es schon sehr spät war. Nun sah sie auch, daß die andern Blumen ihre Köpfe gesenkt hatten, und viele von ihnen schon schliefen. Der Mond stand schon mit seiner Herde, den Sternen, am Himmel und leuchtete weiß und schön auf sie herab. Die zarten vogelstimmen waren längst verstummt, und nur ein leiser wind, der durch die Bäume strich, war hörbar. Za. um so viel auszudenken, dazu braucht eine kleine dumme Butterblume lange Zeit. Nun schlief auch sie ein, und in der Nacht träumte sie von alledem, was sie sich ausgedacht hatte, und im Traum sah sie sich 50