Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1920-08-01
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sagte sie, „dann will ich den kleinen Juden behalten, und er soll es bei mir nicht schlechter haben, als alle Meine Rinder. Über, Herr Pastor, wie soll ich ihn denn nennen?" Wieder ging der Pfarrer mit seiner pfeife im Zimmer spazieren Dann blieb er stehen, lächelte und sagte: „Nun, wir haben dieses Rindlein aus dem Wasser gezogen, ähnlich so, wie die ägyptische Königstöchter den Bruder der Mirjam aus dem Wasser gezogen hat Nlso wollen wir ihn Moses nennen." So kam der kleine Junge, der ohne Vater und Mutter zwischen den Schornsteinen des „Rehr Wieder" gelegen hatte, zu einer Heimat und sogar zu einem Namen. 2. Kapitel, das in wenigen Leiten fünf Lebensjahre des kleinen Moses schildert und mit einem bedeutsamen Ereignis schließt. Wie alt der kleine Moses war, als Mutier Trina ihm in ihrem Häuschen und in ihrem Herzen einen Platz einräumte, war mit Genauigkeit nicht festzustellen. Venn er selbst konnte darüber keine Nuskunst geben, und einen Geburtsschein besaß er nicht. Über wenn eine Mutter erstreikte Reihe von Rindern großgezogen hat, so weiß sie auch ein Fremdes richtig abzuschätzen. Wenn sie vielleicht auch um Wochen irrte, als sie ihrem so unverhofft erworbenen „Jüngsten" ein Nlter von sechs Monaten zuschrieb, so mochte Mutter Trina doch im großen ganzen recht haben mit dieser Schätzung. Und es war recht von ihr. daß sie später den Tag. an dem ihr Jan das Häuflein Unglück zwischen die Kaffeetassen auf den Tisch gelegt Hatte, als den Geburtstag des kleinen Moses feierte. Venn einen Geburtstag muß jedes Rind haben. Rinder ohne einen Geburtstag gibt's überhaupt nicht. Gb es immer gerade der Tag ist, an dem man zur Welt gekommen ist, ist schon nicht mehr so wichtig. Venn sonst hätten die, welche in einem Schaltjahr am 29. Februar geboren sind, nur alle vier Jahre Geburtstag, und das wäre ungerecht. Kurz und gut, und damit wir vom Fleck kommen: der kleine Moses ließ sich's wohl sein und wuchs, daß es eine Freude war. In den ersten Monaten unterschied er sich in seinem Benehmen in nichts von andern 41